Die Nachhaltigkeitsberichterstattung, EGS, ist nach den drei Dimensionen Environment, Social und Governance benannt.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung, EGS, ist nach den drei Dimensionen Environment, Social und Governance benannt.

Bild: © Ticha/AdobeStock

Von Hans-Peter Hoeren

Die Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle aus den Megatrends Energiewende und Nachhaltigkeit stellt viele kommunale Versorger vor große Herausforderungen. Die Wormser EWR AG hat bereits 2015 begonnen, strategische Grundlagen für diese Themen zu schaffen.

Dazu zählen unter anderem die Übernahme eines Elektroinstallationsbetriebs, die Gründung einer Gesellschaft zur Entwicklung von Windparks und Photovoltaik-Freiflächen in Kooperation mit den Mainzer Stadtwerken und den Pfalzwerken sowie die Entwicklung eines eigenen Energiemanagementsystems.

Neue Berichtspflichten

"Wir haben unsere Wertschöpfung in diesem Bereich Schritt für Schritt erweitert und können heute viele Leistungen rund um die Themen Energie- und Wärmewende aus einer Hand anbieten. Das ist ein klarer strategischer Vorteil", erklärt Stephan Wilhelm, Vorstand der EWR. Das mehrheitlich kommunale Unternehmen ist in zahlreichen Städten und Gemeinden tätig und versorgt auch mittelständische Unternehmen mit Energie.

Diese stehen vor der Aufgabe, Klimaziele zu erreichen, Dekarbonisierung voranzutreiben und Treibhausgasemissionen zu reduzieren – begleitet von neuen Berichtspflichten wie der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der EU-Taxonomie.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat die EWR AG ein Beratungsangebot entwickelt und die Leistungen in der 2023 gegründeten Tochtergesellschaft EWR Climate Connection gebündelt. "Unser Ziel ist es, das komplexe Thema Energiewende in managebare Einheiten zu unterteilen, um die Umsetzung zu erleichtern", so Wilhelm. Die modulare Beratung basiert auf der kommunalpolitischen Expertise der EWR AG.

"Das Thema Nachhaltigkeitsdaten wird  auch für kleinere Betriebe relevant, obwohl sie nicht direkt berichtspflichtig sind." Björn Bein, Geschäftsführer EWR Climate Connection

Björn Bein, Geschäftsführer der EWR Climate Connection, ergänzt: "Die gesetzlichen Vorgaben, wie die kommunale Wärmeplanung und die EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie CSRD, bringen Dynamik in das Thema." Auch die EWR AG selbst wird bis 2026 erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. "Da viele Industrieunternehmen Nachhaltigkeitsdaten von ihren Zulieferern anfordern, wird das Thema auch für kleinere Betriebe relevant, obwohl sie nicht direkt berichtspflichtig sind", erklärt Bein. Er bezeichnet diesen Trend als "Reporting durch die Hintertür".

Die EWR Climate Connection unterstützt Unternehmen bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsstrategien und Transformationsplänen, der Fördermittelbeschaffung sowie der Erfüllung von Reportinganforderungen. "Unser eigentlicher Mehrwert liegt in der Professionalisierung des Projektmanagements", betont Wilhelm. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf der kommunalen Wärmeplanung. "Während die Kommune die politischen Entscheidungen trifft, bereiten wir den gesamten Prozess vor", so Bein.

Stephan Wilhelm, Vorstand der EWR

Ein Vorzeigeprojekt ist die Wärmeplanung in der Gemeinde Hahnheim, eine der ersten in Rheinland-Pfalz. Innerhalb von zehn Monaten wurde ein umfassender Plan erstellt, bei dem Bürger und Unternehmen regelmäßig einbezogen wurden. "Unser Ziel ist es, eine breite Zustimmung innerhalb der Kommune für die Wärmewende zu erreichen", verdeutlicht Bein. Wilhelm ergänzt: "Die Kommunikation und Vermittlung der Maßnahmen an die Bürger ist eine der größten Herausforderungen der Wärmewende."

Für den operativen Bereich Energielösungen der EWR fungiert die Climate Connection als verlängerte Werkbank. Sie ermöglicht Anschlussprojekte wie Quartierskonzepte oder die Installation von Photovoltaikanlagen. Angesichts eines wachsenden Marktes, in dem auch große Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften aktiv sind, sieht Wilhelm die EWR AG gut aufgestellt: "Unser kommunaler Hintergrund und unsere Erfahrung als Infrastrukturdienstleister verschaffen uns eine starke Position."

Um die steigende Nachfrage zu bedienen, plant die EWR Climate Connection, ihr Team von derzeit 15 Mitarbeitenden zu erweitern. Für 2025 erwartet das Unternehmen eine stärkere Nachfrage nach kommunaler Wärmeplanung und prüft, ihre Expertise als White-Label-Lösung für andere Stadtwerke anzubieten. Bereits heute zählen drei kommunale Versorger zu den Kunden der Climate Connection.

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