Bild: © DVV

Der Titel „Arbeit 4.0 – Alles Einstellungssache!“ eines Forums beim BDEW Kongress in Berlin brachte es gut auf den Punkt. Die Digitalisierung bringt einen Veränderungsprozess in der Arbeitsorganisation und -inhalten sowie bei den Personalanforderungen in Gang, der weit über bloße IT-Kenntnisse hinausgeht.

„Wir brauchen zunehmend Mitarbeiter, die über Kompetenzen der Selbstorganisation und Selbststeuerung verfügen, die ihre eigene Arbeit und ihr eigenes Lernen organisieren und mit allem zwischen innen und außen umgehen können“, sagte Katharina Herrmann, Arbeitsdirektorin bei 50 Hertz. Mit Letzterem hob sie auf Zusammenarbeit mit Fremdfirmen und die zunehmende Bedeutung externer Dienstleister ab. Die Zeiten seien längst vorbei, als nur Führungskräfte diese steuerten, dies sei mittlerweile Alltag für viele Mitarbeiter, beispielsweise auf Baustellen.

Teams Verantwortung übertragen

„Wir haben begonnen, kleine Teams aufzusetzen, die kundenorientiert Prozesse von Ende zu Ende abarbeiten“, berichtete Julia Hoffmann, Abteilungsleiterin Organisation von Rheinenergie. „Hierbei haben wir die Verantwortungsspielräume ganz weit aufgemacht und unseren Mitarbeitern viel Verantwortung überlassen. Und der Teamansatz hat sich bisher bewährt. Alle haben ihre Kompetenzen eingebracht und alles gemeinsam besprochen“, so Hoffmann.

Bewährt habe sich auch eine enge Absprache mit dem Betriebsrat, auch in puncto arbeitsrechtlichen Regelungen. „Wir wissen, dass die 10-Stunden-Regelung nicht überschritten werden darf, doch kann man in der Anfangsphase auch nicht ganz ausschließen, dass mal jemand ein wenig länger arbeitet“, so Hoffmann.

Führungskräfte müssen sich auch zurücknehmen können

Entscheidend ist jedoch, dass entsprechende Veränderungsprozesse vom Vorstand mitgetragen werden und sich Führungskräfte auch zurückhalten können, unterstrich Hoffmann. „Auch ich muss mich manchmal ein Stück weit zurücknehmen können, die Verschiebung von Verantwortlichkeiten tut manchmal weh“, berichtete sie. Jedenfalls erfordere eine neue Unternehmenskultur, dass sich Führungskräfte nicht als Fahrer und Kümmerer verstehen, sondern eher als Leitplanke, betonte auch Ron-Arne Sydow von der Personalberatung Callidus Energie. „Ja, das tut zum Teil weh, wir müssen uns ständig verändern“, so Uwe Fischer, Bereichsleiter Informationsmanagement bei den Stadtwerken Leipzig.

„Je mehr Gegenwind kam, umso mehr haben wir uns als Team angestrengt“, berichtete Mandy Schwerendt, Leiterin des Digitalvertriebs bei Enercity. Der Kommunalversorger von Hannover wählte hierbei den Weg, einen komplett neuen Vertrieb mit einem gemischtem Team sowie einer neuen IT aufzubauen, gegen manche interne Widerstände. „Manchmal dachte ich schon, warum mache ich das alles, wenn ich nachher nur von vielen verhauen werde?“, berichtete Schwerendt. „Doch unser Erfolg gibt unserem Ansatz recht.“ (hcn)

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