Jan Kastenschmidt ist Bankdirektor und Leiter Öffentliche Hand bei der Helaba.

Jan Kastenschmidt ist Bankdirektor und Leiter Öffentliche Hand bei der Helaba.

Bild: © Helaba

Herr Kastenschmidt, die kommunale Energiewirtschaft steht vor immensen Investitionsherausforderungen durch die Energiewende. Reicht der bestehende konventionelle Finanzierungsmix der Banken da künftig noch aus?
Jan Kastenschmidt: Die Investitionsherausforderungen sind der Tat gewaltig. Der VKU fordert allein für die erforderlichen Investitionen in die Wärmewende Fördermittel in einem Umfang von jährlich drei Mrd. Euro. Ich denke, dass wir angesichts dieses Szenarios das Finanzierungsinstrumentarium weiterentwickeln müssen. Der klassische Investitionskredit, häufig unter Einbindung der Kredtitanstalt für Wiederaufbau oder der Landesförderinstitute, bleibt ein probates Mittel, nicht zuletzt, weil er wenig komplex und sehr zinsgünstig ist.

An was für Produkte denken Sie konkret, wenn Sie von einer Weiterentwicklung sprechen?
Wir denken beispielsweise an eine noch stärkere Einbindung des Kapitalmarkts, etwa über Anleihen oder Schuldscheindarlehen. Dabei müssen wir das Thema Nachhaltigkeit effizient und nachvollziehbar für den Kunden und auch für uns in die Abwicklung integrieren. Diese Aufgabe weist die EU-Taxonomie über die sogenannte Green Asset Ratio letztlich uns Banken zu. Mit der Green Asset Ratio müssen wir künftig den Anteil des nachhaltigen Geschäfts an unserer Bilanzsumme ausweisen.

Wir müssen nicht alles auf die eigene Bilanz nehmen, auch weil es im Zweifel gar nicht richtig für den Kunden ist.

Die Marktbereiche der Helaba haben sich dafür gemeinsam ambitionierte Ziele gesetzt: Den Anteil unseres nachhaltigen Geschäftsvolumens im Bestand wollen wir bis 2025 auf 50 Prozent steigern und sind dabei schon gut vorangekommen. Die Helaba veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht, diese Verpflichtung haben künftig auch die meisten Stadtwerke.

Genau das wollen wir zusammenbringen. Ich denke produktmäßig ist vieles bereits im Markt, wir werden jetzt nicht ganz neue Produkte entwerfen müssen. Allerdings dürfte es innerhalb der bestehenden Produkte neue und innovative Ausgestaltungen geben. Wir wollen unsere Kunden umfassend beraten und begleiten. Das heißt aber nicht, dass wir alles auf die eigene Bilanz nehmen müssen, auch weil es im Zweifel gar nicht richtig für den Kunden ist.

Das müssen Sie ein bisschen genauer erklären.
Letztlich geht es bei der Energiewende um eine Vielzahl von sprungfixen Investitionen, die über einen gewissen Zeitraum die Fixkosten der Stadtwerke stark ansteigen lassen. Wenn das Stadtwerk diese Investitionen einzig aus Fremdkapital finanziert, steigt die Fremdkapitalquote in der Bilanz und das hat mintunter negative Effekte auf das Kundenrating. Im Idealfall wächst das Eigenkapital parallel zum Fremdkapital, sodass die Quote in etwa gleich bleibt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses Gleichgewicht zu wahren.

Neben der herkömmlichen Kreditfinanzierung ist auch die Projektfinanzierung eine Option.

Welche sind das?
Neben dem Investitionskredit gibt es bei insgesamt größer werdenden Investitionsvolumina die Möglichkeit, den Gläubigerkreis zu verbreitern. Das kann ein Stadtwerk tun, indem es mehr Banken anspricht oder indem es über die Hausbank den Kapitalmarkt einbindet - etwa über Schuldscheindarlehen oder eine Anleihe. Neben der herkömmlichen Kreditfinanzierung beim eigentlichen kommunalen Unternehmen ist auch die Projektfinanzierung eine Option, um das Eigenkapital zu steuern.

Die strukturierte Finanzierung eines Projekts erfolgt dabei in einer für diesen Zweck gegründeten, wirtschaftlich und in der Regel rechtlich selbständigen Projektgesellschaft. Es gibt zudem verschiedene Möglichkeiten das Eigenkapital zu stärken. Der gängige Weg ist eine zusätzliche Kapitaleinlage des Gesellschafters. Darüber hinaus bestehen Alternativen über ein Joint-Venture oder über Ersatzprodukte wie Mezzanine-Kapital. 

Genau für solche eigenkapitalersetzende Mittel in größerem Umfang machen sich ja die Stadtwerke stark und hoffen auf eine entsprechende Hebelwirkung auch für das Fremdkapital.
Das muss man immer sehr individuell betrachten. Die Stadtwerkelandschaft ist eher heterogen, die lokalen Gegebenheiten vor Ort sind unterschiedlich. Das fängt beim Energiemix an. Klar ist aber auch: Eigenkapital bedeutet für einen Investor, in den Nachrang zu gehen. Das heißt, alle anderen Gläubiger werden im Zweifelsfall vor dem Eigenkapitalgeber bedient. Außerdem hat man kein Mitspracherecht.

Da befinden wir uns in einer ganz anderen Risiko-Investmentklasse. Dafür benötigt man eine entsprechende Investorenschaft. Viele Stadtwerke kommen aus einer äußerst zinsgünstigen Refinanzierungssituation. Der Wechsel zu einer mit Nachrangkapital strukturierten Eigenkapitalunterlegung, ist eine fundamentale Veränderung. Investoren, die dieses Eigenkapital zur Verfügung stellen sind zinsgetrieben. Gleichwohl kann es ein probates Instrument als Beimischung zur Finanzierung der großen Investitionsvolumina darstellen.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Mehr Zitate aus dem Interview mit Jan Kastenschmidt und einen Themenschwerpunkt zu den Finanzierungsherausforderungen rund um die Energiewende finden Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK, die heute erschienen ist. Zum Abo geht es hier.

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