Der Vorstand von Enercity (v.l.): Marc Hansmann, Aurélie Alemany und Eefje Pompen.

Der Vorstand von Enercity (v.l.): Marc Hansmann, Aurélie Alemany und Eefje Pompen.

Bild: © Enercity

Trotz aller Diskussionen um Technologieoffenheit und Biogastreppen: Bei Enercity gibt es Klarheit bei der Wärmewende, das versichert Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende der Enercity. "Für die Städte ist die Wärmeplanung letztendlich die relevante Größe und die Bundesregierung ist bei dem Thema auch klar", sagt die Managerin auf der Bilanzpressekonferenz des Hannoveraner Konzerns. "Wir bleiben auf unserem Kurs, dass wir Frontrunner der Energie- und Wärmewende werden wollen."

Die erneut aufgeflammte Diskussion rund um das Gebäudeenergiegesetz habe zwar bei den Wärmepumpen wieder für Zurückhaltung gesorgt, nicht jedoch bei den Wärmenetzen: "Bei der Fernwärme könnten wir noch deutlich mehr Trassen verbauen und weit mehr Hausanschlüsse realisieren – die Nachfrage übersteigt aktuell unsere Kapazitäten erheblich", erläutert Marc Hansmann, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur bei Enercity. "Wir haben allein zehn Kilometer Fernwärmetrassen verbaut, was sich in Hannover auch im Stadtbild bemerkbar macht: Überall gibt es Verkehrsbeeinträchtigungen durch Baustellen, denn Fernwärmebaustellen sind schlicht riesig und lassen sich kaum kleiner gestalten." Besonders die Wohnungswirtschaft zähle zu den größten Nachfragern, und man habe dadurch sehr viele Wohnungen ans Netz angeschlossen.

Die eigentliche Unsicherheit läge derzeit beim Gebäudemodernisierungsgesetz. "Hier ist es entscheidend, dass auf bundespolitischer Ebene schnell Stabilität hergestellt wird", betont Hansmann.

Die Menschen haben es honoriert, dass wir genau Planungssicherheit geschaffen haben.

Aufsichtsratsvorsitzende Anja Ritschel

"Wir haben in Hannover mit unserer Fernwärmesatzung einen besonderen Weg eingeschlagen", ergänzt Anja Ritschel (Grüne), Vorsitzende des Aufsichtsrats und Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Stadt Hannover. "In früheren Zeiten hätte das sicherlich für viel Aufruhr gesorgt, wir haben jedoch die gegenteilige Erfahrung gemacht: Die Menschen haben es honoriert, dass wir genau jene Planungssicherheit geschaffen haben, die wir uns manchmal von der Bundesebene wünschen."

Enercity hebt Eigenkapital auf über eine Milliarde

Enercity sieht sich finanziell gut aufgestellt. Das Energieunternehmen hat im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Ebitda von rund 478 Millionen Euro (2024: 588,7) erzielt. Nach zwei Jahren mit Sondereffekten lägen die Ergebnisse damit – wie erwartet – unter dem Niveau der beiden Vorjahre. "Das Ergebnis ist stark", sagt CEO Alemany, "wir sind auf dem richtigen Kurs." Der Umsatz sank hingegen auf 6,21 Milliarden Euro (2024: 7,35 Mrd. Euro). 

Das Eigenkapital des Gesamtkonzerns ist gegenüber dem Vorjahr um 57 Millionen Euro auf 1,26 Milliarden Euro gestiegen – das entspricht einer Zunahme von rund fünf Prozent. "Zusätzlich konnte Enercity 2025 gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover einen Konzernkredit vereinbaren – als eines der ersten kommunalen Energieunternehmen in Deutschland", sagt Hansmann.

Der Konzernkredit sei ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Finanzierung. Auch dadurch werden große Investitionen in den kommenden Jahren in die Wärmewende (1,5 Milliarden Euro bis 2040) und das Stromnetz (zwei Milliarden Euro bis 2035) ermöglicht. Die Eigenkapitalquote liegt laut Enercity bei 25 Prozent, Banken würden den Konzernkredit allerdings zum Eigenkapital zählen: "Damit haben wir eine wirtschaftliche Eigenkapitalquote von 32 Prozent."

Weitere Konzessionsübernahmen geplant

Enercity wächst weiter. Zum Jahreswechsel übernahm Enercity Netz den Stromnetzbetrieb der Stadt Garbsen, in den nächsten Wochen könnte ein weiteres Stadtwerk die Betriebsführung seines Netzes abgeben. Für den Konzern ein wachsendes Betätigungsfeld: "Das geht in der Regel von den kleineren Stadtwerken aus", sagt Hansmann. "Wir übernehmen zum Beispiel bereits im Netzbereich für einige Stadtwerke im Umland Dienstleistungen – faktisch haben wir dort also schon den Netzbetrieb übernommen." Das sei häufig der Einstieg für eine weitergehende Kooperation. Auch im Bereich Wärmenetze zählt sich der Hannoveraner Konzern deutschlandweit zu den großen Playern.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper