Von Hans-Peter Hoeren
Zu 85 Prozent gefüllt waren die deutschen Gasspeicher vor einem Jahr, aktuell sind es nur 64 Prozent. "Die Spreads zwischen Winter und Sommer haben nicht die richtigen Anreizsignale gesendet. Wir brauchen langfristig ein anderes Marktdesign für den den Speichermarkt in Deutschland", sagte Uniper-Chef Michael Lewis auf Fragen von Journalisten bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen.
Uniper ist der größte Gasspeicherbetreiber in Europa, der Füllstand der Uniper-Speicher liegt laut Lewis mit 68 Prozent etwas über dem bundesdeutschen Schnitt. Man werde die Speicher weiter befüllen, es gebe auch die Option, noch mehr LNG zu importieren. Unterm Strich werde es mit der Befüllung aber deutlich knapper als im vergangenen Jahr.
Grundsätzlich benötige die Speicherbranche langfristig einen anderen Rahmen, in dem die richtigen Preissignale für die Gasspeicherbefüllung ermöglicht würden, so Lewis weiter.
Uniper-Chef: "Können sehr schnell mit dem Bau neuer Gaskraftwerke beginnen"
Er zeigte sich optimistisch, dass in den nächsten Wochen aus Brüssel grünes Licht zum Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland kommen werde. "Je schneller die Kraftwerksstrategie kommt, desto schneller können wir weitere Kapazität bauen“, so Lewis. Der Bau eines jeden neuen Kraftwerks dauere vier bis fünf Jahre. Dank einer strategischen Kooperation mit Siemens Energy und weil Uniper die netztechnisch besten Standorte habe, könne man sehr schnell mit der Umsetzung beginnen. Dass in Deutschland bis 2030 aber 20 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken entstehe, sei eher unwahrscheinlich.
Uniper hatte in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, sich an der geplanten Ausschreibung der Bundesregierung von neuen Gaskraftwerken in Deutschland zu beteiligen. In Großbritannien plant man zudem den Neubau von zwei Gaskraftwerken, Connah’s Quay und Killingholme, mit der Möglichkeit der Abscheidung und Speicherung von CO2.
Uniper zählt bei Stromerzeugung und Gashandel zu den größten Energieunternehmen Europas. Derzeit betreibt der Konzern unter anderem Steinkohle- und Gaskraftwerke vor allem in Deutschland, Großbritannien und Schweden mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt mehr als 14 Gigawatt. Das entspricht 14 großen Kohlekraftwerken. Weitere gut fünf Gigawatt entfallen auf Stromerzeugung aus Wasserkraft und Atomkraft in Deutschland und Schweden. Bis 2030 rechnet Uniper den Angaben zufolge mit einer Stromerzeugungskapazität von insgesamt 15 bis 20 Gigawatt.
Uniper bestätigte frühere Angaben, wonach bis Anfang der 2030er Jahre insgesamt rund acht Milliarden Euro in die Transformation investiert werden sollen. Bis 2030 sollen davon bereits rund fünf Milliarden Euro geflossen sein.
Energiekonzern bremst Umbau zu grüner Stromerzeugung
Der Energiekonzern gab außerdem bekannt, dass er beim Umbau seines europäischen Kraftwerksparks in Richtung Klimaneutralität kräftig auf die Bremse werde. Das Unternehmen wollte bislang den Anteil grüner Stromproduktion bis 2030 auf 80 Prozent steigern - jetzt sind nur noch 50 Prozent das Ziel. "Der Anteil an erneuerbarer, CO2-armer und dekarbonisierbarer Erzeugungskapazität soll bis dann mindestens 50 Prozent betragen", teilte das Unternehmen mit. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 bleibe bestehen, sagte ein Sprecher.
"Das regulatorische und geopolitische Umfeld ist herausfordernd", erklärte Michael Lewis. Auch der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft werde nicht so schnell gelingen wie erwartet. Daraus ziehe der Konzern nun Konsequenzen.
Deutschland muss Uniper-Beteiligung bis Ende 2028 reduzieren
Uniper war als größter deutscher Gasimporteur 2022 in Schieflage geraten, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Gas mehr lieferte. Deutschland rettete das Unternehmen mit Milliarden-Beihilfen und wurde mit über 99 Prozent Mehrheitseigentümer. Bis Ende 2028 muss der Staat seine Beteiligung auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren.
(mit Material von der dpa)



