Der Biomethanversorger Landwärme hat bei dem Amtsgericht Berlin einen Insolvenzantrag gestellt. Gemeinsam mit seiner Muttergesellschaft LW Capital hat das Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet, teilte Landwärme mit.
Die anderen Konzerngesellschaften der Landwärme-Gruppe oder deren Beteiligungen seien von dem eingeleiteten Verfahren nicht betroffen.
THG-Quotenvermarktung bringt Landwärme in Schwierigkeiten
Das Geschäft von Landwärme fußt auf zwei zentralen Geschäftsbereichen. Zum einen ist es der Handel mit Biomethan, sowohl als Gas als auch als verflüssigtes Gas, LNG. Das Biomethangeschäft hat laut Landwärme weiterhin Aussicht auf Wachstum. Das Unternehmen konnte sich auch in der Krisenzeit behaupten. Zuletzt bemühte sich Landwärme sogar um die Übernahme des insolventen Mitbewerbers BMP Greengas. Das Unternehmen wurde jedoch schließlich von dem Konzern EnBW übernommen und konzernintern bei VNG integriert.
Der zweite große Geschäftsbereich, in dem Landwärme zu den Marktführern gehört, ist die Vermarktung von Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quote). Eben dieser Bereich hat das Unternehmen nun nach eigenen Angaben in eine schwierige finanzielle Lage gebracht. Der seit Anfang 2023 andauernde anhaltende Preisverfall dieser THG-Quoten machte Landwärme zum Sanierungsfall.
Bundesagentur für Arbeit sichert Gehälter
Während des Verfahrens setze das Unternehmen seine Arbeit an den beiden Standorten München und Berlin fort. Die Gehälter der insgesamt 140 Landwärme-Mitarbeitenden seien über die Bundesagentur für Arbeit gesichert.
Aufgrund der Eigenverwaltung des Sanierungsverfahrens bleibe die unternehmerische Verantwortung in den Händen von Geschäftsführer Zoltan Elek, der gemeinsam mit der für die Dauer des Verfahrens eingesetzten Sanierungsgeschäftsführerin Anna Katharina Wilke die Neuaufstellung selbst steuert. "Herr Elek bleibt Geschäftsführer von Landwärme", stellte eine Unternehmenssprecherin auf ZfK-Anfrage klar. Zusätzlich unterstützt Lucas F. Flöther als Generalbevollmächtigter den nun beginnenden Sanierungsprozess.
In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht Berlin zudem einen Sachwalter ein. Dieser überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Gordon Geiser von der Kanzlei GT Restructuring bestellt.
"Optimierung von Vertragsstrukturen" steht an
"Landwärme wird das Eigenverwaltungsverfahren nutzen, um sich zügig wieder zukunftsfähig aufzustellen", betonte Elek. Geplant sei unter anderem eine Optimierung der Vertragsstrukturen. Dazu zählt Landwärme nach eigenen Angaben sowohl die Beendigung als auch die Modifizierung von nachteiligen Verträgen, um die Vertragsstrukturen den aktuellen Marktbedingungen anzupassen. Das Ziel sei es, Geschäftsbeziehungen mit der überwiegenden Mehrzahl der Geschäftspartner fortzuführen
Für das geplante Wachstum sei Landwärme bereits auf der Suche nach einem finanzstarken Partner. Ob es sich dabei um eine komplette Übernahme oder einen Einstieg handelt, wollte die Unternehmenssprecherin auf ZfK-Anfrage zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht kommentieren.
Kritik an Politik
Aus Sicht des Unternehmens wurde der Preisverfall für THG-Quoten durch falsch deklarierten Biodiesel und zahlreiche andere mutmaßliche Betrugsfälle bei "Upstream-Emission-Reduction-Projekten" (UER-Projekten) verursacht.
"Möglich wurde der Betrug mit den UER-Nachweisen nicht zuletzt, weil die zuständigen Behörden: Umweltbundesamt, Deutsche Emissionshandelsstelle unter der Aufsicht des Bundesumweltministeriums die Betrugsfälle über Monate selbst nach dem öffentlichen Bekanntwerden weder geprüft, verfolgt noch sanktioniert haben", so die Kritik von Landwärme. Auch das Aufarbeiten der mutmaßlichen Betrugsfälle durch die Politik und Behörden gehe seit dem Bekanntwerden nur schleppend voran.
"Mir ist wichtig zu betonen, dass dieses Verfahren vermeidbar gewesen wäre, hätten Politik und Behörden die mutmaßlichen Betrugsfälle bei Biodiesel und UER-Projekten konsequenter verfolgt und bekämpft", sagte Landwärme-Geschäftsführer Zoltan Elek. Ob dies die alleinige Ursache ür die Insolvenz ist, wird vermutlich im Laufe des Verfahrens deutlich. Einen zeitlichen Rahmen für die Sanierung in Eigenregie hat Landwärme nicht genannt, nur so viel: "Die Landwärme GmbH beabsichtigt, die Sanierung schnellstmöglich abzuschließen und das Verfahren alsbald gestärkt beenden zu können". (am)
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