Unter dem Titel "Eine Frage der Perspektive – Unterschiedliche Blickwinkel auf die Herausforderungen der Transformation" diskutierte ein prominent besetzter Panel bei der VKU-Finanzierungskonferenz über die Finanzierung der Energiewende.

Unter dem Titel "Eine Frage der Perspektive – Unterschiedliche Blickwinkel auf die Herausforderungen der Transformation" diskutierte ein prominent besetzter Panel bei der VKU-Finanzierungskonferenz über die Finanzierung der Energiewende.

Bild: © Hoeren

In Magdeburg sind bereits rund ein Drittel der Haushalte an die Fernwärme angeschlossen. „Wir bauen das kontinuierlich aus und müssen dafür jedes Jahr das Drei- bis Vierfache der Innenfinanzierung aufwenden“, verdeutlichte Carsten Harkner, kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg und Vorsitzender des kaufmännischen Ausschusses im VKU bei der Finanzierungskonferenz des Verbands in Frankfurt am Main.

Die anstehenden Investitionen der Branche von mindestens 600 Mrd. Euro bis 2030 in die Energiewende überforderten die Finanzierungsfähigkeit der Branche. Bis diese Investitionen sich auszahlen und die Innenfinanzierungskraft stärken, brauche die Branche eine Unterstützung, um über diesen „Finanzierungshuckel“ zu kommen.

„Momentan sind wir überfordert“ verdeutlichte Harkner und warb erneut für einen Energiewendefonds, an dem sich nicht nur Bund, Länder und Kommunen, sondern auch der normale Bürger beteiligen können. „Wir gemeinsam müssen eine Lösung auskämpfen“, appellierte er.

Harkner: "Finanzieren ausschließlich mit normalen Darlehen"

Den Fernwärmeausbau und die großen Investitionen in Magdeburg habe man bisher allesamt mit „ganz normalen Darlehen“ finanziert. „Wir wären auch in der Lage, das anders hinzubekommen. Alles , was wir bisher an Alternativen geprüft haben, war aber deutlich teurer".

Man habe sich dabei vor allem auf langfristige Finanzierungen fokussiert. Hier sei es kontraproduktiv, wenn beispielsweise die Bundesnetzagentur das Unternehmen auffordere, Verträge mit langlaufenden Laufzeiten aus Gründen der Kostenoptimierung zu stornieren und die Finanzierung anders aufzustellen. „Wichtig ist, dass diejenigen die ein Auge auf uns haben, verstehen, warum wir gewisse Dinge so machen“, verdeutlichte Harkner.

Kastenschmidt: "Investor Relations gewinnt an Bedeutung"

Bankenkredite allein werden zur Finanzierung der künftigen Investitionsherausforderungen der Branche nicht reichen, zeigte Jan Kastenschmidt, Bankdirektor und Leiter Öffentliche Hand bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) überzeugt. Der Kapitalmarkt und das Thema Investor Relations würden künftig an Bedeutung gewinnen.

Die Bankbranche müsse sich Gedanken über das künftige richtige Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital machen. „Das muss sich parallel entwickeln“. Es gebe einige Kommunen, die die Zukunftsinvestitionen aus eigener Kraft stemmen könnten und das bereits auch täten.

„Es gibt aber auch Kommunen, die hierzu überhaupt nicht die haushaltsrechtliche Genehmigung bekommen werden“, so Kastenschmidt. Auch hier werde man kapitalmarktorientierte Produkte anbieten müssen, die wie ein „Eigenkapital-Ersatz“ funktionierten.

KfW macht wenig Hoffnung beim Thema "Eigenkapital-Ersatz"

Christian D. Schmidt von der Förderbank KfW machte hingegen wenig Hoffnung, dass der Bund eine Art Mezzanine-Kapital als Eigenkapital-Ersatz für kommunale Unternehmen zur Verfügung stellen könnte. Zuvor müssten erst einmal alle anderen in Frage kommenden Kapitalgeber nachgewiesen haben, warum sie an dieser Stelle nicht einspringen könnten.

Münster setzt beim Glasfaserausbau auf Kooperation mit Telekom

Wie man eine Großinvestition finanziert und gleichzeitig das Eigenkapital stärkt, zeigt die Kooperation der Stadt und der Stadtwerke Münster mit der Telekom beim Glasfaserausbau. In eine gemeinsame Projektgesellschaft hat die Telekom 30 Prozent des Kapitals eingebracht.

„Der Businesscase ist sehr konservativ. Die Stadtwerke haben die Verantwortung für die Infrastruktur, die Vertriebsrisiken liegen bei der Telekom“, verdeutlichte Münsters Kämmerin Christine Zeller. Die Renditeerwartung sei dabei zwar "nicht so hoch", dafür handle es sich aber um ein sicheres Geschäftsmodell.

Münsters Kämmerin: "Wir werden priorisieren müssen"

Die Stadt Münster investiert in den nächsten Jahren konzernweit zwischen 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro in die Transformation, davon entfallen allein bis zu 900 Mio. Euro auf die Stadtwerke Münster. „Auch in Münster werden wir priorisieren müssen und nicht alles auf einmal und parallel machen können“, so Zeller. Die Frage sei, wie man sich hier entsprechend konsolidiere. Die erforderliche Investitionssumme von bis zu 1,5 Mrd. Euro werde man aber finanzieren, versicherte die Kämmerin. (hoe)

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