Der Bund versenke viel Geld bei der Förderung des Nahverkehrs, findet der Bundesrechnungshof.

Der Bund versenke viel Geld bei der Förderung des Nahverkehrs, findet der Bundesrechnungshof.

Bild: © K.-U. Häßler/Adobe Stock

Von Hans-Peter Hoeren

Die Millionenverluste bei den Stadtwerken Aalen sollen vor allem mit gravierenden Fehleinschätzungen im Energieeinkauf und -verkauf zusammenhängen. Das hat die Aufarbeitung der Entwicklungen durch den neuen Geschäftsführer Michael Schäfer ergeben, teilt die Stadt in einer Pressemitteilung mit. Der Stadtwerke-Aufsichtsrat und die Stadt haben nach eigenen Angaben erst im März dieses Jahres über das 25-Millionen-Euro-Defizit für das Geschäftsjahr 2024 erfahren.  

Die Unzulänglichkeiten hätten bereits weit vor der jüngsten Energiekrise eingesetzt und seien in den Jahren 2019 bis 2022 noch von den weltweit fallenden Energiepreisen überdeckt worden, heißt es. Unter anderem wurden Energieeinkäufe doppelt getätigt. Die zu viel eingekaufte Energie musste dann mit Verlust veräußert werden. Mit den steigenden Energiepreisen ab 2023 seien die Verluste dann aber nicht mehr auszugleichen gewesen und hätten sich im Herbst/Winter dann endgültig manifestiert. 
 

Viele Personalwechsel begünstigten Fehlentwicklung

Stark begünstigt wurde diese Negativentwicklung durch personelle und strukturelle Wechsel an entscheidenden Positionen in Folge einer Reorganisation im Jahr 2019. Dies soll in Verbindung mit Änderungen der Einkaufs- und Beschaffungsstrategie dazu geführt haben, dass der Überblick über bereits getätigte Strom- respektive Gaseinkäufe zunehmend verloren ging. Bis 2024 musste mit ständig wechselndem Personal in den Bereichen Beschaffung, Vertrieb und Abrechnung die in Folge der Energiekrise sehr komplexe Abrechnungssituation bewältigt werden, schreibt die Stadt Aalen.

Neben Einbußen bei den Umsatzerlösen in Höhe von 2,5 Millionen Euro, sollen gleichzeitig die Ausgaben um ein Vielfaches gestiegen sein. Höhere betriebliche Aufwendungen sowie erhöhte Zinsaufwendungen sind mit ursächlich für die Finanzprobleme. Die immense Erhöhung der Materialaufwendungen, um 14,27 Millionen Euro im Vergleich zu den im Aufsichtsrat vorgelegten Zahlen soll dabei besonders hervorstechen. Darin enthalten sind vor allem die Kosten für die falsch beschaffte Energie, auf Grundlage einer fehlerhaften Energiebeschaffung.

Auch im Fall der Stadtwerke Aalen stellen sich wie zuvor bei einigen anderen Millionenverlusten von Stadtwerkenv im Nachgang der jüngsten Energiekrise, wie etwa in Dortmund oder Sigmaringen, Fragen nach dem Funktionieren interner Kontrollen, des Risikomanagements und dem tatsächlichen Zeitpunkt des Bekanntwerdens der Verluste in der Organisation. Wurde in diesen Fällen eher kurz und knapp über die Vorkommnisse und deren Hintergründe berichtet, überrascht die Pressemitteilung aus Aalen erneut mit einer in solchen Fällen eher unüblichen Detailtiefe. Diese ist auch deshalb bemerkenswert, weil es ja noch offene rechtliche Auseinandersetzungen gibt und hier bereits öffentlich sehr klare Schuldzuschreibungen gegen einzelne Personen gemacht werden.

Die hohen Verluste der Stadtwerke Aalen sind nach wie vor das große kommunalpolitische Thema in der baden-württembergischen Stadt. Aufgrund der massiven Verluste der städtischen Tochter in den Geschäftsjahren 2023 und 2024 plant die Kommune ein Unterstützungspaket in Höhe von 25 Millionen Euro. Dieses soll über einen Nachtragshaushalt finanziert werden, über den der Gemeinderat noch vor der Sommerpause entscheiden soll.

Strategie zur Stadtwerkesanierung soll bis Juli stehen

Eckpunkte des Papiers sind laut Pressemitteilung neben Einsparungen im städtischen Haushalt auch der Verkauf des Hallenbad-Grundstücks durch die Stadtwerke. Zudem ist geplant, weitere nicht betriebsnotwendige Liegenschaften der Stadt und der Stadtwerke zu veräußern. Bis Juli soll außerdem ein umfassendes Strategie-Papier zur Sanierung der Stadtwerke erarbeitet werden. 

Auch über eine Neuausrichtung der Geschäftsfelder, Investitionen und mögliche Veräußerungen von Immobilien und Beteiligungen an anderen Unternehmen wird dabei sehr konkret nachgedacht, wie Oberbürgermeister Frederick Brütting bestätigt. Zudem prüfen Stadt und Stadtwerke, Schadensersatz bei den möglichen Verursachern des Defizits geltend zu machen. Der frühere Geschäftsführer Christoph Trautmann wurde im Dezember 2024 entlassen, er hat gegen die Kündigung geklagt. 

Trautmann wollte sich zu den Vorwürfen vor einigen Wochen gegenüber der ZfK nicht äußern und verwies auf den laufenden Rechtsstreit vor dem Gericht in Ellwangen. Der Streitwert soll laut SWR bei rund 800.000 Euro liegen.

Um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, plant der Kommunalversorger neben der Restrukturierung auch eine Wiederöffnung des Kundeninformationszentrums (KIZ) in der Stadtmitte. Mit einer personellen Verstärkung sollen die Rückstände bei der Abrechnung der Energiekunden zügig aufgearbeitet werden. Bereits angekündigt ist in diesem Zusammenhang die Umstellung des rollierenden Abrechnungssystems auf Stichtagsabrechnungen, um die bekannten Probleme bei der Abrechnung zu lösen.

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