Von Artjom Maksimenko
Das Jahresergebnis des Essener Energiekonzerns Eon für das abgelaufene Geschäftsjahr kann sich sehen lassen. Mit einem bereinigten Konzern-Ebitda in Höhe von neun Milliarden Euro und einem bereinigten Konzernüberschuss in Höhe von 2, 9 Milliarden Euro befindet es sich im oberen Bereich des anvisierten Prognosekorridors.
Entsprechend zufrieden zeigte sich Eon-CEO Leonhard Birnbaum bei der Vorstellung der Geschäftszahlen in Essen. Auch auf das laufende Jahr blickt er optimistisch. Für 2025 rechnet Eon mit einem bereinigten Ebitda zwischen 9,6 und 9,8 Milliarden Euro und bereinigtem Konzernüberschuss zwischen 2,85 und 3,05 Milliarden Euro. Das Marktumfeld bleibe allerdings sehr herausfordernd, sagte Birnbaum: Ein "weiter so" dürfe es nicht mehr geben und er nennt eine Reihe von konkreten Forderungen an die künftige Bundesregierung.
Update für Energiewende
Birnbaums Appell an die künftige Bundesregierung ist, ein Update der Energiewende durchzuführen. "Keine Erfüllung der politisch getriebenen Ziele um jeden Preis, sondern Fokus auf den echten Bedarf." Aktuell würde Deutschland seine Energiewende vorbei an der tatsächlichen Entwicklung und dem Markt umsetzen. Als Beispiel nannte er den inzwischen einkassierten Erdkabelvorrang bei den Stromtrassen, was Endverbraucher viel Geld und Netzbetreiber viel Zeit kostete.
Ohne Rücksicht auf die Infrastruktur würden PV- und Windkraftanlagen errichtet, die Redispatchmaßnahmen würden dabei deutlich zunehmen. Auch wenn sie 2024 weniger gekostet haben als 2023, liege es nur an den Marktpreisen für Strom, die nach der Krise deutlich nachgegeben haben, erläuterte Birnbaum. Die absolute Menge an abgeregelten Terawattstunden sei hingegen deutlich gewachsen.
"Es soll lediglich das gefördert werden, was eine Förderung braucht." Leonhard Birnbaum, Eon-CEO
Natürlich werde der Zubau der Erneuerbaren Investitionsunterstützung benötigen, beispielsweise im Wind-Offshore-Segment, sagte Birnbaum weiter. Nur soll aber lediglich das gefördert werden, was eine Förderung braucht. "Dazu gehören PV-Aufdachanlagen mit Sicherheit nicht, sie lohnen sich inzwischen komplett über Eigenverbrauch und Verbrauchsoptimierung." Es sei deshalb wichtig, dass, wenn eine Erneuerbarenanlage errichtet wird, diese sich auch marktrational verhält. Die jüngste EnWG-Novelle, die nicht mehr verabschiedet worden sei, beinhaltete bereits eine Dämpfung von Einspeisespitzen und einen Mechanismus, um die Förderung bei negativen Preisen auszusetzen. "Das sind die richtigen Signale und die Bundesregierung muss diesen Weg konsequent weiter gehen", fordert der Eon-CEO.
Birnbaum schlägt zudem vor, die Betreiber von PV- Aufdachanlagen mehr in die Pflicht zu nehmen. Alle angeschlossenen Anlagen müssen aus seiner Sicht inzwischen klar ohne Förderung auskommen. Denn diese rund zwei Millionen Anlagen würden auch ohne Förderung gebaut. "Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und den Betreibern auferlegen: Wenn ihr zu negativen Preisen einspeist, müsst ihr auch negative Preise bezahlen", so Birnbaum, und fordert weiter: "verhaltet euch gefälligst systemkonform und treibt nicht die Kosten für alle anderen Kunden nach oben". Dies gelte nicht für die förderbedürftigen Technologien, betonte er weiter. "Ansonsten wird kein einziger Offshore-Windpark mehr gebaut."
"Eine Flut" an Anschlussbegehren
Eon ist nach eigenen Angaben einer der größten Verteilnetzbetreiber Europas mit rund 1,6 Millionen Kilometern Strom- und Gasnetzen in neun europäischen Ländern. Sein Verteilnetz für Strom und Gas in Deutschland hat eine Gesamtlänge von über 800.000 Kilometern. Der ausufernde Zubau bei den Erneuerbaren aber auch an Battariespeichersystemen bilde dabei eine enorme Herausforderung. Aktuell erreicht Eon eine Flut an Anschlussbegehren. "Von den beantragten gut 100 Gigawatt sind aber maximal 20 Prozent ernst gemeint", kritisiert Birnbaum. Jedes Gigawatt werde da X Mal angefragt. Die Zusage hänge dann davon ab, in welcher Region sie dann gebaut werden sollen, ob sie beliebig ausspeichern oder sich den Restriktionen der Netzbetreiber unterwerfen wollen.
Das Problem dabei ist: Anträge auf den Anschluss für solche Batteriespeicher sind kostenlos. Würde ein Antrag allerdings eine Reservierungspflicht beinhalten, würde sich die Lage schlagartig ändern, behauptet der Eon-CEO. Die Forderung, der Netzbetreiber solle priorisieren, welche Projekte am besten seien, lehnt er ab: Ein Kriterienkatalog würde eine Bürokratielawine auslösen. "Auf welcher Basis müssen wir zudem entscheiden, welches Projekt erfolgversprechend ist?"
Trotz der Herausforderungen hält Eon an seinen Investitionsplänen fest. Im Zeitraum von 2024 bis 2028 will das Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt 43 Milliarden Euro in die Energiewende investieren, davon 35 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur. Bisher peilte der Essener Konzern Gesamtinvestitionen in Höhe von 42 Milliarden Euro an, davon 34 Milliarden in die Netzinfrastruktur. Grund für die Erhöhung sei die schnellere Abschreibung von Gasnetzen. Die dadurch freigewordenen Mittel setze Eon nun für Neuinvestitionen in das Stromnetz ein.



