Die Gaskrise hält Deutschland im Atem.

Die Gaskrise hält Deutschland im Atem.

Bild: © Giorgio Trovato/Unsplash

Die Gaskrise spitzt sich weiter zu. Nach Otima Energie und Smiling Green Energy hat mit Lition der dritte Energieversorger innerhalb kurzer Zeit Insolvenz angemeldet.

Auf seiner Website schreibt das Stromunternehmen, dass es bis zuletzt versucht habe, einen Weg für seinen nachhaltigen Fortbestand zu finden. "Schweren Herzens müssen wir leider mitteilen, dass auch Lition diese Energiekrise nicht überleben kann“, heißt es weiter.

Versorger Enqu kündigt außerordentlich

Demnach wurde die Strombelieferung zum Ablauf des 27. Oktober für Kunden in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW und einen Tag später in den übrigen Regelzonen eingestellt.

Zudem wurde der ZfK vom Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" ein Schreiben des Kieler Unternehmens Enqu zugespielt.

14,45 Cent pro kWh Arbeitspreis

Darin kündigt es mit Verweis auf den „nicht vorhersehbaren Preisanstieg“ und Paragraf 314 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) eine außerordentliche Kündigung bis zum 15. November an. Das Schreiben datiert vom 26. Oktober.

Alternativ bietet das Unternehmen einen neuen Vertrag an, der einen Arbeitspreis von 14,45 Cent pro kWh beinhaltet. Es ist juristisch umstritten, inwiefern der Verweis auf hohe Energiepreise für eine außerordentliche Kündigung ausreicht. (Hier mehr dazu.)

Mitgas stoppt Neukunden-Vertrieb

Auf schriftliche ZfK-Nachfrage, wie vielen Kunden das Unternehmen außerordentlich gekündigt habe und wie es mit anderen Bestandskunden weitergehe, antwortete das Unternehmen nicht unmittelbar.

Derweil reiht sich Regionalversorger Mitgas in die länger werdende Liste der Energieunternehmen ein, die aktuell keine Erdgasangebote für Neukunden mehr im Portfolio führen. Auf der Website steht: "Wir überarbeiten gerade unsere Erdgasangebote und reichen deshalb aktuell keine Neuverträge aus."

"Großteil Werbemaßnahmen eingestellt"

Wann das Neukundengeschäft wieder aufgenommen werden solle, sei noch nicht sicher, sagte ein Sprecher. "Wir haben bereits einen Großteil unserer Werbemaßnahmen eingestellt. Dort, wo noch Werbemaßnahmen sichtbar sind, werden wir diese schnellstmöglich zurückfahren."

Mitgas ist Grundversorger in großen Teilen Ostdeutschlands und auch Vorlieferant für Stadtwerke. Die Bestandskundenversorgung und die Grund- und Ersatzversorgung blieben unverändert erhalten, heißt es.

Hotline für Energiekunden

Bereits am Donnerstag hatte die ZfK erfahren, dass die Stadtwerke München bis voraussichtlich Mitte November keine Gasprodukte mehr anbieten. Der Kommunalversorger hatte bereits Mitte Oktober seine Neukunden-Akquise ausgesetzt.

Auf die steigenden Energiepreise reagiert auch die Verbraucherzentrale Hessen. Sie richtet von kommendem Dienstag an eine Hotline ein.

Viel Ärger bei Bürgern erwartet

Da mehrere Energieanbieter die Strom- und Gasversorgung eingestellt hätten oder ab November höhere Preise verlangten, rechne man mit viel Ärger bei den Bürgern, teilte der Verein am Freitag mit.

Teilweise sollen die Hessen laut der Verbraucherzentrale das Doppelte der bisherigen Abschlagshöhe für ihren Strom-Tarif zahlen. Andere Energieanbieter hätten einfach die außerordentliche Kündigung des Liefervertrags erklärt oder eine Kündigungsbestätigung übermittelt, ohne dass Verbraucher vorher gekündigt hätten.

Verbraucherzentrale: Netzagentur in Pflicht

Die Verbraucherzentrale wolle deshalb über die Hotline Fragen beantworten und die Bürgerinnen und Bürger zu ihren Rechten beraten.

Die Verbraucherzentrale NRW wiederum sieht nun die Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde der Energieversorger in der Pflicht.

"Netzagentur muss Riegel vorschieben"

"Wir hoffen, dass die Bundesnetzagentur den offensichtlichen Regelverstößen der betroffenen Unternehmen einen Riegel vorschiebt und sie auf ihre Marktfähigkeit hin prüft", teilte Vorstand Wolfgang Schuldzinski per Presseaussendung mit. (aba/dpa)

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