Biomethan bildet für VNG einen zentralen Punkt der Unternehmenssrtrategie.

Biomethan bildet für VNG einen zentralen Punkt der Unternehmenssrtrategie.

Bild: © Jeibmann Photographik/VNG

Der Leipziger Konzern VNG hat 2025 über Plan gewirtschaftet und erreichte ein operatives Ergebnis von 422 Millionen Euro bei einem Umsatz von 18 Milliarden Euro (2024: 16 Milliarden Euro). Die Eigenkapitalquote ist von 33 auf 41 Prozent gestiegen. Entsprechend selbstbewusst gibt sich VNG-Vorstandschef Ulf Heitmüller: "Unsere finanzielle Stärke gibt uns die nötige Stabilität, um das Bestandsgeschäft gezielt weiterzuentwickeln, in die Infrastruktur erneuerbarer und dekarbonisierter Gase wie Biogas und Wasserstoff zu investieren", sagte er bei der Vorstellung der Bilanzzahlen vor Journalisten.

Die Krise im Nahen Osten beobachte das Unternehmen genau. "Die Sperrung der Straße von Hormus hat bislang nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland", so Heitmüller. Sehr wohl habe die Krise aber Auswirkungen auf die Preise, "die in den vergangenen Wochen eine deutliche Berg- und Talfahrt erlebt haben".

Diversifizierung und Herausforderungen durch EU-Methanverordnung

Nach Angaben des Leipziger Gasunternehmens bilden LNG-Lieferungen je nach Saisonalität zwischen 10 und 15 Prozent des Portfolios, aus den kriselnden Regionen stammen sie aber nicht. Stattdessen setzt VNG auf Pipelinegas aus Norwegen, Algerien und neuerdings auch aus Aserbaidschan. Die Verträge mit dem kaukasischen Staat laufen erst seit Jahresbeginn an, sagte Heitmüller, üblicherweise gehe das Volumen erst in den nächsten Schritten hoch.

VNG-Vorstandschef Ulf Heitmüller sieht sein Unternehmen in der aktuellen globalen Krise gut aufgestellt.Bild: © VNG AG

Wir führen derzeit Gespräche über größere Volumina. Bereits heute beziehen wir Pipelinegas aus Algerien sowie Gas aus Aserbaidschan

Ulf Heitmüller

VNG-Vorstandsvorsitzender

Erst vor wenigen Tagen betonte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Bedeutung langfristiger Gaslieferverträge. Dazu VNG: "Wir führen derzeit Gespräche über größere Volumina. Bereits heute beziehen wir Pipelinegas aus Algerien sowie Gas aus Aserbaidschan", so Heitmüller.

Eine Herausforderung stelle aktuell die europäische Methanverordnung dar, die neue Vertragsabschlüsse erschwere. Das Unternehmen begrüße zwar ausdrücklich die EU-Verordnung zur Reduzierung der Methanemissionen, zugleich warnte der Konzern aber davor, mit den neuen regulatorischen Vorgaben die Versorgungssicherheit zu gefährden. Konkret meint VNG damit, dass die praktische Umsetzung der EU-Methanregeln derzeit Unsicherheiten für Importverträge schafft. Besonders betroffen seien Lieferungen aus Ländern außerhalb der EU, bei denen die Nachweisführung der Einhaltung der Vorgaben noch nicht praktikabel ist.

VNG fordert in diesem Zusammenhang verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Diversifizierung der Lieferquellen weiter vorangetrieben werden kann, ohne dass regulatorische Unsicherheiten langfristige Verträge blockieren.

Gasspeicher als zentraler Sicherheitsanker

Unter den kritischen Infrastrukturen der Gasversorgung nehmen Gasspeicher eine Schlüsselrolle ein. VNG betreibt ein Portfolio von Untergrundspeichern mit einer Gesamtkapazität von rund 31 Terawattstunden, das mehr als drei Milliarden Kubikmeter Gas umfasst. Diese Speicher dienen als Puffer für Zeiten besonders hoher Nachfrage und gewährleisten, dass Gas kurzfristig verfügbar ist, wenn es benötigt wird. Heitmüller betont: "Unsere Untergrundspeicher sichern die Versorgung in Zeiten besonders hoher Nachfrage und stellen kurzfristig Gas bereit, wenn es gebraucht wird." Damit leisten die Speicher einen entscheidenden Beitrag zur Resilienz des Energiesystems.

