Es hat sich einiges getan im ZFK-Ranking der größten Stadtwerke. Blähten extrem hohe Energiepreise in der Energiekrise die Bilanzen des Jahres 2023 noch kräftig auf, schwächte sich dieser Effekt im Jahr darauf spürbar ab. Dies war weithin so erwartet worden. In der Folge rutschten die Umsatzerlöse von fünf Stadtwerken in Deutschland unter die Milliardenmarke. Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 liegen mit wenigen Ausnahmen noch nicht vor und bleiben deshalb hier unberücksichtigt.
Auch das Podest sortierte sich neu. Gemessen an den Umsatzerlösen im Geschäftsjahr 2024 behaupteten sich die Stadtwerke Köln zwar ganz oben, danach folgen nun aber nicht mehr die Stadtwerke München, sondern Hannovers Enercity.
Stadtwerke München nun Vierter
Bemerkenswert hierbei: Anders als andere große Stadtwerke kann sich Enercity ganz auf den Energie-, Telekommunikations- und Wasserbereich konzentrieren. Den öffentlichen Nahverkehr übernimmt in Hannover das Nahverkehrsunternehmen Üstra. Das Gleiche gilt für den Drittplatzierten, den Mannheimer Energiekonzern MVV Energie. Er nutzte die Liberalisierung der Energiemärkte, um sich weit über das Rhein-Main-Neckargebiet hinaus auszudehnen. Die Energieversorgung Offenbach und die Stadtwerke Kiel zählen unter anderem zur MVV-Unternehmensgruppe.
Auf Rang vier finden sich die Stadtwerke München ein. Statt 9,7 Milliarden Euro wiesen sie im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro aus.
Starke Umsatzeinbußen verzeichnete das größte Stadtwerk Bayerns im Bereich Erdgas. Hier sanken die Erlöse um 1,6 Milliarden Euro. Auch die Erlöse im Strombereich gingen um ein Viertel zurück.
Sachsenenergie größtes Stadtwerk Ostdeutschlands
Das größte ostdeutsche Stadtwerk bleibt die Dresdener Sachsenenergie. Der Konzern entstand Anfang 2021 durch eine Fusion des Regionalversorgers Enso und der Drewag, der Stadtwerke Dresdens. Dahinter kommen die Leipziger Stadtwerke. Die Nummer drei in Ostdeutschland, der Stadtwerke-Halle-Konzern, schaffte es mit einem Umsatz von knapp 900 Millionen Euro nicht ins Milliarden-Ranking.
Fünf Stadtwerke verließen 2024 wieder den Milliarden-Club. Die Stadtwerke Kiel, Flensburg, Karlsruhe, Münster und Bielefeld konnten das Vorjahresniveau vor allem wegen rückläufiger Energiepreise nicht halten.
Ein Unternehmen trotzte übrigens dem Trend abnehmender Umsatzerlöse und schaffte neu den Sprung ins Milliarden-Ranking: der Aachener Stawag-Konzern. Vor allem die Erlöse in den Bereichen Strom-, Fernwärme- und Wasserversorgung legten im Vorjahresvergleich stark zu. Die Steigerungen stünden zum Teil immer noch im Zusammenhang mit den geopolitischen Spannungen und den damit verbundenen Unsicherheiten für die Wirtschaft und auf den Energiemärkten, heißt es dazu im Geschäftsbericht.
Im Stromgeschäft seien die Verkaufspreise im Mai 2024 in der Grundversorgung gesenkt worden. Die Absatzmengen im Privat- und Gewerbekundensegment seien trotz erhöhter Kundenverluste allerdings gestiegen. In der Fernwärmesparte verwies Stawag auf eine Preiserhöhung wegen der bestehenden Preisanpassungsklausel im Juli 2024. Fernwärmepreise reagieren aufgrund regulatorischer Hürden in der Regel erst zeitversetzt auf Preisschwankungen auf den Energiemärkten.
Stadtwerke müssen klar einer Stadt zugeordnet sein
Grundsätzlich sind Stadtwerke mehrheitlich oder vollständig Eigentum ihrer Kommunen. Im ZFK-Ranking sind aber auch Unternehmen wie die Bremer SWB (frühere Stadtwerke Bremen, jetzt hundertprozentige Tochter von EWE) oder die Stadtwerke Düsseldorf (EnBW ist Mehrheitsanteilseigner) zu finden, bei denen das nicht gilt. Entscheidend für das Ranking ist, dass die Unternehmen klar einer einzigen Stadt zugeordnet werden können.
Dieser Artikel ist der Anfang einer Mini-Serie. In den kommenden Wochen sind Rankings zu den größten Stadtwerken mit mindestens 1000 Beschäftigten geplant – auch hier auf Basis des Geschäftsjahres 2024. Außerdem werden Grafiken zu den größten, mehrheitlich kommunalen Energieversorgern nach Umsatz und Beschäftigten veröffentlicht werden.



