"Wir stehen voll hinter den Sanktionen der Europäischen Union": Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum verurteilt den Angriff Russlands auf die Ukraine scharf.

"Wir stehen voll hinter den Sanktionen der Europäischen Union": Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum verurteilt den Angriff Russlands auf die Ukraine scharf.

Bild: © Eon

Eon hat den Großteil seines Netzes digital geklont. Seit diesem Sommer verfügt das rund 700.000 Kilometer lange deutsche Stromnetz von Eon über einen digitalen Zwilling. Dank ihm könnten die meisten Netzanschlussfragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden, berichtet CEO Leonhard Birnbaum bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz. Wenn sich etwas verzögert, läge dies an der Flut der Anfragen und Netzengpässen.

Birnbaum betonte, dass die Anschlussnachfrage inzwischen in einer anderen Dimension angekommen ist: Aktuell lägen Anfragen über rund 50 Gigawatt vor, verteilt auf etwa 400 Projekte. Die durchschnittliche Größenordnung pro Anfrage läge bei mehreren hundert Megawatt – einzelne Großprojekte erreichen Größenordnungen von mehreren Gigawatt.

Somit sei die zentrale Herausforderung nicht mehr nur die technische Abwicklung, sondern die faire und effiziente Zuteilung knapper Anschlusskapazitäten. Es könne nicht sein, dass Kapazitäten „gebunkert“ würden, ohne dass sie tatsächlich genutzt werden; ein reines First-come-first-served-Prinzip helfe hier kaum weiter, weil damit Spekulation und Blockadeeffekte begünstigt würden. Daher plädiert der Vorstand für ein konsequentes Queue-Management: Wer in welcher Reihenfolge angeschlossen wird und unter welchen Bedingungen, müsse klar geregelt sein.

Als wirksamstes Mittel gegen spekulative Reservierungen nennt er kostenpflichtige Optionen: Die Sicherung von Anschlusskapazität müsse ausreichend kostenintensiv sein, damit nicht im großen Stil unverbindlich Kapazitäten reserviert werden. Eine Lösung, bei der "jeder ein bisschen bekommt", würde laut Vorstand hingegen vermutlich dazu führen, dass am Ende niemand wirklich geholfen sei.

Warten auf den Regulator

Das Netz bleibt für den Energiekonzern das größte Investitionsfeld: Im ersten Geschäftshalbjahr investierte Eon 2,5 Milliarden Euro ins Netzgeschäft. Im Fokus standen der Netzausbau und neue Netzanschlüsse sowie die Modernisierung und Digitalisierung der Infrastruktur. Zudem wurden für die deutschen Stromnetze in einer groß angelegten Beschaffungsoffensive langfristige Verträge mit führenden europäischen Herstellern zentraler technischer Komponenten geschlossen.

Bisher hat Eon einen Investitionsplan bis 2028 veröffentlicht, wie es danach weitergeht, hänge ganz stark an den nächsten regulatorischen Entscheidungen. In den aktuellen Festlegungsentwürfen der Bundesnetzagentur zur 5. Regulierungsperiode in Deutschland sieht Birnbaum mehrere Faktoren, die künftige Investitionen gefährden.

Dazu zählen für den Konzernchef eine im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähige Verzinsung für Investitionen sowie methodische Änderungen im Effizienz-Benchmark, die insbesondere Netzbetreiber benachteiligen, die bereits stark investieren. Zudem belastet die geplante Einbeziehung von Redispatch-Kosten in den Effizienzvergleich vor allem Netzbetreiber in Regionen mit hohem Anteil Erneuerbarer Energien.

"Netzbetreiber haben keinen Einfluss auf Redispatch-Kosten"

Der Ausbau der Erneuerbaren erfolge in Deutschland noch immer weitgehend ohne regionale Steuerung. In der Folge entstünden Netzengpässe, die das temporäre Abregeln von Anlagen notwendig machen. Die daraus resultierenden Redispatch-Kosten können von den Netzbetreibern weder beeinflusst noch verhindert werden. Aus Sicht des Unternehmens sei es nicht nachvollziehbar, warum die Bundesnetzagentur Redispatch-Kosten als durch den Netzbetreiber beeinflussbar einstuft, obwohl hierfür keine rechtliche Grundlage bestünde.

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