Stephan Segbers wechselt zum 1. Oktober von der Eon-Tochter Essent in den Vorstand der Rheinenergie.

Stephan Segbers wechselt zum 1. Oktober von der Eon-Tochter Essent in den Vorstand der Rheinenergie.

Bild: © Rheinenergie

Von Hans-Peter Hoeren

Viele Stadtwerke stehen in den nächsten Jahren vor der Herausforderung, relativ zeitnah eine Nachfolgelösung für das auslaufende Abrechnungssystem SAP IS-U zu finden. Das wird durch die aktuell teils sehr langen Lieferfristen respektive eingeschränkte Ressourcen im IT-Bereich erschwert. Zudem überlegen durchaus einige Versorger, nicht auf die SAP-Nachfolgelösung HANA zu migrieren. Hier will eine enge Kooperation der Rheinenergie und des IT-Unternehmens Schleupen künftig eine Branchenlösung als zusätzliche Alternative in den Markt bringen. In der Überlegung ist auch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens dazu.

Die beiden Unternehmen arbeiten seit einem Jahr gemeinsam mit den Lösungen Salesforce und Schleupen CS im Rahmen einer Partnerschaft an einer neuen Kundenbetreuungs- und Abrechnungsplattform und sind nach eigenen Angaben hier sehr gut im Zeitplan. "Nach nur einem Jahr werden wir Ende Februar bereits die Stromverträge der Neukunden darüber abrechnen können", sagt Rheinenergie-Vertriebsvorstand Stephan Segbers. Im Lauf des Jahres sollen die Neukunden im Gasbereich folgen, bis Ende 2026 sollen alle Bestandskunden in das System migriert werden.

"Kein Big-Bang-Rollout"

"Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Bereich Lieferfähigkeit im Markt finden wir dieses Ergebnis bemerkenswert, dass nach einem Jahr Entwicklungszeit dieses komplexe Produkt schon so gut funktioniert. Dieses Momentum wollen wir nutzen", erklärt Segbers. Durch die Kooperation mit Schleupen und der beabsichtigten Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens wolle man auch ein Signal in den Markt geben und der Branche durch mehr Wettbewerb neue Perspektiven aufzeigen.

Man hoffe hier in Kürze auf eine positive Entscheidung des Bundeskartellamts, so dass das neue Angebot in Kürze auf der Branchenmesse E-World im Februar vorgestellt werden könne.

Geplant sei kein "Big-Bang-Rollout", man werde vielmehr sukzessive die jeweiligen Features einführen, so Segbers. Im ersten Schritt gehe es um ein Modul für das B2C Kundensegment. Die Rheinenergie bringe ihr Prozess-Know-How und die Kompetenzen im Endkundengeschäft, Schleupen seine Kompetenzen als Systemhaus ein und integriere Salesforce mit dem Ziel einer hohen Automatisierungsquote und Nutzung von KI-Komponenten.

Für Ideen von anderen Energieversorgern bei der Weiterentwicklung der Lösung zeigt man sich dabei offen. "Die Branche muss generell offener und partnerfähiger werden und mehr in Ökosystemen denken. Das gilt auch für dieses Produkt", so Segbers. Die Plattform sei dabei ganz klar auf Versorgungsunternehmen einer gewissen Größe und Kundenzahl ausgerichtet.

Ziel sei es, einen aktuell "eher oligopolistischen Markt noch breiter zu machen" mit einer Lösung aus dem "energiewirtschaftlichen Mittelstand". Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung der Plattform seien vor allem ein konsistentes Projektmanagement, ein sehr enger Austausch und eine sehr enge Verzahnung der Kooperationspartner gewesen. Grundlage hierfür sei im ersten Schritt die klare Erarbeitung der geforderten Spezifikationen der neuen Plattform durch die Rheinenergie in Form eines eigenen, umfassenden Prozessmodells gewesen.

Die Rheinenergie erhofft sich von der neuen Plattform insbesondere eine Stärkung des Dienstleistungsangebots und der Servicequalität. Die Lösung bietet zahlreiche neue Funktionalitäten, etwa eine sprachbasierte, KI-gestützte Bearbeitung der eingehenden Kundenanrufe oder die Option, das Auslesen von Kundenanschreiben stärker zu automatisieren. "Wir werden dadurch künftig noch deutlich besser darin werden, die Bedürfnisse des Kunden zu verstehen und auch gezielte Kampagnen über das System zu fahren", verdeutlicht Segbers. Auch die Customer Journey werde deutlich optimiert.

"Diese Lösung ist für uns ein Quantensprung. Wir werden viel schneller und flexibler bei der Bepreisung von Produkten und versprechen uns davon hohe Effizienzgewinne."

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