Das Erneuerbaren-Unternehmen BayWa r.e. will sich künftig wieder stärker auf profitable Geschäftsfelder konzentrieren. Dazu gehört vor allem die Projektentwicklung bei Wind, Solar und Batteriespeichern, aber auch der Betrieb solcher Anlagen als unabhängiger Stromerzeuger. Auch der Handel und die Direktvermarktung bleiben bestehen, wie aus einer Mitteilung der BayWa-Tochter hervorgeht.
Dennoch sind wohl weitere Einsparungen nötig, um das angeschlagene Unternehmen wieder zu stabilisieren. "Erste Sofortmaßnahmen wie beispielsweise das Schließen der eigenen Softwareentwicklung sind umgesetzt, weitere sind wir bereits angegangen", lässt sich Felix Colsman, Chief Restructuring Officer von BayWa r.e., zitieren. Als Projektentwickler mit einem fokussierten IPP-Geschäft wolle das Unternehmen "gesundes und profitables Wachstum erzielen."
Höhere Bürgschaften
Die Erneuerbaren-Tochter war wie auch Mutterkonzern BayWa durch Kreditzinsen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Ein im Juli beauftragtes Sanierungsgutachten liegt nun im Erstentwurf vor. Die Zukunftsaussichten für das Erneuerbaren-Unternehmen sind demnach positiv und könnten mit gezielten Restrukturierungsmaßnahmen erreicht werden, wie Gutachter der Boston Consulting Group bescheinigen. Die Krisenursachen aus dem vergangenen Jahr sowie aus dem ersten Halbjahr 2024 seien "erkannt und adressiert".
Möglich ist die Rettung auch, weil Banken dem Unternehmen "zusätzliche Avallinien in Höhe von 125 Mio. Euro" zur Verfügung stellen. Die Kreditinstitute übernehmen also deutlich höhere Bürgschaften als bisher. Ein Minderheitsaktionär stellt zudem einen zusätzlichen Kredit in Höhe von 36 Mio. Euro bereit.
Projektverkäufe stehen an
Frisches Geld soll außerdem durch den Verkauf von Projekten reingespült werden. So erwartet BayWa r.e. in den kommenden Wochen zahlreiche Verkäufe, darunter Solarprojekte in den USA, Deutschland, Frankreich und Polen sowie Windprojekte in Österreich und Großbritannien. Der Großteil davon zum Jahresende.
"Insgesamt gehen wir im zweiten Halbjahr 2024 von einem Verkaufsvolumen im Bereich Projekte von über einem Gigawatt aus", lässt sich Matthias Taft, Vorstandsvorsitzender der BayWa r.e., zitieren. Damit solle die "stabile Positionierung" im Kerngeschäft der Entwicklung, der Umsetzung und dem Betrieb von Erneuerbaren-Projekten bekräftigt werden.
Konsequenzen bei BayWa
Beim Mutterkonzern BayWa hat die Finanzkrise derweil weitere personelle Konsequenzen. Vorstandschef Marcus Pöllinger muss seinen Posten zum Monatsende räumen. Finanzvorstand Andreas Helber wird zum 31. März nächsten Jahres ebenfalls ausscheiden. In beiden Fällen verläuft der Abschied laut Aufsichtsrat einvernehmlich.
Der Mischkonzern leidet unter einem Schuldenberg von mehr als fünf Milliarden Euro lang- und kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten. 2023 und auch in der ersten Jahreshälfte 2024 schrieb das Unternehmen zudem Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Grund für die finanziellen Schwierigkeiten soll ein zu aggresiver Expansionskurs unter dem ehemaligen Vorstandschef Klaus Josef Lutz sein. (jk mit dpa)



