Amprion hat mit der Lösung die Integrationsmöglichkeiten von Daten aus unterschiedlichen Quellen und deren Bereitstellung für verschiedene Ziele nach eigenen Angaben bedeutend ausgedehnt.

Amprion hat mit der Lösung die Integrationsmöglichkeiten von Daten aus unterschiedlichen Quellen und deren Bereitstellung für verschiedene Ziele nach eigenen Angaben bedeutend ausgedehnt.

Bild: © Digital Vision Lab/AdobeStock

Die Energiebranche generiert gewaltige Datenmengen. Unternehmen, denen es gelingt, mit einer ganzheitlichen Strategie, die validen Daten zu sammeln und für alle relevanten Prozesse verfügbar zu machen, können viel Geld einsparen. Laut Studien kann der Umsatz durch datengetriebene Entscheidungen um bis zu sieben Prozent gesteigert werden. Der Kommunalversorger Eins Energie in Sachsen hat sich auf den Weg gemacht, um mittel- bis langfristig eine Datenexzellenz zu erreichen. Das erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen.

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Gastbeitrag von

Martin Ridder, Eins Energie in Sachsen
Marko Sarstedt, Ludwig-Maximilians-Universität München
Felix Schwerin, SMP Strategy Consulting

Kaum ein Thema elektrisiert die Geschäftswelt derzeit so sehr wie künstliche Intelligenz (KI). Die Visionen sind gewaltig: smartere Entscheidungen, effizientere Prozesse und völlig neue Geschäftsmodelle. Doch so beeindruckend die Möglichkeiten auch scheinen, eines steht fest: Der Erfolg von KI steht und fällt mit der Qualität der zugrunde liegenden Daten. Ohne valide, umfassende und konsistente Daten bleibt KI eine Potenzial-Technologie – faszinierend, aber wirkungslos.

In der Energiewirtschaft, die sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet, ist die Herausforderung besonders groß. Große Mengen unterschiedlicher Daten – von Verbrauchsmessungen über Netzanalysen bis hin zu Kundeninteraktionen – müssen effizient verarbeitet und genutzt werden. Das Thema Datenexzellenz rückt damit in den Mittelpunkt: Es geht darum, Daten nicht nur zu sammeln, sondern sie optimal zu nutzen, zu pflegen und für alle relevanten Prozesse verfügbar zu machen. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die technische Infrastruktur oft weniger das Problem ist als das menschliche Verhalten.

Die Bedeutung von Daten in der Energiebranche

Die Energiewirtschaft ist ein Paradebeispiel für datenintensive Geschäftsmodelle. Studien zufolge generiert die Branche jährlich Datenmengen im Petabyte-Bereich, wobei die Quellen von Smart-Meter-Daten über Netzmonitoring bis hin zu Marktanalysen reichen. Allein der Einsatz von Smart Metern führt zu einer 20-30%igen Steigerung der Effizienz bei der Lastverteilung. Trotzdem nutzen viele Energieunternehmen nur etwa 10 bis 15 Prozent ihrer verfügbaren Daten aktiv für strategische Entscheidungen.

Dieser ineffiziente Umgang mit Daten birgt enorme Kostenpotenziale: Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) könnten durch verbesserte Datenqualität jährlich weltweit bis zu 15 Milliarden Euro in der Energiewirtschaft eingespart werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass Unternehmen mit starker Datenstrategie ihren Umsatz bis 2030 im Schnitt um fünf bis sieben Prozent steigern können – allein durch datengetriebene Entscheidungen.

Das Paradoxon der Daten: Einstellung trifft Verhalten

Obwohl die meisten Menschen wissen, wie wichtig saubere Daten für den Unternehmenserfolg sind, zeigt sich in der Praxis häufig ein anderes Bild:

  • Daten werden doppelt erfasst, Dubletten entstehen.
  • Datenflüsse zwischen Abteilungen sind unterbrochen, da Schnittstellen nicht bedient werden.
  • Datenpflege wird vernachlässigt, weil die Bedeutung einzelner Datensätze für das Gesamtbild nicht erkennbar ist.

Dieses Paradoxon – die Diskrepanz zwischen Einstellung (Attitude) und Verhalten (Behavior) – wird in der Psychologie als Attitude-Behavior Gap beschrieben. Es zeigt sich überall dort, wo Menschen zwar ein Ziel unterstützen, in der Umsetzung jedoch scheitern.

Psychologische Distanz: Das unsichtbare Hindernis

Ein zentraler Faktor für diese Lücke ist die sogenannte psychologische Distanz. Solange Daten für den Einzelnen abstrakt bleiben und ihr Nutzen nicht greifbar ist, erscheinen andere Aufgaben dringlicher oder relevanter.

Ein Beispiel dafür ist die Wahrnehmung von KI-Projekten: Für viele Mitarbeiter sind diese wie ein "Goldtopf" am Ende eines Regenbogens – spannend, aber weit entfernt von der Realität ihrer täglichen Arbeit. Datenpflege dagegen ist mühsam, die Auswirkungen sind oft nicht unmittelbar sichtbar und der eigene Beitrag erscheint unbedeutend.

