Erik Höhne bleibt Vorstandssprecher und Vorstand Technik und Finanzen bei Enervie und Mark-E.

Erik Höhne bleibt Vorstandssprecher und Vorstand Technik und Finanzen bei Enervie und Mark-E.

Bild: Enervie

Dank eines kurzfristigen Kostensenkungsprogramms im vergangenen Geschäftsjahr hat der Regionalversorger Enervie an das Ergebnisniveau des Rekordjahres 2019 anknüpfen können. Mit der im nächsten Jahr geplanten Rückzahlung des Aktionärsdarlehens will das Unternehmen laut Vorstandssprecher Erik Höhne dann die nächste Wachstumsphase einleiten. Unter anderem durch einen Ausbau der digitalen Aktivitäten extern wie intern.

„Wir werden die Enervie in den kommenden Jahren zudem noch stärker an den Themen Klimaneutralität und Nachhaltigkeit ausrichten“, versicherte Höhne. Sowohl im Privatkundenbereich als auch in der Industrie spüre man ein gestiegenes Interesse, "auch die unterschiedlichen Qualitäten grünen Stroms entsprechend abzubilden".

Kooperationen bei Nachaltigkeitsthemen

Die Qualität grünen Stroms sei insbesondere für die Autoindustrie und deren Zulieferer ein wichtiges Kriterium. Hier zähle der CO2-Fußabdruck jedes einzelnen Teils. Gerade in dieser Kundengruppe wachse das Interesse an direkten Stromlieferverträgen aus Erneuerbaren-Anlagen (PPAs).

Neben Produkten wie Regionalstromtarifen oder einem PV-Onlinetarif wird dieses Engagement auch Kooperationen mit dem Nachhaltigkeitsportal "besser grün" oder im Bereich der THG-Quoten im Elektromobilitätsbereich mit dem Start-up Greentrax vorangetrieben. Auch eine Erweiterung von Produkten „wie Wärme zu Miete“ sei denkbar – etwa auf Wärmepumpen.

Zweite Tranche des Aktionärsdarlehens soll 2022 zurückgezahlt werden

Enervie hat in den nach hohen Verlusten im Kraftwerksbereich in den Jahren 2013 und 2014 eine harte Restrukturierung durchlaufen. 2015 gelang die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Ermöglicht wurde die Stabilisierung auch durch ein Darlehen der drei Hauptaktionäre, der Städte Hagen und Lüdenscheid sowie des Remondis-Konzerns in Höhe von 60 Mio. Euro. Die Hälfte davon wurde bereits getilgt, der Rest soll 2022 zurückgezahlt werden.

Im Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete der Unternehmensverbund, zu dem auch die Gesellschaften Stadtwerke Lüdenscheid, Mark-E sowie Enervie Vernetzt gehören, ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 43,1 Mio. Euro (Vorjahr: 43,4 Mio.). Der Umsatz blieb mit 937 Mio. Euro (Vorjahr: 932 Mio. Euro) annähernd stabil.

Coronaeffekte belasten Ergebnis mit acht Mio. Euro

Negative Effekte bedingt durch die Coronapandemie belasteten das Ergebnis mit 8 Mio. Euro. Ein signifikanter Anteil davon entfällt auf Einbußen bei der Wiedervermarktung nicht abgenommener Energiemengen von Industriekunden. Der Absatz in diesem Segment ging aufs ganze Jahr gesehen um 18 Prozent zurück, die Zahl der Strom- und Gaskunden sank um vier Prozent.

Kompensiert wurden die zusätzlichen Ergebnisbelastungen vor allem über ein kurzfristiges Kostensenkungsprogramm. Dieses sah unter anderem Budgetkürzungen und ein Verschieben gewisser Investitionen vor. „Außerdem haben wir unser operatives Ergebnis nochmals verbessert gegenüber dem Vorjahr“, so Höhne weiter.

Handelsvolumen klettern um 40 Prozent

Dazu hat insbesondere die stark verbesserte Einsatzbilanz des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Herdecke und des Pumpspeicherwerks in Finnentrop-Rönkhausen beigetragen. Das Handelsvolumen von Enervie stieg um 40 Prozent. Der Stromabsatz kletterte auf 8,0 Mrd. kWh (Vorjahr: 5,7 Mrd. kWh), der Gasabsatz auf 6,5 Mrd. kWh (Vorjahr: 5,2 Mrd.

Aufgrund der verbesserten operativen Performance wird eine Dividendenerhöhung von acht auf elf Euro vorgeschlagen. Das Ausschüttungssumme würde damit zwar immer noch unter dem Niveau der Vorkrisenjahre liegen, hieß es auf ZfK-Anfrage. Vorrangiges Ziel sei es aktuell aber, die Finanzstruktur der Enervie zu stärken und deshalb dürfe das Unternehmen entsprechend weiterhin umfangreich Gewinne thesaurieren.

Die Eigenkapitalquote liegt trotz der Rückzahlung der ersten Darlehenstranche in 2020 immer noch bei 26,7 Prozent. Aufgrund der Möglichkeiten der Thesaurierung wird damit gerechnet, dass auch nach Tilgung der zweiten Tranche die Eigenkapitalquote sich kaum verändern wird.

Optimistische Prognose

Für das laufende Jahr erwartet der Vorstandssprecher ein Ergebnis, das in etwa auf Höhe des letztjährigen Niveaus liegen wird. Da ein Ansteigen der Forderungsausfälle erwartet wird, wurde eine Risikovorsorge im einstelligen Millionenbereich gebildet.

Speziell die Perspektiven für das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Herdecke beurteilt Höhne aber weiterhin positiv. Dieses könnte in diesem Jahr sogar noch auf mehr Betriebsstunden kommen als in 2020, im vergangenen Jahr war es rund 3900 Stunden gelaufen. „Die letzten Atomkraftwerke gehen vom Netz. Ich sehe eher einen Trend, dass es mehr Stunden läuft als weniger.“ Das große Fragezeichen blieben die Gaspreise. Diese seien im vergangenen Jahr extrem niedrig gewesen, mittlerweile hätten diese aber deutlich angezogen. (hoe)

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