Die Grundversorgungspreise in Deutschland klaffen weiterhin deutlich auseinander. (Symbolbild)

Die Grundversorgungspreise in Deutschland klaffen weiterhin deutlich auseinander. (Symbolbild)

Bild: © Alen Rojnic/Unsplash

Von Andreas Baumer

Die Energiekrise hat Gas-Beschaffungsstrategien bundesweit auf die Probe gestellt. Dabei zeigt eine neue Auswertung der Bundesnetzagentur im Rahmen des Energiemonitorings, dass mehr Gasversorger auf eine Mischung aus lang- und kurzfristiger Beschaffung setzen – wenn auch nur in geringem Ausmaß. Verfolgten im Jahr 2021 noch 48 Prozent nach eigenen Angaben diese Strategie, waren es im vergangenen Jahr gut 50 Prozent.

Demgegenüber gaben 45 Prozent an, ausschließlich langfristig einzukaufen. In der Regel heißt das, dass die für ein Jahr prognostizierte Gasmenge vollständig im Voraus beschafft wird, ein großer Teil bereits Monate, wenn nicht sogar Jahre zuvor. Laut Bundesnetzagentur gaben im Jahr 2021 noch 47 Prozent an, ausschließlich langfristig zu beschaffen. Im Folgejahr waren es 46 Prozent.

Risiken rein langfristiger Gasbeschaffung

Gerade im ersten Halbjahr 2023, als die Großhandelspreise für Gas stark fielen, zeigten sich die Schwächen einer rein langfristigen Beschaffung. Einer der Vorteile einer langfristigen Beschaffungsstrategie besteht darin, Risiken zu streuen und nicht so stark von kurzfristigen Gaspreisentwicklungen abhängig zu sein. Der Nachteil einer langfristigen Beschaffungsstrategie ist, im fallenden Markt gegebenenfalls nicht mehr konkurrenzfähig zu sein oder Margenverluste hinnehmen zu müssen, weil man Mengen im Portfolio hat, die zu deutlich höheren Marktkonditionen erworben wurden.

Der Anteil der Gasversorger, die ausschließlich kurzfristig einkaufen, wuchs von gut vier Prozent im Jahr 2021 auf gut fünf Prozent zwei Jahre später. Sogenannte Kurzfristbeschaffer waren in Nöte geraten, als die Gaspreise in den Jahren 2021 und 2022 in ungeahnte Höhen schnellten. Dies galt vor allem für Versorger, die gleichzeitig vor den Preissprüngen attraktive Festpreisverträge angeboten hatten.

1,8 Millionen Lieferantenwechsel

Der massive Preissturz auf den Gas-Großhandelsmärkten im vergangenen Jahr belebte den Neukundenmarkt. Die Bundesnetzagentur zählte für das vergangene Jahr insgesamt 1,8 Millionen Lieferantenwechsel – ein Rekordhoch. Die Wechselquote lag bei 14 Prozent.

Interessant dabei: Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der Gas-Grundversorgungsverträge auf 19 Prozent leicht. Die mengenbezogene Lieferungsquote bei Verträgen mit Grundversorgern außerhalb der Grundversorgung blieb mit 47 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Der Anteil der Verträge bei einem Lieferanten, der nicht der örtliche Grundversorger ist, sank leicht auf 34 Prozent.

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