Das Strom- und Gasgeschäft des Gießener Unternehmens musste vergangenes Jahr deutliche Einbußen hinnehmen. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Stromabsatz auf 1.453 Gigawattstunden (GWh) zurück, der Brutto-Umsatzerlös reduzierte sich um knapp elf Prozent auf 284 Mio. Euro. Mit fast 70 Prozent trägt der Stromsektor allerdings nach wie vor den Löwenanteil zum Konzernumsatz bei. Mit einem Minus von 4,6 Prozent auf 1035 GWh musste auch das Gassegment Verluste verbuchen. Die Wärmeversorgung hat sich mit einem Rückgäng von 0,6 Prozent bei 453 GWh eingependelt. Insgesamt kommen die Stadtwerke Gießen (SWG) trotz Einbußen im Kerngeschäft auf einen Jahresüberschuss von drei Mio. Euro. Hiervon wurden 2,5 Mio. Euro an die Stadt Gießen als Eigentümerin ausgeschüttet.
Für die Gießener lief das Jahr 2017 unter dem Motto „Vom Versorger zum Dienstleister“. Insgesamt 30 Mio. Euro wurden in bestehende Märkte und die Erschließung neuer Geschäftsfelder investiert. Für eine sichere Stromversorgung auch in Zeiten eines schwankenden Energieangebots wurde die zentrale Netzleitstelle modernisiert. Dank der neuen Leitstelle können die Stadtwerke jedoch nicht nur schnell auf den Strommarkt reagieren: Während es bisher eine Warte für das Fernwärmenetz gab und eine zweite für die Strom-, Erdgas-, und Wasserversorgung, läuft nun alles über eine Zentrale. Damit solche kritischen Infrastrukturen nicht Hackerangriffen zum Opfer fallen, haben die SWG zudem ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) eingeführt und zertifizieren lassen.
Erdgasumstellung in Eigenregie
Große Veränderungen standen auch im Bereich Gasnetz an. Die SWG-Netztochter Mittelhessen Netz (MIT.N) stellt von L- auf H-Gas um. Dabei geht sie ihren ganz eigenen Weg und setzt nicht wie viele Mitbewerber auf branchenorganisierte Spezialteams, sondern auf Kooperationen mit regionalen Betrieben. Durch die Eigenregie sind die Verantwortlichen immer auf dem neusten Stand des technischen Projektmanagements.
Für Versorgung und Daseinsvorsorge sorgen die Gießener allerdings auch außerhalb ihrer Kernkompetenzen. So wurde das Sponsoring-Programm für Vereine und Organisationen aus der Region umstrukturiert. Während früher überwiegend der Spitzensport gefördert wurde, liegt der Fokus jetzt auf einem breiten Publikum. Unter dem Slogan „Spiel dein Spiel“ sollen Kindern und Jugendliche, egal ob Vereinsmitglieder oder nicht, Freude an Bewegung entwickeln.
Mähroboter und E-Mobilität
Neue Märkte tun sich für das Unternehme vor allem bei alternativen Antriebsarten und Serviceleistungen auf. So haben die SWG 2017 vier erdgasbetriebene Gelenkbusse für den ÖPNV angeschafft. Bis 2030 soll die Flotte nun jährlich um vier weitere Modelle aufgestockt werden. Große Pläne für die nächsten Jahre gibt es auch für die Elektromobilität. So soll die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Gemeinsam mit Kommunen wird geprüft, ob die Realisierung von "ladenden Laternen" möglich ist - eine Kombination von Straßenabeleuchtung und Ladestation. Ein Moblitäts-Gadget ist hingegen der „Rasenrobo“: Der vollautomatische Rasenmäher kann bei den Stadtwerken saisonal gemietet werden. Die Testphase Anfang dieses Jahres war erfolgreich. Mittlerweile wurden 14 Roboter installiert, weitere 32 Exemplare sind bereits in der Pipeline. (ls)



