Zeigten sich mit den Geschäftszahlen 2020 zufrieden: Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler (links) und Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

Zeigten sich mit den Geschäftszahlen 2020 zufrieden: Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler (links) und Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

Bild: © EWE

Digitalisierung, Wasserstoff und Grünstrom: Mit diesem Dreiklang will der Oldenburger Energieversorger EWE auch künftig rentabel bleiben und gleichzeitig sein Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, erfüllen.

Bei der Digitalisierung des Nordwestens von Deutschland sah Vorstandschef Stefan Dohler im vergangenen Geschäftsjahr große Fortschritte. Sowohl im eigenwirtschaftlichen als auch im geförderten Glasfaserausbau sei das Unternehmen sehr aktiv gewesen.

Glasfaser Nordwest mit Fortschritten

Für acht Förderverfahren zugunsten von sehr ländlichen Regionen habe EWE den Zuschlag erhalten, berichtete er. Das Unternehmen Glasfaser Nordwest, an dem neben EWE auch die Telekom beteiligt ist, habe ferner im ersten Jahr des Bestehens in 14 Städten und Gemeinden den Glasfaserausbau gestartet.

"Mit Glasfaser Nordwest werden wir 1,5 Millionen Haushalten und Unternehmensstandorten einen Glasfaserhausanschluss bieten", sagte Dohler. "Damit leisten wir einen enormen Beitrag für die Digitalisierung des Nordwestens."

Wasserstoffhub im Nordwesten

Große Chancen sieht der Manager auch im Bereich Wasserstoff,  wo er den "natürlichen Standortvorteil" des Nordwestens dank guter Windbedingungen und vorhandener Gasspeicher nutzen will.

Gemeinsam mit anderen Unternehmen wollen die Oldenburger in Niedersachsen einen milliardenschweren Wasserstoff-Hub aufbauen. Geplant sind Elektrolyseanlagen in Bremen und am Kraftwerksstandort Mittelsbüren, der der EWE-Tochter SWB gehört. Seinen Erdgasspeicher in Huntorf will EWE zudem auf Wasserstoff umrüsten.

"Da muss noch mehr passieren"

Immer mehr scheint sich auszuzahlen, dass EWE stark auf Wind On- wie Offshore setzt. Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen in diesem Segment ein Drittel mehr als im Vorjahr. Im Offshore-Bereich profitierte es insbesondere von der Inbetriebnahme des Windparks "Trianel Windpark Borkum II". Allerdings hatte das Unternehmen zumindest im Onshore-Bereich mit einem höheren Ergebnis gerechnet.

"Wir sind davon ausgegangen, dass die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau des Onshore-Geschäftes besser werden", erläuterte Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Allerdings stehe man in Deutschland noch immer auf der Bremse. "Da müssen wir den Finger in die Wunde legen, da muss noch mehr passieren."

Grünstrom-Offensive

EWE plane den weiteren Aufbau von Windkraftkapazitäten, ergänzte Dohler. Dieser unterliege aber umständlichen und langwierigen Genehmigungsprozessen. Die Hoffnungen liegen nun auf dem Joint Venture Alterric. Jährlich sollen mindestens 200 MW an Kapazitäten realisiert werden.

Dabei möchte der Energieversorger nicht nur im Erzeugergeschäft, sondern auch im Vertrieb grüner werden. Er will die Grundversorgung 2022 auf Ökostrom umstellen. Zusätzlich will er die bereits jetzt verfügbaren Ökostrom-Angebote sukzessive mit regionalem Ökostrom anreichern. Ein Angebot mit grauem Strom soll aber weiterhin fortbestehen.

Gewinneinbußen im Marktgeschäft

Mit den Geschäftszahlen für das Corona-Jahr 2020 zeigte sich der EWE-Vorstand zufrieden. Umsatz (5,6 Mrd. Euro, -0,3 Prozent) und operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit; 442 Mio. Euro, -3,0 Prozent ) sanken leicht im Vergleich zu 2019. Gleichzeitig stiegen die Investitionen: um zwölf Prozent auf 657 Millionen Euro.

Deutliche Gewinneinbußen verzeichnete EWE im Vertriebsgeschäft. Dort erwirtschaftete der Versorger mehr als ein Drittel weniger als 2019.

Corona trifft SWB hart

Finanzvorstand Mücher führte dies unter anderem auf Auswirkungen der Corona-Pandemie, eine vergleichsweise milde Witterung und einen nach wie vor harten Wettbewerb um Strom- und Gaskunden zurück. Die Kundenzahlen seien allerdings stabil geblieben, sagte er.

Auch das Ergebnis der Bremer Energieversorgers SWB fiel niedriger aus als im Vorjahr, konkret um 24 Prozent. Hier schlugen vor allem coronabedingte Absatzrückgänge bei Industriekunden, etwa im Mercedes-Werk oder bei Stahlhersteller Arcelor Mittal, negativ zu Buche.

Trading und Telekommunikation legen zu

EWE-Geschäftsfelder wie Trading und Telekommunikation legten dagegen zu. Sie profitierten von volatilen Preisen am Strom- und Gasmarkt sowie von mehr Breitbandbedarf in Zeiten von Home Office. Die Infrastruktur, der traditionelle Hauptertragbringer der EWE, blieb stabil. (ab)

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