Nach den Räten der Städte Ruhrgebietsstädte Essen und Dortmund hat auch Bochum einer befristeten Übertragung der Anteile am angeschlagenen Energiekonzern Steag an die Stiftung der Ruhrkohle AG (RAG) zugestimmt. Als letzter der Konsorten entscheidet Anfang der zweiten Aprilhälfte Duisburg über das seit Monaten geplante Treuhändermodell mit der RAG.
Unter dem Dach der Stiftung soll die Steag saniert und das Gros der Anteile damit auf mittlere Sicht auch wieder attraktiv und verkaufsfähig gemacht werden für potentielle Investoren. Da bis auf Dortmund (36 Prozent) alle Anteilseigner ihre Steag-Beteiligung veräußern wollen, gilt eine Zustimmung in Duisburg ebenso wie bei den anderen bei den Anteilseignern, Oberhausen und Dinslaken, als wahrscheinlich.
RAG soll Lead bei Restrukturierung haben
Im Anschluss an die Ratsentscheidungen stehen Abstimmungen zwischen der RAG-Stiftung, der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft KSBG (in dieser haben die Städte ihre Steag-Anteile gebündelt) und den Banken über den Treuhändervertrag an. Ein konkreter Entwurf des Vertrags liegt laut ZfK-Informationen bereits vor.
Geplant ist, dass die RAG die alleinige Verantwortung für die Restrukturierung der Steag übernimmt. Für die Sanierung sind drei Jahre veranschlagt. Laut Lokalmedien erhält die Stiftung im Gegenzug für das Mandat eine Vergütung von 1,75 Millionen Euro bis Ende 2023. Allgemein geht man von einer harten Sanierung aus, bei der auch über eine Veräußerung von Unternehmensteilen nachgedacht werde.
Insbesondere die erwarteten finanziellen Folgen der im vergangenen Jahr beschlossenen Modalitäten des Kohleausstiegs machen der Steag zu schaffen. Das Unternehmen hatte deshalb bereits Ende September ein umfassendes Sanierungsprogramm vorgelegt, dass die Streichung von insgesamt 1000 Stellen in Deutschland vorsieht.
Steag benötigt Geld für Wachstumsinvestitionen
Zudem benötigt der Konzern in den nächsten Jahren rund 400 Mio. Euro für Wachstumsinvestitionen und den weiteren Umbau des Geschäftsmodells, unter anderem in Richtung erneuerbare Energien.
Ein marktgerechter Erlös, der das wirkliche Potenzial des Unternehmens abbilde, lasse sich für die Steag-Anteile aktuell kaum erzielen, hatte der Steag-Aufsichtsratsvorsitzende Guntram Pehlke Anfang Dezember vergangenen Jahres, gegenüber der ZfK versichert. Der Restrukturierungsplan sei noch nicht umgesetzt. Man wisse beispielsweise noch gar nicht, was mit den restlichen Kraftwerken passiere, die nicht in der ersten Auktionsrunde waren, so Pehlke.
Die RAG-Stiftung soll laut Satzung generell den Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau in Deutschland und die daraus resultierenden Folgekosten finanzieren. Ihr Gesamtvermögen lag Ende 2019 laut Geschäftsbericht bei knapp 19 Mrd. Euro. (hoe)



