Blick auf das EnviaM-Hochhaus am Standort Cottbus.

Blick auf das EnviaM-Hochhaus am Standort Cottbus.

Bild: © EnviaM

Wer auf den Seiten des Regionalversorgers EnviaM nach Neukundentarifen außerhalb der Strom- und Gas-Grundversorgung sucht, sucht derzeit vergeblich. "Aktuell bieten wir keine neuen Strom- und Erdgasprodukte an", heißt es dort.

Bis sich dies ändert, könnte noch eine ganze Zeit vergehen. "Die Beschaffungsmärkte müssen sich schon sehr beruhigen, damit wir wieder ins Geschäft einsteigen können", erläuterte EnviaM-Vertriebschef Andreas Auerbach bei einem Pressegespräch. "Das ist mir im Moment zu volatil."

Aktuell etwa 1,1 Mio. Stromkunden

Auerbachs Befürchtung: Sein Konzern beschafft an Tag X Gas für 10.000 Neukunden. Zwei Wochen macht es ihm ein Wettbewerber nach und erwischt dann einen Tag, an dem der Gaspreis deutlich günstiger ausfällt. "Dann bleiben wir mit dem teuer eingekauften Gas sitzen und müssen zusehen, wie wir die Menge mit Verlust wieder loswerden. Das ist uns im Moment alles zu heikel."

Aktuell hat EnviaM nach eigenen Angaben ungefähr 1,1 Mio. Stromkunden. Für etwa 700.000 von ihnen erhöht der Chemnitzer Versorger zum 1. Juni die Preise. Der Grund: die seit Monaten hohen Großhandelspreise und der Zuwachs an Neukunden, die nach Lieferstopps oder Preiserhöhungen anderer Anbieter in die Grundversorgung gekommen sind.

"Müssen erstmalig unterjährig nachbeschaffen"

"Wir sind erstmalig in der Situation, dass wir unterjährig nachbeschaffen müssen", sagte Auerbach. "Das führt dazu, dass wir zu einem kleinen Teil die Preisexplosionen an den Großhandelsmärkten mitnehmen müssen."

Früher habe EnviaM sich praktisch vollständig vor Beginn des Lieferjahres eingedeckt, erklärte der Vertriebschef. Jetzt aber müsse man zehn Prozent der benötigten Mengen unterjährig, sprich mittels Quartals-, Monats- und Day-Ahead-Produkte, nachbeschaffen.

Preis steigt und sinkt dann

Konkret steigt der Strompreis pro kWh in der Grundversorgung von 28,99 Cent pro kWh auf 32,21 Cent im eigenen Netzgebiet. Wärmepumpen- und Wärmespeicherkunden müssen 4,08 Cent pro kWh mehr zahlen.

Die Mehrkosten gelten allerdings nur für einen Monat. Dann fällt die EEG-Umlage weg. Der Strompreis sinkt in der Folge auf 27,78 Cent pro kWh. Eine einheitliche Preisanpassung zum 1. Juli hatte die Bundesregierung verboten, um zu gewährleisten, dass die Senkung der EEG-Umlage bei Endverbrauchern ankommt.

Umgang mit Ex-Stromio-Kunden

Das EnviaM-Grundversorgungsgebiet umfasst große Teile der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Nach eigenen Angaben haben etwa 350.000 Kunden Grundversorgungstarife. Viele andere Kunden halten Sondertarife, die sich daran anlehnen.

Aufsehen erregte die EnviaM-Entscheidung, rund 19.000 Stromio-Kunden wegen "wirtschaftliher Unzumutbarkeit" nicht in die Grundversorgung aufzunehmen, sondern ihnen lediglich ein Sonderprodukt anzubieten. (Die ZfK berichtete.) Genauso war zuvor auch die EnviaM-Gastochter Mitgas mit ehemaligen Gas.de-Kunden umgegangen.

"Nachfrage von Bundesnetzagentur"

Darüber hinaus sei keinem weiteren Neukunden aus wirtschaftlichen Gründen der Zugang zur Grundversorgung gewährt worden, bestätigte Auerbach nun. Derzeit sei noch ungefähr ein Viertel der früheren Stromio-Kunden im EnviaM-Portfolio.

Verklagt wurde EnviaM nach eigenen Angaben deswegen bislang nicht. "Wir hatten eine interessierte Nachfrage von der Bundesnetzagentur", führte Auerbach aus. "Wir haben zudem Gespräche mit den Verbraucherzentralen Sachsen und Sachsen-Anhalt geführt. Daraufhin hat es keine weiteren Reaktionen gegeben. Wir denken aber, dass das, was wir gemacht haben, rechtssicher ist." (aba)

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