Der niedersächsische Energieversorger EWE hat mit dem niederländischen Erdgasproduzenten One-Dyas einen Liefervertrag abgeschlossen. Die Gasmengen sollen aus dem Gasfeld auf deutschem und niederländischem Hoheitsgebiet stammen: im Norden der Wattenmeerinseln Schiermonnikoog und Borkum. Laut One-Dyas gehört das Gasfeld zu den wichtigsten Erdgasquellen in Deutschland und den Niederlanden.
Noch in diesem Jahr will das niederländische Explorationsunternehmen dort rund 0,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern, davon entfällt ein Drittel auf Deutschland. Die Erdgasförderung in diesen Gebieten ist umstritten, weil Umweltschützer Schäden für die Meeresumwelt im nahe gelegenen Nationalpark Wattenmeer und den Wattenmeerinseln fürchten. Die Kritik weisen sowohl Dohler als auch die niedersächsische Landespolitik zurück.
Grüner Strom für Bohrplattform
Für Dohler ist die Förderung in der Nordsee vergleichsweise klimaschonend. "Wir schauen uns an, wie wir Erdgas möglichst wettbewerbsfähig, aber auch klimaschonend beschaffen können", sagt der EWE-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dabei seien die Treibhausgasemissionen etwa von importiertem LNG aus US-amerikanischem Fracking, was verflüssigt, transportiert und wieder regasifiziert werde, 25-mal höher als bei der heimischen Gasproduktion, so Dohler.
Ein weiteres Argument für die klimaschonende Produktion aus seiner Sicht ist, dass die Förderplattformen mit dem Strom aus dem Offshore-Windpark Riffgat versorgt werden. Dadurch lassen sich die CO2-Emissionen deutlich senken. Genau gegen diese Anbindung klagen aber die Umweltschützer. Sie kritisieren unter anderem, dass durch das zu verlegende Stromkabel für die Bohrplattform geschützte Riffe unwiederbringlich zerstört werden könnten.
Heimische Förderung für Versorgungssicherheit
Unterstützung bekommt Dohler von Niedersachsens CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner. Er befürwortet die umstrittene Gasförderung vor Borkum – trotz Kritik an der geringen Fördermenge. "Auch kleinere Fördermengen tragen zur Versorgungssicherheit bei", sagte Lechner der dpa. Im Regelbetrieb soll das Feld zwei Milliarden Kubikmeter produzieren.
Das entspreche nicht einmal dem Jahresverbrauch von Deutschland, erläuterte Dohler. Das Erdgasfeld in der Nordsee werde ausgefördert sein, bevor die Gasnutzung in Deutschland und den Niederlanden zu Ende geht. "Wir haben also auch keinen "Lock-in-Effekt". Zur Einordnung: Der gesamtdeutsche Gasverbrauch lag im vergangenen Jahr nach Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) bei 78 Milliarden Kubikmetern. Durch die heimische Gasförderung wurden zuletzt 4,4 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert.
Fracking bleibt tabu
Die heimische Gasförderung in Deutschland betrug im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Kubikmeter und entsprach damit etwa fünf Prozent der deutschen Gasversorgung. Der inländische Anteil nimmt kontinuierlich ab. 2000 lag er noch bei über 21 Prozent. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verfügt Deutschland noch über erhebliche Schiefergasvorkommen in Höhe von etwa 13 Billionen Kubikmetern.
Allerdings könnten sie nur mittels der unkonventionellen Fracking-Methode an die Oberfläche gefördert werden. Die kommerziellen Fracking-Vorhaben in unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein sind allerdings verboten. Es gibt jedoch theoretische Ausnahmen für bis zu vier Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken, die von einer Expertenkommission begleitet werden müssen. (am/dpa)



