2023 ist das entscheidende Jahr für die Steag. Der Verkaufsprozess soll im März beginnen. Neben Finanzinvestoren sollen laut ZfK-Informationen auch Infrastrukturfonds an dem Unternehmen interessiert sein, das seit Jahresbeginn in einen grünen und einen schwarzen Teil (Steag Power) aufgeteilt ist.
Gerade diese Aufspaltung soll den Konzern den Kauf für potentielle Investoren noch attraktiver machen. In der neuen Gesellschaft Iqony sind jetzt die Wachstumsbereiche wie erneuerbare Energien, die Fernwärmeversorgung, Speicherlösungen für Strom und Wärme, technische Dienstleistungen, Dekarbonisierungslösungen für Industrie und Kommunen sowie Digitalisierungsaktivitäten gebündelt. Dadurch sollen Synergien gehoben und der Marktantritt erleichtert werden.
Iqony steht für innovative, individuelle (I), intelligente (IQ), qualitativ ansprechende (Q), kundenorientierte (ON) Energielösungen (Y). 2300 Mitarbeiter arbeiten künftig dort, damit weniger Beschäftigte in diesen Bereich gewechselt als ursprünglich angenommen. Im August vergangenen Jahres war noch die Rede von 3800 Beschäftigten im grünen Bereich und rund 1900 in der Steag Power. Rund 1,3 Mrd. Euro des Steag-Umsatzes entfällt auf die Wachstumsgeschäftsfelder, 2022 wurde dort ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 240 Mio. Euro erwirtschaftet.
"Höheres Ebit als die gesamte Steag in 2022"
„Iqony hat heute schon eine beachtliche Ausgangsposition mit einem Jahresumsatz von rund 1,3 Mrd. Euro und einem Ebit von 170 Mio. Euro. Das ist mehr als wir ursprünglich für die gesamte Steag in 2022 erwartet hatten“, erklärt CEO Andreas Reichel im Gespräch mit der ZfK.
Für die kommenden Jahre wird durchweg mit zweistelligen Wachstumsraten beim Umsatz. Bis 2027 wird ein Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebitda) um 45 Prozent auf 350 Mio. Euro prognostiziert. Die Zuversicht gründet sich vor allem auf die starke Ausrichtung an den Megatrends Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Hier ergänzten sich die Kompetenzen der einzelnen Bereiche und ermöglichten es, ganzheitliche und individuell zugeschnittene Lösungen zu liefern, schreibt das Untenehmen
"Wir sind der drittgrößte Fernwärmeversorger bundesweit"
„Wir sind heute schon ganz stark im Geschäft mit der grünen Fernwärme. Im Saarland und in NRW sind wir jeweils der größte Fernwärmeversorger, bundesweit der drittgrößte. Auch bei der Wärmeversorgung auf Basis von Geothermie sind wir Marktführer in Deutschland, ebenso bei der Grubengasnutzung“, skizziert COO Ralf Schiele die starke Marktposition im Bereich der dezentralen Wärmeerzeugung.
Neben der Steuerung von technischen Prozessen vermarktet Iqony auch die erzeugte Energie und konzentriert sich dabei nach eigenen Angaben immer stärker auf grüne Stromlieferverträge (PPAs). Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Dekarbonisierungslösungen. Hier sei der Bedarf an entsprechenden Leistungen spürbar angestiegen, heißt es.
Projektpipeline im PV-Bereich liegt bei 6,6 GW
Zu den wichtigsten Wachstumsfeldern gehört insbesondere die Photovoltaiksparte Sens, die sich auf die Planung, Beschaffung, den Bau und die technische wie kaufmännische Betriebsführung spezialisiert hat. Diese verfügt aktuell über eine Projektpipeline von 6,6 GW, bereits im laufenden Jahr wird ein Ausbau des Portfolios auf mehr als 300 MW angestrebt. Im Windgeschäft ist bis Ende des Jahrzehnts eine Verdopplung der Kapazität auf 270 MW geplant.
Die Bündelung der Aktivitäten unter dem Dach der Iqony eröffnet laut Schiele neue Handlungsspielräume, um „selbst noch stärker zu investieren“. In Planung ist etwa der Bau eines neuen Fernwärmespeichers sowie weitere Speicherprojekte im Zusammenhang mit der Marktintegration erneuerbarer Energien. Auch größere Investitionen in Brückentechnologien, insbesondere an den bisherigen Kraftwerksstandorten, kann sich Iqony-CEO Andreas Reichel vorstellen. An Saar und Ruhr werde zudem in Großprojekten die Herstellung grünen Wasserstoffs vorangetrieben.
Investitionen sollen aus eigener Kraft finanziert werden
Zur Höhe der geplanten Investitionen wollte sich Reichel mit Blick auf den laufenden Verkaufsprozess und das noch bestehende Sanierungsregime nicht äußern. Finanziert werden sollen die Investitionen künftig aus eigener Kraft, entweder über eine Refinanzierung oder eine Finanzierung über die Banken. Hier solle gerade die Aufteilung der Steag in einen grünen und einen schwarzen Bereich neue Refinanzierungsmöglichkeiten eröffnen.
GuD Herne 6 kann mittelfristig komplett dekarbonisiert werden
Die großen Gewerbe- und Kraftwerksflächen des Konzerns seien künftig natürlich auch ein Riesenasset für eine industrielle Anschlussnutzung. Viele der Grundstücke befänden sich in regionalen Clustern, in denen die selbst erzeugte Energie entsprechenden Absatz finde. Zum Teil seien dort die Stahl- oder Chemieindustrie tätig oder Unternehmen aus dem Verkehrssektor. Dies seien alles Unternehmen, die grün werden wollten und deshalb auch grünen Strom bräuchten. Deshalb gebe es dort sicherlich auch die Option, auf diesen Flächen Gaskraftwerke zu bauen, die wasserstoff-ready seien.
„Aktuell ist das aber für uns kein Thema“, versicherte Reichel. Zu Iqony gehört auch das erst im September in Betrieb genommene GuD Herne 6. Diese Anlage sei schon anteilig H2-ready und kann mittel- und langfristig komplett dekarbonisiert werden, ergänzt ein Sprecher
Das Closing des Steag-Verkaufsprozesses ist bis Ende Juni geplant, bis Ende des Jahres soll der Verkauf abgeschlossen sein. (hoe)



