Von Artjom Maksimenko
Ab dem kommenden Jahr kommen auf viele Stromkunden teils deutliche Entlastungen zu: insgesamt 280 Stromversorger haben eine Preissenkung von durchschnittlich zehn Prozent angekündigt. Hinzu kommen 47 Preiserhöhung um durchschnittlich acht Prozent.
Beim Erdgas stehen bislang 2011 Preissenkungen um durchschnittlich 12 Prozent rund 64 Preiserhöhungen von durchschnittlich 18 Prozent gegenüber. Das hat das Vergleichsportal Verivox herausgefunden, das die bisherigen Preisankündigungen der über 1100 Strom- und Gas-Grundversorger in Deutschland ausgewertet hat.
Frist endet am 30. November
Wenn Energieversorger ihre Strom- und Gastarife anpassen, müssen sie dies spätestens einen Monat zuvor ankündigen. In der Grundversorgung liegt die Frist sogar bei sechs Wochen.
Die bisherigen Zwischenberichte offenbaren mehrere anhaltende Trends bei der Preisentwicklung. Beispielsweise variieren die Energiepreise aufgrund der regional bedingten Unterschiede bei den Netzentgelten deutlich. "Während einige Versorger die gestiegenen Netzkosten ausgleichen können und ihre Preise sogar senken, steigen die Gaspreise in anderen Regionen im kommenden Jahr spürbar an", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Netzentgelte und Umlagen
Im Schnitt erhöhen sich die Gasnetzentgelte zum Jahreswechsel bundesweit um durchschnittlich 21 Prozent. Auch die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe steigt ab 2025 von 45 Euro auf 55 Euro pro Tonne. Ebenfalls teurer wird die Gasspeicherumlage. Gleichzeitig steigen die § 19-Stromnev-Umlage, die "Aufschlag für besondere Netznutzung", sowie die Offshore-Umlage.
Die Gebühren für das Stromnetz 2025 sinken hingegen im bundesweiten Durchschnitt um 2,5 Prozent. Doch regional fallen die Entlastungen teilweise deutlich stärker aus: So sinken die Netzentgelte in Mecklenburg-Vorpommern um 22 Prozent, in Schleswig-Holstein um 19 Prozent und in Brandenburg um 17 Prozent.
Beschaffungspreise gehen zurück
Auf der anderen Seite sinken die Großhandelspreise, was die Versorger bei der Beschaffung entlastet. Kostete eine Megawattstunde Gas 2023 auf dem Spotmarkt im Jahresmittel noch 41 Euro, sind es 2024 bis dato 32 Euro. Das entspricht einem Minus von rund 22 Prozent. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Preis für eine Megawattstunde Strom zur Lieferung im kommenden Jahr an der Strombörse bei rund 164 Euro. 2024 belaufen sich die durchschnittlichen Kosten bisher auf 102 Euro. Das entspricht einem Minus von 38 Prozent.
Allerdings wird die übliche Langfristbeschaffung auf den Energiemärkten vielen Stadtwerken aktuell zum Verhängnis. Einige von ihnen mussten während der hochpreisigen Phase nach dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine große Energiemengen einkaufen. Diese Kosten müssen sie nun auch noch in den Folgejahren an ihre Kunden weitergeben.
Preisniveau bleibt hoch
"Insgesamt bleibt das Preisniveau in der örtlichen Grundversorgung im Vergleich zu anderen Tarifen hoch", resümiert Storck. Denn auch nach den Preisänderungen bleibe das Preisniveau in der Grundversorgung hoch. Während eine Kilowattstunde Gas im Standardtarif des örtlichen Gasversorgers im neuen Jahr durchschnittlich rund 14,2 Cent kostet, sind es im günstigsten überregionalen Neukundenangebot im Schnitt 9,2 Cent.
Bei Strom liege der Preisunterschied zwischen örtlicher Grundversorgung (43,5 Cent/kWh) und dem günstigsten Neukundenangebot (26,9 Cent/kWh) bei 4.000 Kilowattstunden im bundesweiten Durchschnitt bei 664 Euro. Nach Angaben des Energiedienstleisters Enet sinken neben den Kosten für Privathaushalte im Schnitt auch für Gewerbekunden. Für sie ergeben sich Entlastungen bei Strom um 12,7 Prozent und bei Gas um 8,4 Prozent.



