Ausgangspunkt für die Kontroverse war die Vertragsvergabe für die Beleuchtung dieses Heizkraftwerks.

Ausgangspunkt für die Kontroverse war die Vertragsvergabe für die Beleuchtung dieses Heizkraftwerks.

Bild: © Stadtwerke Pforzheim

Die Stadtwerke Pforzheim und ihr ehemaliger Geschäftsführer, Herbert Marquard, haben sich zerstritten. Nun folgte die nächste Eskalationsstufe. Wie das Landgericht Karlsruhe der ZFK bestätigte, ging eine Klage gegen das kommunale Unternehmen ein. Marquard macht demnach Ansprüche auf die Auszahlung von Tantiemen geltend.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Pforzheim hat Marquard aufgrund von Vorwürfen der Untreue die Entlastung für das Geschäftsjahr 2024 bisher nicht erteilt und die ergebnisabhängige Sondervergütung nicht ausgezahlt. Marquard war für eine Nachfrage nicht unmittelbar erreichbar.

Die Stadtwerke Pforzheim erklärten, dass man sich zu laufenden rechtlichen Auseinandersetzungen grundsätzlich nicht äußern könne. "Seien Sie versichert, dass der Aufsichtsrat der Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co.KG seine Aufgaben verantwortungsvoll und auf Grundlage der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen wahrnimmt", erklärte der Pforzheimer Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Peter Boch, "Dabei stehen der Schutz des Unternehmens sowie eine sorgfältige Aufarbeitung der Vorgänge im Vordergrund."

Hintergrund sind Vorwürfe gegen den ehemaligen Geschäftsführer, die für die Stadtwerke noch nicht geklärt sind. Ein anonymer Hinweis an den Compliancebeauftragten der Stadtwerke Pforzheim hatte 2025 staatsanwaltliche Ermittlungen und sogar eine Hausdurchsuchung ins Rollen gebracht. Laut einer späteren Einschätzung des Landgerichts Karlsruhe lag jedoch kein begründeter Anfangsverdacht wegen "Untreue in Tateineinheit mit Bestechlichkeit vor".

Beleuchtung als Aufhänger

Die Stadtwerke Pforzheim hatten 2023 die Lichtzentrale Lichtgroßhandel mit der Errichtung einer Lichtanlage zur Beleuchtung des Pforzheimer Heizkraftwerks beauftragt. Da die Kinder von Marquard und dem Prokuristen der Lichtzentrale liiert sind, hatte ein anonymer Hinweisgeber Marquard "Vetternwirtschaft" vorgeworfen. Marquard hat nach eigenen Angaben nur darauf verwiesen, dass die Lichtzentrale über das entsprechende Know-how für die Installation der Anlage verfüge.

Die ursprüngliche Auftragssumme für die Beleuchtung lag laut Marquard bei rund 200.000 Euro, davon entfielen rund 120.000 Euro allein auf die Fassadenkletterer, die die Anlage am Schornstein angebracht haben.

Bürgermeister unter Druck

Die Kosten der vom Aufsichtsrat dann eingeleiteten Untersuchungen und Prüfungen des Vorgangs durch renommierte Kanzleien sollen sich mittlerweile bei über 430.000 Euro bewegen. Deshalb hat der gesamte Vorgang für den Aufsichtsrat der Stadtwerke und die Stadtspitze große Sprengkraft – auch für Bürgermeister Peter Boch, der die Prüfungen in Auftrag gegeben haben soll.

Wechsel war geplant

Marquard hatte Anfang Juni 2025, wie geplant, die Geschäftsführung bei den Stadtwerken Pforzheim an Aik Wirsbinna übergeben und ist seit Anfang August für eine Übergangszeit als Krisenmanager bei den angeschlagenen Stadtwerken Bietigheim-Bissingen.

Marquard hatte 2019 in einer schwierigen Situation die Leitung der damals finanziell angeschlagenen Stadtwerken Pforzheim übernommen und diese bis zum Sommer dieses Jahres wieder in die Erfolgsspur geführt.















































































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