Marktdynamik und Einspeicherung

Die Füllstände der Gasspeicher hängen stark von den Marktbedingungen ab, insbesondere vom sogenannten Sommer-Winter-Spread. Steigen die Gaspreise im Sommer über die Winterpreise, gibt es keinen wirtschaftlichen Anreiz, Speicher zu befüllen. Diese Marktmechanik zeigt, dass Versorgungssicherheit eng mit wirtschaftlich funktionierenden und liquiden Märkten verknüpft ist. Heitmüller erklärt: "Gut funktionierende Märkte sind ein zentraler Bestandteil der Versorgungssicherheit." Trotz der derzeitigen Herausforderungen durch Preisvolatilität und geopolitische Unsicherheiten sieht VNG gute Chancen, die Speicher bis zum nächsten Winter wieder ausreichend zu füllen, wenn aktive Maßnahmen ergriffen werden.

Zukunftsperspektive und politische Rahmenbedingungen

Langfristig ist für VNG entscheidend, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen verlässlich gestaltet werden. Die verpflichtenden Speicherfüllstände laufen 2027 aus, daher sollten strategische Lösungen wie marktbasierte Mechanismen oder strategische Reserven frühzeitig definiert werden. Ergänzend dazu spielt Biomethan eine zunehmend wichtige Rolle: Es ist speicherbar, flexibel einsetzbar und kann über bestehende Gasinfrastruktur transportiert werden. Damit lassen sich Speicherkapazitäten optimal ergänzen, um Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung gleichzeitig zu gewährleisten. Heitmüller fasst zusammen: "Wir sehen grundsätzlich gute Chancen, dass die Speicher bis zum Winter wieder ausreichend gefüllt werden können, allerdings wird dies nicht automatisch geschehen, sondern erfordert weiterhin aktives Handeln."

Strategische Investitionen in Biogas und Wasserstoff

VNG investierte 2025 konzernweit rund 244 Millionen Euro, überwiegend in Ostdeutschland und größtenteils aus eigener Kraft. "Unsere Investitionen sichern nicht nur die Versorgung, sondern schaffen zugleich regionale Wertschöpfung", sagte Bodo Rodestock, VNG-Vorstandsmitglied für Finanzen und Personal.

Der mit Abstand größte Anteil entfällt auf den Bereich Transport, zu dem unter anderem Ausbau und Ertüchtigung der Transportnetze gehört. An zweiter Stelle folgt der Bereich Biomethan, der 20 Prozent der Gesamtinvestitionen erhielt.

Die VNG-Tochter Balance Erneuerbare Energien betreibt inzwischen 40 Biogasanlagen in Nord- und Ostdeutschland mit einer installierten Feuerungswärmeleistung von rund 241 MW. Im Oktober 2025 wurde das größte Zukaufpaket der letzten Jahre realisiert: zehn Anlagen an fünf Standorten.

Biomethan werde zunehmend als Baustein der Wärmewende, der Versorgungssicherheit und der Dekarbonisierung gesehen, kommentierte Heitmüller. "Biogas und Biomethan verbinden Klimaschutz mit Verlässlichkeit – lokal erzeugt, flexibel einsetzbar und verfügbar, wenn andere erneuerbare Energien an Grenzen stoßen."

Hoffnung auf die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes

Welche Chancen auf Wachstum Biomethan hat, hänge von den politischen Rahmenbedingungen ab. Netzanschlüsse und verlässliche Zertifizierungsregeln seien notwendig, um ausreichende Mengen zu marktgerechten Preisen bereitstellen zu können. Große Hoffnungen verbindet VNG mit der Reform des Gebäudeenergiegesetzes – sie könnte dem Markt zusätzlichen Schub verleihen, "sofern die Umsetzung technologieoffen erfolgt".

Energiepark Bad Lauchstädt

Im Energiepark Bad Lauchstädt treibt VNG den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft voran. Dort entsteht erstmals die komplette Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab: Elektrolyse, Transportleitung und Anbindung an industrielle Kunden wie die Total-Energies-Raffinerie Mitteldeutschland.

Das Ontras-H2-Startnetz umfasst rund 600 Kilometer Wasserstoffleitungen, davon 80 Prozent mit Umstellung bestehender Erdgasleitungen. Projekte wie Green Octopus Mitteldeutschland verbinden industrielle Zentren und schaffen Schlüsselinfrastruktur.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper