Die Gaskosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind laut einer Erhebung von Verivox auf Jahressicht um 28,2 Prozent gestiegen.

Die Gaskosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind laut einer Erhebung von Verivox auf Jahressicht um 28,2 Prozent gestiegen.

Bild: © Ilya Rumyantsev/Adobestock

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vor wenigen Tagen eine Unterlassungsklage gegen Eon beim Landgericht München I eingereicht. Der Energiekonzern hatte seine Ökogasprodukte als klimaneutral beworben und das Marketing bis zuletzt trotz mehrfacher Aufforderung zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung nicht angepasst.

Dies bestätigte Agnes Sauter, Bereichsleiterin ökologische Verbraucherberatung und Marktüberwachung bei der DUH. Eon war erstmals im März dieses Jahres von der DUH zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden. Ein Großteil der damals angeschriebenen über ein Dutzend Gasversorger hat seine Werbung laut DUH mittlerweile angepasst.

DUH: "Wir versuchen, den Druck aufrechtzuerhalten"

"Unsere Stichproben bei Stadtwerken zeigen uns, dass die Branche hier schon viel vorsichtiger geworden ist und unsere Bemühungen Wirkung zeigen", sagt Agnes Sauter auf ZfK-Anfrage. Werbung für Produkte  mit dem Begriff Klimaneutralität sei spätestens mit der Umsetzung der Greenwashing-Richtlinie ECGT der EU in nationales Recht verboten. „Bis dahin versuchen wir, den Druck aufrechtzuerhalten“, so Sauter.

Das gilt auch für den Darmstädter Energieversorger Entega. Auch dieser darf seine Ökogasprodukte nicht mehr mit den Bezeichnungen klimaneutral und dem Versprechen einer 100-prozentigen Kompensation der bei der Verbrennung entstehenden CO2-Kompensation bewerben. Das hat das Landgericht Darmstadt nach einer Klage der DUH entschieden.

„Viele Wald- und Aufforstungsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern erreichen nicht die versprochenen CO2-Einsparungen“, erklärt dazu Agnes Sauter.

Entega wurde schon vor der Correctiv-Recherche aktiv

Entega war der erste Energieversorger, der von der Umwelthilfe zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden war und zwar bereits im Herbst vergangenen Jahres. Das in Darmstadt ansässige Unternehmen hatte nach eigenen Angaben bereits zu diesem Zeitpunkt zugesichert, künftig auf die Werbung zu verzichten. Da die DUH einen Vergleich ablehnte, musste jetzt das Gericht entscheiden. Da Entega den Rechtsanspruch der DUH anerkannte, wurde auf eine Urteilsbegründung verzichtet. Es handelt sich um ein sogenanntes Anerkenntnisurteil.

„Wir werben schon seit Monaten nicht mehr mit dem Begriff Klimaneutralität und haben lange vor der Aufforderung der DUH und der Veröffentlichung des Recherche-Netzwerks Correcitv damit begonnen. Die Missbrauchsanfälligkeit weit davor schmerzlich bewusst geworden und wir versuchen dies soweit wie möglich abzustellen“, erklärte Entega-Sprecher Michael Ortmanns auf Anfrage. Correctiv hatte in einer im Frühjahr erschienenen Studie die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit vieler Ökogastarife massiv in Frage gestellt.

Laut Einschätzung von Wissenschaftlern sollen 116 Gasversorger CO2-Gutschriften aus Klimaschutzprojekten genutzt haben, die nicht plausibel nachweisen können, dass Emissionen tatsächlich reduziert oder eingespart wurden.

"Bestimmte Zertifikate kaufen wir nicht mehr ein"

Das gesamte Produktportfolio der Entega werde überprüft und wenn nötig weiter optimiert, so der Entega-Sprecher. Die Zusammenarbeit mit zwei Zertifikateanbietern habe man eingestellt, konkret geht es um Projekte in Brasilien. „Externe Dienstleister, die sich um den Einkauf dieser Zertifikate kümmern, hatten uns auf Unregelmäßigkeiten bei einigen Anbietern hingewiesen“, stellt Ortmanns klar. Daraufhin habe man entschieden, bestimmte Zertifikate nicht mehr einzukaufen und einige bereits eingekaufte Papiere auf Eis gelegt.

Der Ökostromanbieter versorgt über 200000 Haushalte mit Ökogasprodukten. Trotz des aktuellen Eingeständnisses sieht der Entega-Sprecher das Produkt Ökogas zu Unrecht in eine „Schmuddelecke gesteckt“ und weist den plakativen Vorwurf einer "Ökogas-Lüge" zurück.

"Ökogas ist nach wie vor sinnvollste Option für die breite Masse"

„Das Thema ist deutlich komplexer. Wir brauchen Gas noch einige Jahre als Brückentechnologie. Ökogas ist zwar nur die zweitbeste Lösung, aber aktuell die sinnvollste Option, um für die breite Masse der Bevölkerung ein Produkt mit möglichst großem Nutzen für das Klima anzubieten“, so der Entega-Sprecher. Wenn es eine aktuell bessere und bezahlbare Alternative geben würde, um eine emissionsfreie Gasversorgung zu ermöglichen, würde man diese nutzen. Aktuell arbeite man mit sehr hohem Ressourceneinsatz daran, das Produkt noch besser zu machen.

In Darmstadt hat sich mittlerweile eine "Interessengemeinschaft Ökogas-Lüge" gegründet und in einer  Petition die Entega aufgefordert, das Angebot komplett einzustellen. Gleichzeitig wurde eine Rückerstattung der Gaskosten des vergangenen Jahres gefordert. Auch hier suche man das Gespräch und versuche für die Komplexität des Themas zu sensibilisieren, heißt es. Von Seiten der betroffenen Entegakunden hat es bisher nach Angaben des Unternehmens kaum Reaktionen gegeben. (hoe)

Mehr dazu aus dem ZfK-Archiv:

"Klimaneutrales Ökogas gibt es nicht"

BGH verschärft Anforderungen an Werbung mit Umweltversprechen

Ökogas: Stadtwerke-Branche nimmt Correctiv-Recherche sehr ernst

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