Mit den steigenden Erdgaspreisen steigt das Interesse an Biomethan zunehmend.

Mit den steigenden Erdgaspreisen steigt das Interesse an Biomethan zunehmend.

Bild: © Torsten Proß/Jeibmann Photografik

Biomethan bleibt im Verhältnis zum gesamten Gasmarkt ein Nischenprodukt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur machte diese Ressource mit 16 Terawattstunden im Jahr 2025 etwa zwei Prozent des gesamten Gasverbrauchs aus. Mit Blick auf die nationalen und europäischen Klimaschutzziele bleibt dieser Wert deutlich hinter den Zielsetzungen zurück.

Biomethan wieder attraktiver

Derzeit sorgen globale energiepolitische Entwicklungen für vorsichtigen Optimismus in der Biomethanbranche. Steigende Volatilität und ein insgesamt höheres Preisniveau könnten die nötigen Impulse für die grüne Alternative zum Erdgas setzen.

Biomethan stammt zum größten Teil aus landwirtschaftlich erzeugtem Biogas auf Basis von Energiepflanzen beziehungsweise nachwachsenden Rohstoffen (NAWARO). Abfälle und Reststoffe spielen noch eine untergeordnete Rolle, gewinnen aber zunehmend an Bedeutung, sagte Vera Schürmann, Geschäftsführerin von Green Navigation, im Gespräch mit der ZFK.

Diese Ressource könnte somit die Importabhängigkeit senken und zugleich den fossilen Anteil reduzieren. "Insbesondere für den Kraftstoffbereich – Stichwort THG-Quote – gibt es einen klaren Trend, den Anteil von Abfall- und Reststoff-basierten Substraten zu erhöhen", sagte sie.

Bereits jetzt seien diese Trends sichtbar, so Schürmann. "In der Verstromung nach EEG war die Nachfrageentwicklung aufgrund der rückläufigen Anzahl an Biomethan-BHKW eher verhalten. Allerdings zeichnet sich in diesem Bereich eine Veränderung ab: Die gestiegenen Gaspreise leiten eine Trendwende ein", sagte sie.

Das sorge für vorsichtigen Optimismus. Für BHKW-Betreiber werde es offenbar wirtschaftlich attraktiver, bestehende Erdgas-BHKW wieder auf Biomethan-Betrieb umzustellen.

Der Kostenfaktor

Der geringe Marktanteil von Biomethan im Gasmarkt lässt sich auf eine Reihe von Faktoren zurückführen. Einer der zentralen Faktoren ist dabei der höhere Preis.

"Der Preis liegt deutlich über Erdgas, mit einem Aufschlag von mindestens 3–4 Cent/kWh und ist abhängig von Qualität und Einsatzbereich", so Schürmann. Die Zahlungsbereitschaft für diesen Aufpreis komme dabei hauptsächlich aus regulatorisch getriebenen Anwendungen.

Bei der Nutzung von Biomethan rechnet sich der Aufpreis durch die EEG-Vergütung des produzierten Stroms und durch den Mehrwert "grüner" Wärme.

Im Endkundenmarkt spielt es derzeit nur eine untergeordnete Rolle und bedient überwiegend einzelne Nischen.

Thomas Beschoner, Vertriebsleiter bei der Energie- und Wasserversorgung Bünde

"Im Endkundenmarkt spielt es derzeit nur eine untergeordnete Rolle und bedient überwiegend einzelne Nischen", fügt Thomas Beschoner, Vertriebsleiter bei der Energie- und Wasserversorgung Bünde, hinzu. Ein breites Marktumfeld mit einer Vielzahl von Anbietern existiere bislang nicht. Preislich lägen die Tarife in der Regel bis zu 70 Prozent über den Kosten für fossiles Erdgas – "abhängig von Tarif, Beimischungsquote und der gewünschten Biogasqualität".

