GVS-Geschäftsführer Michael Rimmler

GVS-Geschäftsführer Michael Rimmler

Bild: © Heide Kratz/Fotodesign

Die Gasversorgung Süddeutschland, kurz GVS, gibt ihre Geschäftsfelder digitaler Plattformvertrieb sowie das klassische Gasvertriebsgeschäft im Rahmen einer Neustrukturierung innerhalb des EnBW-Konzerns ab. Als Grund nennt das Stuttgarter Unternehmen, das auch viele Stadtwerke beliefert, das "veränderte Marktumfeld in Folge des Ukraine-Kriegs". Dieses werde die Energiemärkte weiter prägen.

Demnach wandern die digitalen Geschäftsaktivitäten der GVS zum Mutterkonzern EnBW. Sie sollen in den dortigen Bereich Handel integriert und von dort aus zentral gesteuert werden.

VNG übernimmt klassischen Gasvertrieb

Das klassische Gasvertriebsgeschäft soll künftig VNG Handel & Vertrieb, die Vertriebsgesellschaft des Leipziger Gaskonzerns VNG, übernehmen. Das ostdeutsche Unternehmen ist eine mehrheitliche EnBW-Tochter.

Alle bestehenden Vertragsbeziehungen und Lieferverpflichtungen erfülle die GVS wie bisher, heißt es. Das Unternehmen bleibe als Ansprechpartner für Bestandsverträge weiterhin zur Verfügung.

Hoher Verlust nach Steuern im Jahr 2021

Die extremen Preisbewegungen infolge des Kriegs in der Ukraine hätten auch bei GVS Spuren hinterlassen, wird Geschäftsführer Michael Rimmler in der Mitteilung zitiert. "Bereits im vergangenen Jahr haben wir auf die veränderte Situation reagiert und erste Maßnahmen hinsichtlich unseres Vertriebsgeschäfts ergriffen. So haben wir beispielsweise unser Produktportfolio angepasst und unsere Vertriebsaktivitäten zeitweise stark reduziert."

Tatsächlich bekam die Vertriebsgesellschaft bereits 2021 die Folgen der heraufziehenden Energiekrise zu spüren. Laut Geschäftsbericht häufte GVS in besagtem Jahr einen Verlust nach Steuern in Höhe von 17,7 Mio. Euro an. Als Begründung nannte das Unternehmen einen voraussichtlichen Zahlungsausfall eines Kunden, der zu einer Wertberichtigung offener Forderungen im Rahmen des Jahresabschlusses geführt habe. Im Jahr 2020 hatte das Minus knapp eine Mio. Euro betragen.

1961 gegründet

Im Geschäftsjahr 2021 setzte GVS nach eigenen Angaben 50 TWh Gas und 13 TWh Strom ab. Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 lagen im Bundesanzeiger noch nicht vor.

GVS wurde 1961 von mehreren baden-württembergischen Städten und der Südwestdeutschen Ferngas AG gegründet. Damaliges Ziel war die flächendeckende Einführung von Erdgas in Baden-Württemberg. 2014 wurde das Unternehmen eine hundertprozentige Tochter des Karlsruher Energiekonzerns EnBW.

Fusionsgedanken mit Erdgas Südwest

Der zunehmenden Digitalisierung des Energiemarkts trug die GVS Rechnung, indem sie 2017 die Onlineplattform E-Point für Gas- und Stromgeschäfte einführte. Die Etablierung der Handelsplattform Tender 365 zusammen mit anderen Projektpartnern scheiterte angesichts mangelnder Liquidität und massiver Konkurrenz. Auch der Rechnungsbilanzkreis Bikpool wurde vor zwei Jahren eingestellt. Eine Fusion mit der mehrheitlichen EnBW-Tochter Erdgas Südwest realisierte sich nicht.

Laut Website beschäftigt die GVS 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was die Neustrukturierung für sie bedeutet, wird in der Presseaussendung nicht ausgeführt. (aba)

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