Von Artjom Maksimenko
Nach dem Vorschlag des Verbandes Europäischer Übertragungsnetzbetreiber Entso-E, die einheitliche Gebotszone in Deutschland in bis zu fünf Teile zu trennen, hat sich Peter Reitz, CEO der EEX-Gruppe für ihren Erhalt ausgesprochen.
"Wir sprechen uns schon seit langem für den Erhalt der einheitlichen deutschen Strompreiszone aus", sagte Reitz bei der Vorstellung der Jahresbilanz der European Energy Exchange (EEX), der Bilanzzahlen der Börse, die im abgelaufenen Jahr ein Rekordergebnis eingefahren hat.
Prominente Unterstützung
Diese Konstellation habe viele Vorteile, vor allem für die Marktteilnehmer. Bei kleineren Märkten sei die Wahrscheinlichkeit eines Marktmachtmissbrauchs einzelner Akteure höher. Aber auch die Liquidität, die sich dann in den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Kosten widerspiegelt, sei bei breiteren Spannen zwischen Angebot und Nachfrage deutlich höher. "Die einheitliche Strompreiszone ist ein großes Asset, das es zu verteidigen gilt".
Diese Ansicht teilt auch die Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde sowie das Bundeswirtschaftsministerium unter Minister Robert Habeck (Grüne) hatten sich bislang gegen ein Strompreiszonen-Splitting ausgesprochen. Auch die Forderung der Verbände BDEW und VKU ist hier eindeutig: "Der Bidding-Zone-Review zeigt klar, dass die Idee einer Aufteilung der deutschen Strompreiszone ökonomisch nicht überzeugen kann und kurzfristig nur sehr geringe Einsparungen zu erwarten wären", sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
"Die einheitliche Strompreiszone ist ein großes Asset, das es zu verteidigen gilt". – Peter Reitz, CEO der EEX
Der EEX-Chef geht davon aus, dass die Bundesregierung auch diesen Versuch einer Gebotszonenteilung abwehren werde. "Die Übertragungsnetzbetreiber müssen dafür sorgen, dass gut 70 Prozent der Kapazitäten an den Gebotszonengrenzen handelbar sind", sagte er. Reitz gehe davon aus, dass dieses Ziel zum Jahresende erreicht wird. Dann werde es keinen Grund geben, diesen großen Liquiditätspool zu zerschlagen.
Einen wesentlichen Beitrag für eine höhere Versorgungssicherheit könnte aus seiner Sicht ein funktionierender Handel mit Flexibilität bereits auf der Verteilnetzebene leisten.
Der britische Markt sei dabei ein erfolgreiches Beispiel für einen solchen funktionierenden Handel. Im Umfeld von London hatte die EEX-Tochter, Epex Spot, einen Markt aufgebaut, um den Verteilnetzbetreibern zu helfen, in ihrem Netzgebiet die Balance zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen. Als Flexibilitätsprovider agieren dabei sowohl Erzeuger als auch die Verbraucher von Energie. "Hier geht es um die wirtschaftliche Anregung für Flexibilität im Verbrauch", so Reitz. Für den deutschen Markt könnte diese Lösung neben einer einheitlichen Gebotspreiszone für den Großhandel ein Teil des Marktdesigns sein, das künftig bereits auf der Verteilnetzebene Angebot und Nachfrage gut zusammenbringen könnte.
Rekordergebnis für die EEX
Die EEX hat 2024 mit einem Jahresüberschuss von 242 Millionen Euro ihr Vorjahresergebnis um 15 Prozent gesteigert. Der Umsatz legte um 16 Prozent auf 670 Millionen Euro zu. Insgesamt weise die Börse "in allen wesentlichen Segmenten" ein deutliches Wachstum vor, sagte Reitz. Ein wesentlicher Faktor für die positive Entwicklung war die anhaltende Abwanderung der Kunden vom OTC- zum Börsenhandel und dem Clearinggeschäft. Insgesamt hat die EEX-Gruppe rund 80 neue Handelsteilnehmer über alle Assetklassen zugelassen.
Auch im ersten Quartal gehe die positive Entwicklung weiter. Der Umsatz am europäischen Spotmarkt legte um zehn Prozent auf 235 Terawattstunden (TWh) zu. Im Strom-Terminhandel war dies ein Anstieg um 29 Prozent (2508 TWh). Bei Gas stieg der Umsatz um 19 im Spotbereich und ging im Terminhandel um ein Prozent zurück. Für das laufende Jahr hat die EEX die Einführung von Emissionsprodukten im Rahmen des EU-ETS 2 angekündigt. Das Future für Wärme und Verkehr soll am 7. Juli starten, sagte Reitz.



