Von Pauline Faust
Die EnBW ist ungeduldig. Gerne würde der Energiekonzern weitere Gaskraftwerke bauen und plant diese auch schon. Doch es mangelt an rechtlicher Sicherheit. Also wartet man – wie viele in der Branche – auf das Kraftwerkssicherheitsgesetz und einen Kapazitätsmechanismus. "Es wäre natürlich zielführend, wenn wir jetzt nicht alles noch mal neu aufmacht, damit man da relativ schnell vorankommt", erklärt EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer bei einem Gespräch mit der Presse. "Wenn wir jetzt nicht starten, wird es schwierig, dass noch Kraftwerke bis 2030 fertiggestellt werden können."
Weil sich die Karlsruher für Gaskraftwerke einsetzen, die auf Wasserstoff umrüstbar sind, mussten sie sich in letzter Zeit einiges von Klimaschützern anhören. Diese rechnen nicht an das rechtzeitige Umstellen auf grünen Wasserstoff. Mittlerweile befinden sich zwei neue Gaskraftwerke in Altbach/Deizisau und Heilbronn (beide Baden-Württemberg) im Bau, während ein neues Gasturbinenkraftwerk in Stuttgart-Münster bereits in Betrieb gegangen ist.
Finanziell läuft es in Karlsruhe rund: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres erzielte EnBW ein operatives Konzernergebnis (Adjusted Ebitda) von 2,4 Milliarden Euro und liegt damit nahezu auf Vorjahresniveau (2,6 Mrd. Euro, minus 7 Prozent). Für das volle Geschäftsjahr 2025 bestätigt die EnBW somit ihre Prognose: Das erwartete Adjusted Ebitda des Konzerns liegt unverändert in einer Bandbreite zwischen 4,8 und 5,3 Milliarden Euro.
Die EnBW befindet sich in einer Phase historisch hoher Investitionen. Allein in den ersten sechs Monaten 2025 waren dies über drei Milliarden Euro. Bis 2030 plant sie, bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren. Der größte Anteil fließt in den Netzausbau.
"Mit unserer Kapitalerhöhung in Höhe von 3,1 Milliarden Euro haben wir dafür die Voraussetzungen geschaffen", so Kusterer. Die Kapitalerhöhung verleihe größere finanzielle Handlungsspielräume in allen Geschäftsfeldern.
Weniger Gewinn mit Erneuerbaren
Das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien erwies sich im ersten Halbjahr als weniger profitabel und lag mit rund 525 Millionen Euro um rund 12 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies sei in erster Linie unvorteilhaften Wetterbedingungen geschuldet. Insbesondere die Offshore-Windverhältnisse seien deutschlandweit in den ersten sechs Monaten 2025 sehr schwach gewesen, sowohl im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt als auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hinzu käme, dass die Laufwasserkraftwerke aufgrund einer geringeren Wasserführung im Vergleich zum Vorjahr weniger Strom produzierten. Die rückläufigen Erzeugungsmengen könnten nur teilweise durch höhere Erlöse der Pumpspeicherkraftwerke und Solarparks kompensiert werden.
Auch im Handel machten sich die schwachen Erneuerbaren bemerkbar. Da es weniger Flexibilität am Strommarkt gab, sanken die Handelsgewinne signifikant: Im Bereich Thermische Erzeugung und Handel meldete EnBW ein Adjusted Ebitda für die ersten sechs Monaten des Jahres von 556 Millionen Euro, was einem Rückgang um 35 Prozent entspricht.



