Von Artjom Maksimenko
Im Oktober und November bewegten sich die Großhandelspreise von einem Rekord zum anderen. Seit Monatsbeginn lässt der Gasmarktpreis allerdings fast kontinuierlich nach. Innerhalb einer Handelswoche büßte der Gaspreis am Handelspunkt TTF um über zehn Prozent ein.
Angesichts der unterdurchschnittlichen Windstromeinspeisung und einer entsprechend höheren Gasnachfrage im Stromerzeugungsbereich scheint dies auf den ersten Blick überraschend. Allerdings gibt es zahlreiche Faktoren, die diesen Rückgang begründen.
Extremszenarien zunehmend unrealistisch
In der vergangenen Handelswoche hat der Frontjahreskontrakt am TTF zum ersten Mal seit Anfang November unter dem Wert von 40 Euro/MWh notiert. Angesichts der milden Wetterprognosen in den kommenden Wochen gehen Handelsexperten von einem weiteren Preisrückgang aus. Zum Wochenstart notierte der Kontrakt Cal-25 bei 46,30 Euro/MWh und gab dann nach auf zuletzt 41,30 Euro/MWh (17. Dezember).
Die Szenarien der Initiative Energien Speichern (Ines), die bei extrem niedrigen Temperaturen den Mindestfüllstand der Speicher im Februar von 50 Prozent gefährdet sehen, rücken angesichts der milden Witterung zunehmend in die Ferne. Aktuell liegt der Speicherstand in Deutschland bei durchschnittlich 83,57 Prozent. Auch die 77,49 Prozent im europäischen Durchschnitt sind zu diesem Zeitpunkt ebenfalls solide.
LNG-Terminals mit niedriger Auslastung
In Kombination mit einem guten LNG-Angebot lässt sich die Nachfrage flexibel bedienen. Das honoriert der Markt ebenfalls mit bearishen Impulsen. Als preisstützend erweisen sich weiterhin die geopolitischen Unsicherheiten, sowohl im Nahen Osten als auch in der Ukraine. Weitere Eskalationen könnten die Volatilität an den Märkten zusätzlich erhöhen.
Unter dem Strich bleibt die Preisentwicklung allerdings rückläufig. Während der FSRU-Terminal 1 in Wilhelmshaven zu 83 Prozent ausgelastet ist, erreicht Brunsbüttel aktuell 45 Prozent und Mukran 22 Prozent, zeigt eine Auswertung von LNG-Lieferstatistiken von Ganexo. Trotz dieses Auslastungsgrades hält Joachim Endress, Chef und Gründer von Ganexo, die Kapazitäten der deutschen Terminals für nicht überdimensioniert. Denn das Vorhalten von vermeintlichen Überkapazitäten "ist notwendig, um Verbrauchsspitzen oder Angebotsausfälle kompensieren zu können. Das ist billiger als hohe Preise, siehe Energiekrise", sagte Endress.