Der Imageschaden

Im Mai 2023 sorgte ein Insolvenzantrag für ein regelrechtes Beben in der Biomethanbranche. Von der Pleite eines Marktführers, BMP Greengas, waren mitten in der Energiekrise auf der Anbieter- und Abnehmerseite gut 100 Stadtwerke betroffen. Der geschätzte Schaden lag im dreistelligen Millionenbereich. Neben den wirtschaftlichen Folgen kamen auch Auswirkungen auf das Image von Biomethan hinzu.

Zahlreiche Stadtwerke sprachen von einem Vertrauensverlust in diese Energiequelle, der auch zu signifikanten Veränderungen ihrer Beschaffungsstrategie führte. Auch die Rettung des Unternehmens durch EnBW und die anschließende Integration bei VNG wurde nicht überall wohlwollend aufgenommen.

Im August 2024 folgte dann die Insolvenz eines weiteren Biomethanhändlers, Landwärme, und sorgte für Unruhe in der Branche. "Das Vertrauen in den Markt und die Politik hat insbesondere bei Stadtwerken und Investoren in den letzten Jahren deutlich gelitten", sagte Beschoner. Insolvenzen würden kaum zur Stabilisierung oder zu einem Aufbruch beitragen. Positiv sei jedoch, dass diese Herausforderungen "beim Endkunden weitgehend unbemerkt geblieben sind und innerhalb der Energiewirtschaft aufgefangen wurden".

Vera Schürmann: "Das Bedürfnis nach einem stärkeren Austausch innerhalb der Branche wächst".Bild: @ Green Navigation

Die Insolvenzen haben den Biomethanmarkt nachhaltig beeinflusst, auch wenn die direkten Effekte teilweise abgeklungen sind.

Vera Schürmann

Green Navigation

Folgen für die Branche

"Die Insolvenzen haben den Biomethanmarkt nachhaltig beeinflusst, auch wenn die direkten Effekte teilweise abgeklungen sind", sagte Schürmann. Die Märkte und ihre Marktrollen seien dabei neu sortiert worden. "Produzenten vermarkten ihre Mengen größtenteils direkt an Verwender". Der Handel als Zwischenschritt werde oftmals übersprungen. Die Biomethan-Wertschöpfungskette wurde diversifiziert, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

Eine weitere Folge der Insolvenzen: Insgesamt seien die Marktakteure vorsichtiger geworden, und Themen wie Risikomanagement, Vertragsgestaltung und Partnerauswahl hätten an Bedeutung gewonnen, führt sie weiter aus.

Die Regulatorik

Der regulatorische Rahmen für Biomethan in Deutschland zeichnet sich derzeit durch eine starke Fragmentierung aus und ist politisch geprägt, kritisiert Schürmann. "Eine zentrale Rolle spielt dabei die THG-Quote im Verkehrssektor, die die Nachfrage wesentlich antreibt, während das EEG deutlich an Bedeutung verloren hat."

Die bestehende Biomethanproduktion sei weiterhin stark auf Nawaro-Substrate ausgerichtet, wobei in den vergangenen Jahren insbesondere die Reduktion von THG-Emissionen im Fokus stand – weniger die Förderung erneuerbarer Energien als Ganzes, führte sie aus.

"Ohne verlässliche Preis- und Absatzsicherheit wird es kaum Kapitalgeber geben, die bereit sind, in neue Produktionskapazitäten zu investieren", sagte Schürmann.

Die Entwicklung von Biomethan werde durch ein Bündel von Hemmnissen sowie einen komplexen Rahmen aus politischen, regulatorischen und marktbezogenen Unsicherheiten begrenzt, fasst Beschoner zusammen. Eine sich ständig ändernde Förderlandschaft, Marktunsicherheiten sowie Vertrauensprobleme – wie die Insolvenzen der letzten Zeit – würden die Etablierung von Biomethan im Wärmesektor erschweren. "Biomethan befindet sich in einer Zwickmühle aus Kosten, Regulierung und verfügbaren Ressourcen", so seine Einschätzung.

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