Spatenstich für Netzstabilitätsanlage in Marbach (v.l.): Dirk Güsewell (Leiter Erzeugung/Portfolioentwicklung EnBW), Bürgermeister Jan Trost, EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer, Umweltminister Franz Untersteller und TransnetBW-Geschäftsführer Werner Götz.

Spatenstich für Netzstabilitätsanlage in Marbach (v.l.): Dirk Güsewell (Leiter Erzeugung/Portfolioentwicklung EnBW), Bürgermeister Jan Trost, EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer, Umweltminister Franz Untersteller und TransnetBW-Geschäftsführer Werner Götz.

Bild: © EnBW/ARTIS Uli Deck

Die Netzstabilitätsanlage mit einer Nettoleistung von 300 Megawatt wird auf dem Gelände des EnBW-Kraftwerks Marbach gebaut, teilte das Unternehmen mit. Innerhalb von zwei Jahren soll das „besondere netztechnische Betriebsmittel nach §11 Abs. 3 EnWG“ – so die offizielle Bezeichnung der neuen Anlage – einsatzbereit sein.

Seine Aufgabe wird nicht die Stromerzeugung für den Bedarf von Verbrauchern sein. Das mit leichtem Heizöl betriebene Gasturbinenkraftwerk soll vielmehr die Netzstabilität im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW absichern, um die Versorgungssicherheit auch in Ausnahmesituationen aufrechterhalten zu können. Sie kann innerhalb von 30 Minuten auf Volllast hochgefahren werden.

Untersteller: Einsatz von leichtem Heizöl in Marbach vertretbar

„Die Anlage in Marbach ist notwendig, damit die Transformation unseres Energiesystems hin zu einer klimafreundlichen Energieversorgung bei gleichzeitiger Gewährleistung der Versorgungssicherheit gelingen kann. Auch wenn dafür Öl als Betriebsmittel eingesetzt wird. Dies ist für mich schmerzlich, aber angesichts der Voraussetzungen in Marbach vertretbar“, wird Minister Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) in der EnBW-Pressemitteilung zitiert.

Marbachs Bürgermeister Jan Trost nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil. „Die neue Netzstabilitätsanlage leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewende, weshalb wir auch das Projekt im Gemeinderat konstruktiv begleitet haben. Und daher freue ich mich, dass diese Anlage von der EnBW jetzt hier errichtet wird, und von Marbach aus für eine sichere Stromversorgung in ganz Baden-Württemberg gesorgt wird“, so Trost.

Im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers

Die neue Anlage soll ausschließlich auf Anforderung der TransnetBW GmbH zur Wiederherstellung der Sicherheit und Zuverlässigkeit im Übertragungsnetz eingesetzt werden. Nach einem wettbewerblichen Ausschreibungsverfahren hatte der Übertragungsnetzbetreiber im vergangenen Jahr der EnBW den Auftrag für das Kraftwerk erteilt. Die genehmigten Betriebsstunden liegen bei maximal 1500 pro Jahr.

„Die Energiewende stellt unser Netz vor große Herausforderung“, erklärt Werner Götz, Vorsitzender der TransnetBW-Geschäftsführung. „Heute startet hier ein Projekt, das der TransnetBW hilft, die Stromversorgung sicher und stabil zu halten – mit einer bewährten Technik, mit einem neuartigen Einsatzkonzept, das das Funktionieren des Strommarktes sicherstellt.“

Großes „Notstromaggregat“ soll Stromnetz absichern

Die Errichtung der neuen Anlage geht auf einen Beschluss der Bundesnetzagentur von 2018 zurück. Ergänzend zum jetzigen Kraftwerksbestand sollen neue hochflexible Erzeugungsanlagen zur Sicherung der Netzstabilität in Süddeutschland errichtet werden.

Diese dienen der kurzfristigen Entlastung der Stromnetze, wenn nach vorherigem Ausfall anderer Anlagen die Netzstabilität gefährdet wäre. Vergleichbar etwa mit einem Notstromaggregat, das zur Überbrückung von Stromausfällen zum Einsatz kommt – nur dass das Gasturbinenkraftwerk natürlich wesentlich größer ist und bereits vor einem drohenden Versorgungsausfall zum Einsatz käme.

Unabhängigkeit von kurzfristigen Lieferengpässen

Da für den Zweck der Anlage eine hohe und zuverlässige Verfügbarkeit entscheidend ist, sei die Entscheidung bewusst auf die Verwendung von leichtem Heizöl als Brennstoff gefallen, teilte die EnBW mit. In Marbach könne der maximale Brennstoffbedarf für ein ganzes Jahr in bereits vorhandenen Öltanks mit einer Kapazität von 70.000 m3 direkt am Standort gelagert werden.

Damit sei man unabhängig von kurzfristigen Lieferengpässen, wie sie bei anderen Brennstoffen eintreten könnten. Außerdem hänge die Systemsicherheit in Süddeutschland damit nicht von einem einzigen Primärenergieträger – wie beispielsweise Erdgas – ab. (hcn)

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