Der Energiekonzern Eon sieht sich auf die wirtschaftlichen Turbulenzen durch die Corona-Pandemie gut vorbereitet. Das von der Regulierung und durch gesetzliche Vorgaben bestimmte Netzgeschäft werde von der Krise wenig berührt, das Geschäftsmodell von Eon sei "strukturell besonders widerstandsfähig", sagte Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen am Mittwoch auf der per Videostream übertragenen Bilanzpressekonferenz.
Zwar werde das Krisenjahr 2020 auch beim größten deutschen Energiekonzern Spuren hinterlassen. So belasteten zurückgehende Absätze zeitlich die Ertragskraft der Netze. Dies werde aber durch kompensierende Ausgleichseffekte in späteren Jahren wieder ausgeglichen. Eon werde den Einbruch insgesamt "besser meistern, als die meisten anderen Energieunternehmen und Industriesektoren", erklärte Teyssen.
Vertriebsgeschäft auf Privatkunden fokussiert
Eon-Finanzvorstand Marc Spieker verwies darauf, dass knapp 80 Prozent der Erträge bzw. des operativen Ergebnisses aus regulierten oder quasi-regulierten Aktivitäten stammen. Die vom Regulierer erlaubten zulässigen Gesamteinnahmen in den Energienetzen würden in der Regel unabhängig von bestimmten Volumenannahmen berechnet.
Im Vertriebsgeschäft stammten 10 bis 15 Prozent der Erträge aus dem Geschäft mit Geschäftskunden, das derzeit besonders durch die Krise belastet ist. "Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Privathaushalten während dieser Krise steigen wird", sagte Spieker weiter.
Investitionen verzögern sich
Auf der Cashflow-Seite erwarte der Konzern vorübergehend verspätete Zahlungen von Kunden. Mit Blick auf für dieses Jahr geplante Investitionen müsse realistischer Weise mit Verschiebungen gerechnet werden, auch "weil spürbar weniger Baukapazitäten verfügbar sein werden", wie Spieker sagte. Doch seien die "Gesamtauswirkungen auf Cash, Ergebnis und Investitionen tatsächlich begrenzt".
Ergebnisschub durch Einspareffekte
Im abgelaufenen Geschäftsjahr kletterte der Eon-Konzernumsatz von 30,1 auf 41,5 Milliarden Euro. Der Anstieg geht hauptsächlich auf den Erwerb von Innogy im September zurück, das seitdem in der Bilanz konsolidiert wird. Das operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) erhöhte sich um neun Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Im Ergebnis für 2019 ist erstmals ein anteiliger Beitrag von Innogy von rund 420 Mio. Euro enthalten.
Für das laufende Jahr streben die Essener ein operatives Ergebnis von 3,9 bis 4,1 Milliarden Euro an. Getrieben wird die Steigerung durch Einsparungen infolge der Integration von Innogy. Ab 2022 sollen die Synergieeffekte bei etwa 740 Mio. Euro und im Jahr 2024 bei 780 Mio. Euro liegen. Die Einsparungen stammen laut Eon hauptsächlich aus den zentralen Verwaltungsfunktionen und der Verbesserung von IT-Systemen. Wie bereits bekannt, baut der Energiekonzern im Zuge der Innogy-Integration rund 5000 Arbeitsplätze ab.
95 Prozent der Konzessionen verlängert
Eon will in den kommenden Jahren rund 90 Prozent seiner konzernweiten Investitionen in das Kerngeschäft mit Energieinfrastruktur, also vor allem in die Stromverteilnetze, stecken. In die Verteilnetze sollen jährlich zwei Milliarden Euro fließen. Etwa 10 Prozent der Investitionen bleiben für das nicht regulierte Geschäft. Im Mittelpunkt stehe hier die Erneuerung der IT-Architektur sowie der Ausbau von Dienstleistungsgeschäften "mit einem höheren Anteil an wiederkehrenden Einnahmen", wie Teyssen erläuterte.
Der Kern des deutschen Netzgeschäfts basiere auf langfristigen Konzessionen mit Kommunen, sagte Teyssen weiter. "Derzeit besitzt E.ON mehr als 9000 Konzessionen, und es ist uns in den letzten Jahren gelungen, 95 Prozent dieser Partnerschaften im Wettbewerb zu erneuern", so der Eon-Chef. Eon halte auch vor diesem Hintergrund strategisch am Vertriebsgeschäft fest. "Sie kriegen leichter eine Konzession, wenn sie von Kunden vor Ort ein positives Feedback über ihr Geschäft erhalten", erklärte Teyssen. (hil)



