Der KI-Hochlauf kommt bei den Stadtwerken an. Dass Unternehmen und ihre CEOs sich mittlerweile tief gehende Gedanken dazu machen und in die Implementierung gehen, zeigte sich auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin. Gasag-Vorstand Mathias Trunk berichtete, dass die Gasag 109 Anwendungsfälle für die Technologie identifiziert habe und davon 40 priorisiert umsetzen wolle.
Neben Klassikern wie im Energiemanagementsystem sei KI-Unterstützung für den Kundenservice interessant. "Wir bekommen Kundenanfragen, da wissen wir nicht, was der Kunde von uns möchte. Die KI kann hier den Text auslesen und auch gleich Antwortmöglichkeiten liefern."
Einige gehen von einer tief gehenden Umwälzung in der Branche aus: "KI wird die Basistechnologie, auf der viele Unternehmen aufbauen", meint Oliver Hoffmann, Geschäftsführer Respect Energy. Das Unternehmen nutzt KI bereits im Energy Trading mit großen Ersparnissen, wie Hoffmann berichtet: "Wir haben 15 Mitarbeitende im Trading, früher hatten solche umsatzstarken Teams wie unseres 100."
Werbung für Plattformlösungen
Der CEO von Epilot, Michel Nicolai, warnt vor der insularen Einführung von KI, also in der Daten- und Plattformstrategie Alleinkämpfer zu sein: "Wenn wir über größere Strukturen oder Plattformen sprechen, bin ich der Meinung, dass eine isolierte Einführung von KI nicht erfolgreich sein wird." Denn gerade KI profitiere von einer möglichst großen Datenbasis. "Jede Energiemarktlösung muss spezifisch auf die Branche zugeschnitten sein und ist letztlich nur so gut wie die Datenbasis, auf der sie aufbaut", sagt Nicolai. "Der Erfolg hängt von einer umfassenden Integration und Zusammenarbeit ab."
"Wir haben bereits über 160 Kunden in unserer Community, und wir glauben, dass Daten in Zukunft dezentraler verwaltet werden sollten – im Gegensatz zu heute, wo viele Akteure auf instanzbasierte oder voneinander getrennte Ansätze setzen. Eine gemeinsame und gut verwaltete Datenbasis wäre ein entscheidender Fortschritt", sagt Nicolai.
"Im Wettbewerb wird durchaus kooperiert und gleichzeitig konkurriert. Aktuell sehen wir viele Daten aus Städten, von Netzwerken oder aus Prozessen, die Schwachstellen aufzeigen. Hier liegt ein großes Potenzial, Prozesse zu optimieren und die Interaktion mit allen Beteiligten zu verbessern."
KI-Strategie sollte durchdacht werden, warnt Experte
Wer KI einsetzt, sollte sich weitergehende Gedanken zur Implementierung machen, meint Christian Bogatu, Investment Director bei "Sprind" – der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Er nennt das Thema Ladesäulen als Paradebeispiel dafür, wie halbherzig Innovation manchmal angegangen werde. "Wenn man die Frage stellt, wie Ladesäulen in Stadtwerke-Strategien integriert sind, ist die Antwort oft oberflächlich: Es wird eine Säule aufgestellt, ein Foto mit dem Bürgermeister gemacht, und das war’s dann."
Was fehlt, sei eine durchdachte Implementierung, die über den symbolischen Akt hinausgehe. "Es braucht mehr als nur eine Ladesäule – es braucht eine grundlegende Digitalisierung, innovative Konzepte und eine klare Strategie, wie Elektromobilität tatsächlich in die Infrastruktur eingebunden werden kann", sagt Bogatu. Seine Bitte an die gesamte Branche lautet daher: "Nehmen wir Innovation ernst, denken wir ganzheitlich und schaffen wir Lösungen, die langfristig Wirkung zeigen."



