Die Klagen von Energieversorgern über unlautere und dubiose Anrufe in ihren Versorgungsgebieten nehmen zu. Jüngstes Beispiel: In einer großen Wohnbaugenossenschaft in Dresden wird ein älteres Ehepaar von einem Discounter kontaktiert.
„Der lokale Versorger Sachsenenergie setze die Strompreisbremse nicht um und sei zu viel zu teuer“, behauptet der offenbar relativ aggressive Anrufer. Er bietet einen neuen Stromvertrag für 64 Ct. pro kWh an. Der Kunde brauche nichts zu unternehmen und müsse am Telefon einfach nur Ja sagen, so die Ansage.
Die Vertragsbedingungen erhalte das Ehepaar nach Ablauf der Widerrufsfrist per Whatsapp geschickt und könne die Zustimmung dazu einfach über einen Click bestätigen. Zum Glück bekamen Angehörige der älteren Leute den Vorgang mit und konnten den Vertragsabschluss vereiteln.
Fast alle Stromkunden der Sachsenenergie zahlen unter 40 Cent pro kWh
Sachsenenergie hat den Vorfall zum Anlass genommen die Kunden vor Werbeanrufen zu warnen, bei denen Energieversorger mit deutlichen höheren Strompreisen einen Vertragsabschluss erzwingen wollen.
Dabei würden bewusst falsche Informationen verbreitet. Fast alle Haushaltskunden der Sachsenenergie und der Drewag zahlten aktuell einen Preis von unter 40 Cent, damit liege man unterhalb der Strompreisbremse.
Aus diesem Grund erhielten die Kunden keine gesonderte Information. Gleichzeitig wolle man dafür sensibilisieren, keine Verträge am Telefon abzuschließen. Komme es zum Gespräch, sollten keinerlei persönliche Daten am Telefon genannt werden. Grundsätzlich sollten Vertragsabschlüsse nicht am Telefon stattfinden.
enivaM und Mitgas: "Wettbewerb zieht wieder an"
Dass unsaubere Methoden im Energievertrieb wieder zunehmen, führt die ebenfalls in Sachsen tätigen Energieversorger enviaM und Mitgas auf den wieder anziehenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt zurück. Unserer Einschätzung nach steigt der Wettbewerb auf dem Energiemarkt wieder an. Vorfälle wie jüngst im Versorgungsgebiet der Sachsenenergie seien aber nicht zur Kenntnis gelangt.
EWE: "Kunden werden zum Teil durch falsche Versprechen in die Irre geführt"
„Im Vertrieb wird mittlerweile wieder mit harten Bandagen gekämpft, das erleben wir auch in unserem Versorgungsgebiet. Das erreicht mittlerweile zum Teil Ausmaße, wo Kunden durch Falschaussagen und falsche Versprechen in die Irre geführt werden“, ergänzt Oliver Bolay, Leiter Privatkundenvertrieb und Marketing bei EWE.
Hintergrund könnten dabei die gedeckelten Höhen für Neukundenboni sein, so dass einige Anbieter andere Argumente suchten, um Kunden abzuwerben. Diese sind während der Laufzeit der Preisbremsen auf 50 Euro pro Neuvertrag begrenzt.
Stadtwerke Trier: "Spezielle Mitbewerber sind mit aggressiven Angeboten zurück"
Ähnlich ist der Tenor bei den Stadtwerken Trier (SWT). "Spezielle, marktbekannte Mitbewerber, die in der Zeit der gestiegenen Preise von der Bildfläche verschwunden waren, sind wieder mit aggressiven Angeboten zurück", heißt es auf Nachfrage bei den SWT. Die Praktiken in der Kundenakquise ähnelten dabei denjenigen, die bereits vor der Energiekrise "leider marktüblich" gewesen seien.
Auf den gängigen Vergleichsportalen tauchten derzeit wieder viele temporär günstige Lockangebote anderer Anbieter auf. "Hier empfehlen wir den Kundinnen und Kunden, das Kleingedruckte zu lesen, da diese Preise meistens nur kurzzeitig garantiert werden", so ein SWT-Sprecher.
"Kunden sind stärker sensibilisiert für Preise als vor der Krise"
Insgesamt nehme man eine Tendenz wahr, dass Kunden stärker für wandelnde Preise sensibilisiert seien als vor der Krise. "Wenn jetzt der Einkaufspreis auf dem Großmarkt fällt, bekommen die Menschen das mit und es gehen zeitnah Anfragen bezüglich Preisanpassungen bei unserem Kundenservice ein. Das war vor der Krise nicht der Fall."
Auch die Stadtwerke Trier warnten ihre Kundinnen und Kunden gestern vor unseriösen Energie-Angeboten am Telefon. Den Kundenservice der SWT erreichten derzeit wieder vermehrt Anfragen besorgter Kunden. Diese berichteten von entsprechenden Anrufen, bei denen der Anrufer gezielt Vertragsdaten zu Energieverträgen abfragt.
Gezielte Anfragen bei Kunden nach Zählernummer
Neben Anrufern, die sich entweder als Mitarbeiter der Stadtwerke oder der Bundesnetzagentur ausgeben, gebe es auch diejenigen, die sich als Vertreter eines anderen Anbieters zu erkennen geben und gezielt nach der Zählernummer fragten. Sobald die Zählernummer genannt wurde, legten die Anrufer auf und stießen ohne das Einverständnis der Kunden einen Lieferantenwechsel an. (hoe)



