Bild: © EEX

Innerhalb weniger Wochen haben die Billiganbieter Bayerische Energieversorgung (BEV) und DEG Deutsche Energie Konkurs angemeldet. Zuvor waren im Jahr 2018 bereits die Deutsche Erdgas Versorgungs GmbH, die Energieagenten Versorgungs GmbH und die Eveen Energie pleite gegangen. Die betroffenen Energieversorger wurden vom Anstieg der Großhandelspreise für Strom und Gas überrascht, sie hatten in der Beschaffung zu lange auf fallende respektive stabile Preise gesetzt. "In diesem Jahr dürfte es weitere Unternehmen in etwa einer zweistelligen Größenordnung treffen", prognostiziert Energieexperte Andreas Schwenzer von der Managementberatung Horváth & Partners. Er sieht in den aktuellen Pleiten ein "reinigendes Gewitter", das aber noch nicht abgezogen ist.

"Das Geschäftsmodell der Energiediscounter funktioniert nicht mehr", betont Schwenzer. Es gebe immer mehr wechselwilige Verbraucher. "Sie nutzen das System aus und wechseln jedes Jahr in einen neuen günstigen Tarif", so der Energiefachmann. Für die Billiganbieter, die mit besonders günstigen Tarifen für das erste Jahr und Wechselboni am Markt auftreten, könne das ruinös werden. Sie bauten darauf, dass viele Kunden vergessen zu kündigen oder zu träge sind zu wechseln und im Folgejahr höhere Preise zahlen. Dieses Kalkül gehe nicht mehr auf. Bei den Neukundentarifen zahlten die Anbieter aber häufig drauf.

"Wer dieses Jahr durchsteht, dürfte solide aufgestellt sein"

Ende des Jahres dürfte die Pleitewelle abebben, sagt der Energieexperte voraus. Die Unternehmen hätten verstanden, dass sie Strom nicht zu lange im Voraus zum Festpreis günstig verkaufen dürfen, ohne sich bei der Beschaffung abzusichern. "Seriöse Anbieter wirtschaften vernünftiger. Die Firmen, die dieses Jahr durchstehen, dürften solide aufgestellt sein", sagt Schwenzer.

Verbrauchern rät er, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch auf das Unternehmen. Auf Vergleichsportalen wie Verivox und Check24 stünden Informationen zu den Firmen zur Verfügung. "Im Zweifel lieber auf 0,1 Cent Preisvorteil verzichten und dafür zu einem seriösen Anbieter gehen", rät er. Seine wichtigste Empfehlung: Auf keinen Fall in Vorkasse gehen und keine überhöhten Abschläge zahlen. Das zeigt auch die jüngste Pleite am Energiemarkt, eine Viertel Million Kunden der Bayerischen Energieversorgung bleiben wohl auf offenen Forderungen in Höhe von rund 80 Mio. Euro sitzen. Dabei geht es um ausstehende Bonuszahlungen und nicht ausgezahlte Kundenguthaben. (hoe) 

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