Von Pauline Faust
Die hohen Volatilitäten der Commoditymärkte waren 2024 das prägende Thema für die Gasag. Besonders betroffen war der Bereich Gastransport und -vertrieb im ersten Halbjahr – bedingt durch einen Preisverfall von 46 auf 34 Euro je MWh binnen eines Monats. Das Berliner Unternehmen macht weiterhin den Großteil seines Umsatzes mit dem Gasvertrieb.
"Wir haben extrem viel Aufwand betrieben, um die Mengensteuerung und Beschaffung resilient zu machen und zu optimieren", erklärt Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens.
Der Absatz beim Gas sank in den vergangenen Jahren um 5 Prozent auf 13,6 Twh, dies beeinflusste laut Gasag vor allem die milde Witterung. Auch beim Strom gingen die Mengen 2024 zurück, um 17 Prozent auf 965 Gwh. Trotzdem sieht die Gasag sich im Vertrieb auf einem guten Weg: Nach einer Phase des Stillstands im Energievertrieb sei sie nun wieder in der Kundenakquise eingestiegen, berichtet Vertriebsvorstand Matthias Trunk. Besonders beim Strom will sie wachsen.
Trotz der anspruchsvollen Marktbedingungen erzielte die Gasag-Gruppe im vergangenem Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 58 Millionen Euro. Der Umsatz sank infolge milder Witterung, geringerer Verbräuche und eines gesunkenen Preisniveaus um 29 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro.
Die Gasag-Gruppe erhöhte ihre Investitionen 2024 um 17 Prozent auf 133 Millionen Euro. Rund 75 Prozent der Mittel flossen 2024 in CO2-reduzirende Projekte – darunter grüne Wärmelösungen, Quartierskonzepte, erneuerbare Erzeugung und Infrastruktur für grünen Wasserstoff. In den kommenden Jahren plant die Gasag, ihre jährlichen Investitionen zu verdoppeln.
Gasspeicherstandsvorgabe: Markt hat sich etwas normalisiert
Politisch erwartet Vorstandsvorsitzender Friedrichs unter der neuen Bundesregierung keine großen Veränderungen. Die jüngste Erleichterung bei der Füllstandsvorgabe für Gasspeicher wird bei der Gasag begrüßt. Die Gasag habe vor zwei Wochen einen Speicher angemietet. "Wir hätten das gerne schon vor drei Monaten gemacht, aber da waren die Preise noch 'verkehrt herum' und es war extrem teuer geworden", sagt Trunk. Deshalb sei er sehr froh, dass sich der Markt inzwischen wieder normalisiert habe und das unter dem positiven Aspekt, dass mit niedrigeren Speicherumlagen zu rechnen sei.
Im Zusammenhang mit den niedrigen Füllständen beim Gas wurde auch öfter der Begriff Marktmanipulation genannt. Friedrichs widerspricht dem: "Wir haben es mit einem staatlichen Eingriff zu tun, der aus damaliger Sicht völlig rational und nachvollziehbar war: In einer Krisensituation musste sichergestellt werden, dass die Gasspeicher ausreichend gefüllt sind, um die Versorgung im Winter gewährleisten zu können. Allerdings hat dieser Eingriff den Markt an dieser Stelle massiv verzerrt – man kann sagen: zeitweise kaputt gemacht. Dabei haben sich die Marktteilnehmer völlig rational verhalten."



