Von Hans-Peter Hoeren
Wegen unbefriedigender und fehlerhafter Testergebnisse und ernsthaften Sorgen um die Betriebssicherheit fordern die Verantwortlichen der Strombörse Epex Spot eine Verschiebung der Einführung von 15-Minuten-Minuten-Produkten im Day-Ahead-Handel. Diese war ursprünglich für den 11. Juni vorgesehen. Jean-François Conil-Lacoste, Vorstandsvorsitzender der Epex Spot, hat nun in einer Pressemitteilung den ersten Oktober vorgeschlagen.
Ihre Bedenken haben die Verantwortlichen der Strombörse kürzlich in einem Schreiben an die Projektbeteiligten des Market Coupling Steering Committee (MCSC) geäußert. Sie forderten eine zeitnahe Entscheidung der MSCS-Projektparteien, im Idealfall noch deutlich vor dem ursprünglich anvisierten Termin Ende Mai.
"Für den zentralen Matching-Algorithmus gibt es keinen Plan B, er muss der gestiegenen Komplexität gerecht werden."
Bei den im Frühjahr dieses Jahres durchgeführten Verfahrenstests hätten rund 20 Prozent der Testsessions mit einer unerwarteten vollständigen Entkopplung geendet, heißt es weiter. Dies sei ein Marktvorfall, der in der Geschichte der Marktkopplung noch nie aufgetreten sei. "Dieser Prozentsatz ist in dieser Projektphase, in der die Systeme sehr nahe am Produktionsstandard agieren sollen, inakzeptabel. In einem erheblichen Teil der bisher durchgeführten Testfälle verzögerte sich die Veröffentlichung der Marktergebnisse erheblich", schreiben die Börsenbetreiber weiter.
15-Minuten-Produkte seien zudem gleichbedeutend mit einem exponentiellen Anstieg der Komplexität für den Algorithmus, während die operativen Margen im Marktkopplungsprozess insgesamt sinken würden. "Für den zentralen Matching-Algorithmus gibt es keinen Plan B; er muss der gestiegenen Komplexität gerecht werden“, argumentiert Epex Spot.
Weiterhin seien mehrereTestphasen abgeschlossen worden, ohne die vereinbarten Qualitätskriterien formal zu erfüllen. Die Einführung von Intraday-Auktionen (IDA) im Rahmen der einheitlichen Intraday-Kopplung im Jahr 2024 unterstreiche die Bedeutung dieser Qualitätskriterien. In den ersten drei Betriebsmonaten wurden neun IDAs abgesagt. Ein solches Leistungsniveau wäre im Day-Ahead-Markt nicht akzeptabel.
"Die anhaltende Unsicherheit muss ein Ende haben."
"Die Marktteilnehmer brauchen Klarheit. Die anhaltende Unsicherheit über eine so bald stattfindende und so tiefgreifende Änderung muss ein Ende haben. Wir sollten einen angemessenen Start nach dem Sommer anstreben, mit einer Umsetzung am 1. Oktober 2025, wie es sich die Marktteilnehmer ursprünglich gewünscht hatten", betont der Vorstandsvorsitzende der Expex Spot. Für ein ähnliches Vorgehen hatte sich bereits im Dezember vergangenen Jahres der Verband Eurelectric ausgesprochen.
Ein angepasster Starttermin ermögliche die notwendige zusätzliche Zeit für die Neugestaltung des gemeinsamen Betriebsrahmens (Zeitpläne, Verfahren), die Feinabstimmung einzelner Systeme und Prozesse sowie die Gewährleistung stabiler Testaktivitäten zum Gesamtnutzen der europäischen Marktkopplung.
Ziel ist eine flexiblere Abstimmung von Angebot und Nachfrage
Ziel der Einführung der 15-Minuten-Produkte im Day Ahead ist es, den Stromhandel auf dem europäischen Kontinent zu verbessern, eine nahtlosere Integration erneuerbarer Energien in den Markt zu ermöglichen und gleichzeitig die Netzstabilität zu verbessern. Sie soll den Weg für eine dynamischere, flexiblere und maßgeschneiderte Abstimmung von Angebot und Nachfrage ebnen.
Die Einführung der 15-Minuten-MTU im Rahmen des Single Day Coupling (SDAC) werde den Druck auf Systeme, Prozesse und physikalische Bedingungen und die Komplexität für alle Beteiligten deutlich erhöhen, schreibt die Epex Spot. Die Betriebssicherheit sei Grundlage dieser Entwicklung, um die europaweite Preisbildung, die Volumenabwicklung und die Gesamtsystemstabilität an jedem Tag des Jahres sicherzustellen.



