Es sind schwere Zeiten für deutsche Strom- und Gasanbieter.

Es sind schwere Zeiten für deutsche Strom- und Gasanbieter.

Bild: © American Public Power Association/Unsplash

Neuer Wirbel um Stromanbieter Immergrün. Offenbar hat die Discountermarke am Wochenende in mehreren Kundenmitteilungen deutlich höhere Abschlagszahlungen angekündigt.

Der ZfK liegen zwei Schreiben vor. Eines wurde vom Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" zugespielt, eines direkt von einem Kunden.

Gaspreise "über 500 Prozent" gestiegen

Demnach argumentiert Immergrün mit den stark gestiegenen Preisen für fossile Energieträger im Allgemeinen und der Verteuerung des Gaspreises auf dem Spotmarkt um "über 500 Prozent" im Besonderen.

"Da das Gas so teuer ist, verteuert sich automatisch der damit erzeugte Strom, sodass wir derzeit auch über 450 Prozent verteuerte Strompreise sehen", heißt es.

Verweis auf Energieeinkauf

Vor diesem Hintergrund seien die in den vergangenen Monaten geleisteten monatlichen Zahlungen nicht ausreichend, um den Energieeinkauf sicherzustellen, der für den betroffenen Kunden nötig sei.

"Üblicherweise sind die im Jahresmittel von allen Kunden geleisteten monatlichen Zahlungen ausreichend, ihren in der Winterperiode gegenüber den Sommermonaten deutlich erhöhten Energieverbrauch abzudecken", schreibt Immergrün. "In der jetzigen Situation trifft dies für die Belieferung an Ihrem Zählpunkt jedoch nicht zu."

Immergrün-Vermeidungsmasche

Dies führe dazu, "dass sich kurzfristig Ihre monatlichen Zahlbeträge erhöhen müssen, um am Ende der verbrauchsintensiven Saison eine möglicherweise für Sie sehr unwillkommene Nachzahlung zu vermeiden", heißt es weiter.

In beiden Schreiben vermeidet es Immergrün, die Erhöhung in absoluten Zahlen oder Prozentpunkten anzugeben. Stattdessen steht nur der neu zu entrichtende Betrag. Im Falle des von der ZfK kontaktierten Kunden wird der monatlich fällige Abschlag von 136 auf 278 Euro mehr als verdoppelt. Dem liegt ein zu erwartender Verbrauch von 6510 kWh pro Jahr zu Grunde. Der neue Abschlag soll vom 1. November an gültig sein.

"Rechtlich mindestens zweifelhaft"

Auf "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" gaben 290 Nutzer an, Abschlagserhöhungen von mehr als 30 Prozent erhalten zu haben, teilt Portalbetreiber Matthias Moeschler mit. Er fürchtet, dass noch deutlich mehr Kunden betroffen sind.

Holger Schneidewindt, Jurist für Energiefragen bei der Verbraucherzentrale NRW, hält die Immergrün-Erhöhungen für "intransparent, rechtlich mindestens zweifelhaft und wahrscheinlich unzulässig." Nur wer vorher juristisch saubere Preiserhöhungen angekündigt habe, könne unterjährig Abschläge erhöhen.

Im Visier von Verbraucherschützern

Immergrün ließ eine ZfK-Anfrage unbeantwortet. Das Unternehmen war in der Vergangenheit immer wieder ins Visier von Verbraucherschützern geraten. Erst vor wenigen Wochen hatte es mehreren Stromkunden kurzfristig gekündigt. (Die ZfK berichtete.)

Für jüngste Preiserhöhungen wurde der Anbieter zudem von der Verbraucherzentrale NRW abgemahnt.

Letzte Geschäftszahlen von 2018

Immergrün ist eine Marke der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft. Aktuelle Geschäftszahlen zu diesem Unternehmen liegen nicht vor.

Die letzten im Bundesanzeiger einsehbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2018. Damals hieß das Unternehmen noch 365 AG. Das Eigenkapital betrug knapp 4,8 Mio. Euro (Umsatz: 311 Mio. Euro). Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 90 Mio. Euro, der Jahresüberschuss lag bei 720.000 Euro. (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper