Von Pauline Faust
Ein mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestatteter Roboterhund unterstützt künftig die Belegschaft des Energiewerks der Energieversorgung Offenbach (EVO). Das Gerät verfügt über Kameras und Sensoren, mit denen es Risiken erkennen, Daten aller Art überwachen, Messinstrumente ablesen kann.
Nach Worten des EVO-Vorstandsvorsitzenden Christoph Meier hat der "Energy-Dog" bei einem Test im vergangenen Jahr bewiesen, dass er "mit seinen Fähigkeiten die Sicherheit komplexer Anlagen wie in unserem Energiewerk erhöhen kann – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit".
Besonders bemerkenswert sei, dass der Roboterhund nach nur 90 Minuten Training selbständig seine Runden durch das Kraftwerk drehen konnte – auch über Treppen. "Unsere KI hat jetzt vier Beine", sagte der EVO-Vorstandschef bei der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens.
Die KI erkennt Leckagen, Ventilstellungen oder Brände. Das Gerät des Herstellers "BostonDynamics“ kann zudem Füllstände bewerten und Gaskonzentrationen analysieren. "Damit erhöht der Energy-Dog unsere Betriebssicherheit", führte der Vorstandsvorsitzende aus. Aller Voraussicht nach wird der neue Helfer bereits im März seinen Dienst dauerhaft aufnehmen.
Vielseitige Anwendung von KI
Auch in anderer Hinsicht setzt der Regionalversorger verstärkt auf KI: So hat die EVO Ende des Jahres 2024 ein digitales Portal für die Elektro-Installationstechnik eingeführt, über das Installateure etwa Anfragen und Anmeldungen für Wallboxen, Wärmepumpen und PV-Anlagen stellen können. Anfragen können dort auch für Klimageräte oder Speichergeräte gestellt werden.
"Die KI prüft Anträge auf Vollständigkeit." EVO-Vorstand Meier
"Die KI prüft die Anträge auf Vollständigkeit und stellt die Unterlagen zur weiteren Bearbeitung zusammen", berichtete Meier.
Mittlerweile haben ihm zufolge mehr als 260 Beschäftigte der EVO Zugang zu ChatGPT und Co-Pilot; Verknüpfungen mit Outlook, Word, Excel und Powerpoint seien vorhanden und würden erprobt. Bereits jetzt sorgt laut Meier die KI dafür, dass digitale Post automatisiert in die Postfächer der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeleitet wird.
Die EVO-Archive, etwa mit den Protokollen und Beschlüssen der Sitzungen von Aufsichtsrat und Vorstand, seien digitalisiert und könnten mit einer Volltext-Funktion auf gewünschte Themen durchsucht werden.
Zahlen sorgen für Zufriedenheit
Mit dem Geschäftsergebnis des Jahres 2024 zeigte sich der EVO-Vorstandsvorsitzende zufrieden: "Es war ein gutes und erfolgreiches Jahr." Der Jahresüberschuss beträgt 27 Millionen Euro. Dieser Wert liegt über dem Vorjahreswert von 25,8 Millionen Euro.
Das bessere Ergebnis resultiere vor allem aus zwei Faktoren: Zum einen aus dem guten Ergebnis aus dem Windgeschäft, zum anderen aus höheren Stromnetzentgelten aufgrund der hohen Investitionen der EVO in das Stromnetz. Dem gegenüber stünden deutlich geringere Margen im Vertrieb; etwa im Stromgeschäft aufgrund starker Konkurrenz auf den Märkten. Für die nächsten Jahre rechnet der EVO-Vorstandschef mit sinkenden Ergebnissen, resultierend aus den absehbar geringeren Beiträgen aus dem Windgeschäft.
Das Eigenkapital ist abermals leicht von 193,9 Millionen Euro auf 200,7 Millionen Euro gestiegen.
Investitionen auf Hochspannung
Das Investitionsvolumen belief sich auf 38,3 Millionen Euro (Vorjahr 26,9 Millionen Euro). Unter anderem wird das Hochspannungs-Stromnetz massiv verstärkt – die Kapazität soll um den Faktor fünf erhöht werden.
Auch die nächsten Geschäftsjahre werden laut EVO-Technikvorstand Günther Weiß von anspruchsvollen Aufgaben geprägt sein. Schon in diesem April begännen die Arbeiten am nächsten Großprojekt: Das "Alte Kraftwerk" an der Andréstraße wird abgerissen – es soll Platz machen für eine moderne Energiezentrale.



