Die Höhe der Gasnetzentgelte in Deutschland variiert teils stark.

Die Höhe der Gasnetzentgelte in Deutschland variiert teils stark.

Bild: © Daniel Reinhardt/dpa

Am 15. Oktober ist die Frist für die Veröffentlichung der Netznutzungsentgelte abgelaufen. Die endgültige Auswertung steht noch aus. Was bereits klar ist, sind "drastisch steigende Entgelte im Gas", teilte der Datenbankbetreiber Enet mit. Im Stromnetz könnten die Netznutzungsentgelte hingegen dank einer neuen regionalen Umverteilungsformel der Bundesnetzagentur teils deutlich nach unten gehen.

Die Bundesnetzagentur teilte auf DPA-Anfrage vor wenigen Tagen mit, dass sie "noch keinen abschließenden Überblick über die Entwicklung der Gasnetzentgelte" habe. Die Regulierungsbehörde geht allerdings davon aus, dass die Erhöhungen flächendeckend erfolgen werden. Bei Netzentgelten, deren Anstieg "unplausibel hoch" ausfällt, werde die Behörde die Annahmen der Netzbetreiber prüfen, hieß es dazu aus Bonn weiter.

Kanu 2.0 kommt

Von den vorläufigen Netzentgelten ausgehend rechnet das Vergleichsportal Verivox mit einem durchschnittlichen Anstieg der Netznutzungsentgelte Gas um 25 Prozent. In einzelnen Fällen müssen sich Kunden auf Erhöhungen von um die 65 Prozent einstellen.

Erstmals können Gasnetzbetreiber 2025 die Abschreibungen ihrer Assets auf die Zeit vor 2035 vorziehen. Kern der Festlegung zur Anpassung von "kalkulatorischen Nutzungsdauern und Abschreibungsmodalitäten von Erdgasleitungsinfrastrukturen" (Kanu 2.0) ist, dass für Gasnetzbetreiber die Abschreibungen flexibilisiert werden. Das bisherige Regulierungsmodell ist auf den Fortbestand der Netze und eine gleichmäßig intensive Nutzung ausgerichtet. Kanu 2.0 erlaubt den Netzbetreibern nun kürzere Nutzungsdauern als bisher.

VKU lobt "höhere Flexibilität"

Der VKU sieht diese vom Regulierer eingeräumte Flexibilität positiv: "Sie bietet Netzbetreibern mit Blick auf die angestrebte Gasnetztransformation die notwendige Flexibilität bei Abschreibungen hinsichtlich Startzeitpunkt, Nutzungsdauer und Abschreibungsmethode", hieß es vom Verband auf ZfK-Anfrage. Die Gasnetzbetreiber würden damit ihre Kosten so zeitlich auf die nächsten Jahre verteilen können, um die Netze innerhalb ihrer jeweils geplanten Nutzungsdauer auch abschreiben zu können. "Die weiterhin notwendigen Investitionen in die Erdgasnetze lassen sich so perspektivisch amortisieren."

Kompensationskonto für Gasnetzkosten

 Wie viele Gasnetzbetreiber von der Regelung bereits Gebrauch machen, sei noch nicht eindeutig klar. Der Verband schätzt allerdings, dass bundesweit rund ein Drittel bis ein Viertel der Gasnetzbetreiber zeitnah die neuen Abschreibungsregeln anwenden. "Die übrigen Gasnetzbetreiber werden nachziehen", so ein VKU-Sprecher.  Angesichts der verkürzten Abschreibungszeiträume und etwaiger Stilllegungen zu steigenden Gasnetzkosten fordert der VKU eine Debatte über die Notwendigkeit eines staatlichen Kompensationskontos als Absicherung. "Der Staat finanziert aus Steuermitteln den Hochlauf der neuen Welt, aber die Stilllegung der alten Welt kostet auch etwas", so die Argumentation des Verbandes. (am)

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