Große Pläne bei der Windkraft: EWE-Vorstandschef Stefan Dohler

Große Pläne bei der Windkraft: EWE-Vorstandschef Stefan Dohler

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Als Gesellschafter des größten Windenergieparkbetreibers Alterric und Betreiber von Gasspeichern konnte EWE auch im Krisenjahr ein "robustes Ergebnis" erzielen. Das erklärten die Oldenburger bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz für 2022 diesen Donnerstag.

 "Diese Gewinne benötigen wir auch, um den weiteren Umbau zu einer möglichst autarken und nachhaltigen Energieversorgung weiterhin aktiv voranzutreiben", erklärt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG. Schon jetzt sei die Region zehn Jahre weiter als der Rest der Republik in der Region. "Das liegt nicht an EWE alleine, aber wir haben einen wichtigen Anteil daran."

Der Umsatz von EWE stieg vor allem aufgrund der erstmaligen Berücksichtigung des Gemeinschaftsunternehmens Alterric und der enormen Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt auf rund 8,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,1 Milliarden Euro).

Die für den Energiekonzern wesentliche Kennzahl für die operative Geschäftstätigkeit – das Operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) – lag mit 664,7 Millionen Euro über dem Ergebnis des vorherigen Geschäftsjahres (354,7 Millionen Euro). Auch die Konzerntochter swb in Bremen schloss mit rund 100 Millionen positiv ab.

Allerdings rechnet EWE das Ergebnis von Alterric vollumfänglich in seine Bilanz, obwohl die Hälfte der Gewinne dem anderen Gesellschafter, der Aloys-Wobben-Stiftung, zufließt. Dieses Ergebnis weist der Konzern nicht konkret aus, allerdings sei das Erneuerbaren Segment mit einem OEBIT von 210,7 Millionen Euro wesentlich von Alterric bestimmt.

Durch die Krise machte vor allem der Vertrieb schlechte Ergebnisse. Als Grundversorger nahm EWE neue Kunden auf, für die kurzfristig Energiemengen eingekauft werden mussten. Auch die Energieeinsparungen von Firmenkunden schmälerte den Absatz, erklärt der Finanz-Vorstand Wolfgang Mücher.

In der Krise hat EWE zurückhaltend investiert

Bei seinen Investitionen verhielt sich EWE zurückhaltend. Aufgrund der Krise habe es erhebliche Liquiditätsrisiken gegeben, erklärte Dohler, daher hielt der Konzern es mit "cash is king",

"Alles was nicht unbedingt notwendig war, wurde zurückgestellt oder abgesagt", erklärt Stefan Dohler.

Somit lagen die Investitionen mit 768 Millionen unter denen des Vorjahres (1,2 Milliarden Euro). Die Differenz läge vor allem an der großen Aufwendung für die Gründung von Alterric in 2021.

Die Turbulenzen am Energiemarkt zeigen sich besonders im HGB-Ergebnis. Dieser für die auszuschüttende Dividende maßgebliche Konzernabschluss liegt im Geschäftsjahr 2022 bei rund 36 Millionen Euro (Vorjahr: 185 Millionen Euro). Der Rückgang ist vor allem auf die zusätzlich eingekauften und gespeicherten Energiemengen und deren Bewertung am Jahresende zurückzuführen. Um Risiken begegnen zu können, schüttet EWE die Dividende voraussichtlich in zwei Tranchen aus.

Verlorenes Jahr für die Erneuerbaren

Deutschlandweit sei 2022 für den Ausbau der Erneuerbaren ein verlorenes Jahr gewesen, erklärt Vorstandschef Dohler. Die schlechten Marktbedingungen in Deutschland und auch Frankreich setzten sich für den Windausbau aus langen Genehmigungsverfahren, Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten zusammen.

Allein in einem Jahr seien die Kosten für die Errichtung eines Windrads um mehr als 20 Prozent angestiegen. "Positiv ist: Die Bundespolitik kümmert sich, aber bis die Maßnahmen in der letzten Kommune ankommen dauert es."

In der nächsten Dekade will EWE 14 Milliarden investieren

Der EWE-Konzern sieht in den kommenden zehn Jahren ein Investitionspotential in Höhe von bis zu 14 Milliarden Euro für den weiteren Ausbau der Energiewende.

Die Wachstumsfelder bestünden aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen, Energienetze, Telekommunikation, Großspeicher/Wasserstoff und Elektromobilität.

"Im Nordwesten haben wir beste Voraussetzungen für die Energiewelt von morgen. Hier gibt es Häfen für den zukünftigen Import von grünem Wasserstoff, den Wind, um erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff zu produzieren und die passende geologische Situation mit Salzstöcken, um diesen Wasserstoff zu speichern", sagt Stefan Dohler.

Mehr LNG: Investitionen 2023

Die Versorgungssicherheit und die beschleunigte Energiewende stehen in diesem Jahr im Fokus der EWE-Aktivitäten. Im Segment erneuerbare Energien erwartet der Konzern einen Rückgang des OEBIT und im Markt-Segment einen Anstieg. Die auch in diesem Jahr zunehmenden Autarkiebestrebungen im Energiesektor wird EWE bei den Investitionen weiter berücksichtigen und erneuerbare Energien, strombasierte Wärmelösungen und die LNG-Infrastruktur weiter ausbauen.

"Insgesamt erwarten wir für das derzeitige Geschäftsjahr ein OEBIT, das bei einer eher zurückhaltenden Vorausschau zwischen fünf und zehn Prozent über dem des Jahres 2022 liegen wird", prognostiziert Wolfgang Mücher.

Im Segment erneuerbare Energien plant der Konzern für 2023 Investitionen für eigenentwickelte Windparkprojekte und Akquisen in Höhe von insgesamt 333 Millionen Euro. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Wind-an-Land-Gesetz

Durch das in diesem Jahr in Kraft getretene Wind-an-Land-Gesetz verspricht sich der Konzern erleichterte Genehmigungsverfahren und schnellere Wachstumsmöglichkeiten. Im Segment Infrastruktur sind für 2023 Investitionen von rund 735 Millionen Euro geplant, davon entfallen rund 419 Millionen Euro auf den Bereich der Energienetze.

Bundesweites E-Mobility-Geschäft: Break-Even in zwei Jahren erwartet

Stolz blickt der Vorstand auf die Entwicklung im Bereich E-Mobility. Deutschlandweit habe EWE mit am stärksten neue Ladeinfrastruktur gebaut. Stefan Dohler erwartet den Break-even des Geschäftsbereiches für 2025, ausgeglichen werde das Ergebnis wohl in bis zu fünf Jahren sein. An einer möglichen Ausschreibung für das Schnellladenetz "Deutschlandnetz" will EWE sich beteiligen. (pfa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper