Es ist keine fünf Monate her, da galten 13 Cent pro kWh Gas, wie Deutschlands Marktführer Eon sie damals bot, unter Branchenkennern noch als "Abschreckpreis". Der Essener Konzern war in die Schlagzeilen geraten, weil er zuvor den Neukundenvertrieb für einige Tage ausgesetzt hatte. (Die ZfK berichtete.)
Umso genauer sah die Konkurrenz hin, mit welchem Preis Eon zurückkehren würde. Mit 13 Cent jedenfalls sortierte sich der Anbieter damals bei gängigen Vergleichsportalen eher hinten als vorne ein.
36 statt 13 Cent pro kWh
13 Cent pro kWh wären jetzt allerdings für Neukunden ein ausgesprochenes Schnäppchen. Und tatsächlich verlangt Eon von Kunden, die nicht in die Grundversorgung des Konzerns fallen, sondern aus freien Stücken zu ihm wechseln wollen, inzwischen deutlich mehr: nämlich 36 Cent pro kWh.
Das ergaben ZfK-Strichproben am Montagmittag in den Städten Berlin, Hamburg (wo Eon Gas-Grundversorger ist), München und Köln. Als Jahresverbrauch wurden 18.000 kWh angenommen. Der Preis mag in anderen Versorgungsgebieten variieren.
Billiganbieter noch teurer
Eon landete damit beim Vergleichsportal Verivox auf dem vorletzten Platz. Nur der Tarif des vermeintlichen Billiganbieters Enstroga war mit einem Kilowattstundenpreis von 39 Cent noch teurer.
Alternativen waren auf Verivox am Montag allerdings rar gesät. Nur 14 Angebote wurden für das Kölner Versorgungsgebiet gelistet. Ganz vorne landeten der Digitalanbieter Yippie und der Versorger Maingau Energie (jeweils 21 Cent pro kWh). Brillant Energie, eine Marke der Leipziger Stadtwerke, belegte Rang fünf (23 Cent). Von keinem anderen Kommunalversorger lagen nach ZfK-Recherche Angebote vor.
Mehr als 100 Euro pro MWh Gas
Zum Vergleich: Wer in Köln in die Grund- und Ersatzversorgung des heimischen Anbieters Rheinenergie fällt, zahlt derzeit trotz teurerem Neukundenpreis knapp 14 Cent pro kWh Gas.
Hintergrund der Preisexplosionen für Neukunden sind extrem gestiegene Großhandelspreise. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bewegten sich die Gaspreise im Schnitt bei deutlich mehr als 100 Euro pro MWh (Handelspunkt TTF). Auch am Montag lagen die Preise für den Liefermonat April zwischen 110 und 122 Euro. Erst für den Liefermonat Januar 2023 wurde die Megawattstunde für weniger als 100 Euro gehandelt (96,50 Euro).
Stabile Gasflüsse
Dessen ungeachtet zeigen sich die russischen Gasflüsse weiterhin stabil. Am deutsch-polnischen Grenzpunkt Mallnow wurden zuletzt mehr als 200 GWh pro Tag registriert, am ukrainisch-slowakischen Grenzpunkt Velke Kapusany sogar fast 900n GWh pro Tag. (aba)


