Josef Hasler ist Vorstandsvorsitzender der Nürnberger N-ERGIE AG.

Josef Hasler ist Vorstandsvorsitzender der Nürnberger N-ERGIE AG.

Bild: © N-ERGIE

Die Corona-Pandemie hält die Energiewirtschaft weiter in Atem. Auch den Nürnberger Regionalversorger N-ERGIE. "Die Auswirkungen werden in allen Bereichen gravierend sein. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es für Prognosen oder Strategieänderungen noch viel zu früh", erklärte der Vorstandsvorsitzende Josef Hasler auf ZfK-Anfrage. Eine Umwälzung dieser Größenordnung innerhalb weniger Tage habe das Unternehmen noch nicht erlebt. "Das fordert uns alle heraus."

Der Energieversorger habe seinen bestehenden Pandemieplan erst im vergangenen Jahr konzernweit überarbeitet und dabei alle Prozesse nochmals intensiv beleuchtet und neu definiert. „Deshalb sehen wir uns sehr gut aufgestellt. Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert“, versicherte Hasler. Und dennoch stelle die Corona-Pandemie das Unternehmen vor große Herausforderungen. „Diese reichen von der Beschaffung von Schutzausrüstung bis zu den wirtschaftlichen Unwägbarkeiten."

Rollierendes Präsenzkonzept für Leitwarte

Der Pandemieplan sehe ein stufenweises Vorgehen bei verschiedenen Personalausfallquoten vor. Die für alle Mitarbeiter geltenden Hygienevorschriften wurden für die Leitwarten nochmals verschärft. Darüber hinaus habe man für sämtliche Schlüsselfunktionen, etwa in der Netzleitstelle, ein rollierendes Präsenzkonzept umgesetzt: "Jeweils die Hälfte der Mitarbeiter ist in der Leitstelle für eine Woche tätig und wird von der anderen Hälfte in der kommenden Woche abgelöst." Mit diesen Redundanzen gewinne man an Flexibilität, sollten einzelne Mitarbeiter ausfallen.

20 Jahre N-Ergie: Erfolgsgeschichte einer Fusion

Angesichts der aktuellen Herausforderungen rückt das Unternehmensjubiläum des Regionalversorgers eher in den Hintergrund. Am Montag (30. März) jährt sich die Gründung der N-ERGIE zum 20. Mal. Hervorgegangen ist sie aus der Fusion der EWAG Energie- und Wasserversorgung AG und der Fränkisches Überlandwerk AG (FÜW). Mit dem Zusammenschluss entstand einer der großen kommunalen Energieversorger in Deutschland.

Trotz der tiefgreifenden Umwälzungen der Energiewirtschaft seit der Liberalsierung konnte die N-ERGIE die Anzahl ihrer Beschäftigten mit heute rund 2600 annähernd konstant halten. Gemeinsam mit weiteren Stadtwerken kaufte sie 2009 die Thüga AG und „stärkte damit die kommunale Kraft in Deutschland“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Erneuerbaren-Portfolio umfasst über 100 MW

Ein Markenzeichen des Regionalversorgers ist sein Engagement für die regionale Energiewende. Aktuell umfasst das Erneuerbaren-Portfolio 33 Anlagen mit einer installierten Leistung von 100 Megawatt zur Erzeugung von erneuerbaren Energien aus Solarkraft, Windkraft und Biomasse. 

Kraft-Wärme-Kopplung ergänzt die Stromerzeugung aus der stark schwankenden Solar- und Windkraft. Mit der 2005 erfolgten Umrüstung des Heizkraftwerks in Nürnberg-Sandreuth von Steinkohle auf Erdgas 2005 wird die Umwelt um jährlich 140.000 Tonnen CO2 entlastet. Das angeschlossene Biomasse-Heizkraftwerk erzeugt seit 2012 Ökowärme.

Seit 2015 puffert ein hochmoderner Wärmespeicher die im Heizkraftwerk erzeugte Wärme und gibt sie zeitversetzt an die Fernwärmekunden ab. Auch die dezentralen Heizwerke, wie zum Beispiel in Klingenhof, ertüchtigt die N-ERGIE sukzessive und baut sie teilweise zu ganzjährig und hochflexibel einsetzbaren Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen um.

Ausbau der E-Mobilität hat Priorität

Ein weiterer Eckpfeiler einer erfolgreichen regionalen Energiewende liegt aus Sicht der N-ERGIE bei der Durchsetzung der Elektromobilität. Ihr Fuhrpark umfasst mehr als 100 Elektrofahrzeuge und als Gründungsmitglied des Ladeverbund+ baut sie gemeinsam mit rund 60 Stadt- und Gemeindewerken die Ladeinfrastruktur in Nordbayern und darüber hinaus intensiv aus. Aktuell können E-Mobilisten auf 520 Ladesäulen im Ladeverbund zugreifen. Im gemeinsam mit Partnern in Wendelstein erbauten Batteriespeicher geben gebrauchte Autobatterien den gespeicherten Strom dann wieder ab, wenn es die Stabilität des Stromnetzes erfordert.

So profitiert die Region

Die N-ERGIE investiert nicht nur in eine sichere Stromversorgung rund 100 Mio. Euro jährlich, sie bereichert auch mit ihrer Kinotour, ihrer neuen Crowdfunding-Plattform und als Sponsor das soziale, kulturelle und sportliche Leben in der Region. Annähernd 1000 Auszubildenden konnte sie in den vergangenen 20 Jahren eine berufliche Perspektive bieten. (hoe)

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