Ein weiteres Hindernis ist das Silodenken, das in vielen Unternehmen nach wie vor existiert. Abteilungen betrachten ihre Daten oft als Besitz und scheuen sich, diese mit anderen zu teilen. Oder es fehlt schlicht an Erkenntnis, dass ihre Daten Relevanz für nachgelagerte Prozesse oder eine ganzheitliche Betrachtung haben. Beides führt zu Datensilos, die wertvolle Synergien verhindern, und erschwert eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Die Folge: Ein undurchsichtiger Datendschungel, der Effizienz und Innovation bremst.

Datenexzellenz bei Eins Energie: Ein Weg der Veränderung

Wie macht man sich nun am besten auf die Reise zu höherer Datenexzellenz?

Die Eins Energie in Sachsen, ein kommunaler Energieversorger und Infrastrukturdienstleister in Chemnitz und der Region Südsachsen, hat früh erkannt, dass Datenqualität eine entscheidende Grundlage für zukünftige Innovationen ist. Mit dem Programm "Datenexzellenz@eins“ verfolgt das Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz, um sowohl technologische als auch kulturelle Barrieren zu überwinden.

Den Verantwortlichen bei der Eins ist bewusst, dass die Menge und Verfügbarkeit, sowie die Qualität der Daten entscheidend sein werden dafür, ob das Unternehmen die Potenziale von KI vollständig ausschöpfen kann. Das ist neben den in den nächsten Jahren anstehenden großen IT-Migrationsprojekten (S4/HANA, Thüga Abrechnungsplattform) die Hauptmotivation. Aber es geht  auch um die Vermeidung der negativen Auswirkungen, beides in nicht ausreichender Ausprägung und Güte zu haben. Dies wird jeden Tag spürbar; einerseits durch unnötige Ineffizienz in operativen Prozessen, andererseits, weil man Chancen nicht vollständig nutzen kann.

Dabei liegt der Fokus nicht allein auf technischen Lösungen, sondern auch auf einer tiefgreifenden Veränderung der Unternehmenskultur. Denn Datenqualität ist nicht nur eine Frage von Systemen, sondern vor allem von Haltung.

Drei Schritte zur Datenexzellenz bei Eins

1. Ein klares Zielbild schaffen

Um Datenqualität messbar zu machen, formuliert die Eins Energie ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von zwei Jahren sollen 95 Prozent aller relevanten Daten (strukturierte und unstrukturierte) im zentralen Business Warehouse als Single-point-of-truth verfügbar sein, end-to-end und in-time.

Dieses Ziel schafft Orientierung und Verbindlichkeit – und es macht deutlich, dass Daten nicht länger nur eine Ressource, sondern ein strategischer Vermögenswert sind. Transparenz ist hierbei entscheidend: Datenflüsse, Systeme und deren Zusammenhänge werden umfassend dokumentiert, um Optimierungspotenziale sichtbar zu machen.

2. Datenkultur etablieren

Technologische Lösungen allein reichen nicht aus – es braucht eine kulturelle Transformation, welche Daten ins Zentrum der Organisation stellt. Dazu gehören:

  • Leuchtturmprojekte: KI-Anwendungen, die auf sauberer Datenbasis aufbauen, werden intern vorgestellt, um den Nutzen von Datenpflege anschaulich zu machen.
  • Data Champions: Speziell ausgebildete "Datenbotschafter" unterstützen Teams bei der Einhaltung von Standards und fördern das Verständnis für den Wert qualitativ hochwertiger Daten.
  • Storytelling: Erfolgsgeschichten aus anderen Branchen oder Unternehmen zeigen, wie datengetriebene Entscheidungen Wettbewerbsvorteile schaffen.

3. Systeme und Prozesse anpassen

Ein zentrales Element des Programms ist die technologische Infrastruktur. Eins setzt auf Systemstrategie, die sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Daten integriert. Parallel dazu wird die Governance überarbeitet: Datenverantwortliche werden definiert, die für die Qualität und Pflege spezifischer Datensätze zuständig sind.

Von der Vision zur Praxis: Die Rolle der Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sind am Ende der Schlüssel zum Erfolg. Sie gilt es fortlaufend zu motivieren, sich aktiv für Datenqualität einzusetzen. Dabei setzt eins energie auf ausgewählte Mechanismen, die die Distanz zum Thema Datenmanagement verringern:

  • Greifbare Erfolgserlebnisse: Projekte, die direkt zeigen, wie gute Datenqualität den Arbeitsalltag erleichtert, schaffen Motivation.
  • Verknüpfung mit konkreten Aufgaben: Mitarbeiter, die den Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und den langfristigen Unternehmenszielen erkennen, engagieren sich stärker.
  • Belohnung guter Datenpflege: Anerkennung und Feedback spielen eine zentrale Rolle, um das Verhalten nachhaltig zu ändern.

Eine Reise der Transformation

Die Reise der Eins Energie zeigt, dass Datenexzellenz keine rein technische Herausforderung ist. Sie erfordert vielmehr ein Umdenken auf allen Ebenen – von der Geschäftsführung bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter. Dabei wird deutlich: Die Kombination aus technologischer Stärke, klaren Zielen und einer datenorientierten Kultur ist der Schlüssel zum Erfolg. In einer Branche, die vor enormen Herausforderungen steht, setzt Eins Energie mit „Datenexzellenz@eins“ ein Zeichen. Es ist eine Reise, die Mut, Engagement und einen langen Atem erfordert – und die doch unabdingbar ist, um die Energiewirtschaft zukunftsfähig zu machen.

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