"Ob der Bundestag den Nest-Prozess besser hinbekommen hätte, kann ich nicht beurteilen", sagt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller im ZfK-Interview.

"Ob der Bundestag den Nest-Prozess besser hinbekommen hätte, kann ich nicht beurteilen", sagt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller im ZfK-Interview.

Bild: © Bundesnetzagentur

Die Lieferantenwechselquoten erreichten 2024 neue Rekordstände. Dies steht im am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Monitoringbericht von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur zu den Entwicklungen auf den deutschen Strom- und Gasmärkten.

Auf diesen Märkten ist seit über einem Jahrzehnt kein Anbieter mehr als marktbeherrschend anzusehen. "Die Zahlen zeigen, dass Verbraucher heute mehr Möglichkeiten denn je haben, den für sie passenden Tarif auszuwählen", erklärt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. 2024 konnten Haushalte bereits zwischen 139 Strom- und 108 Gasanbietern wählen.

Weniger Grundversorgung – mehr Wechsel

Trotz der Herausforderungen der Energiekrise bewies der Markt demnach seine Widerstandsfähigkeit und habe sich 2024 stabilisiert. Dies zeige sich auch am Rückgang in der Grundversorgung, die 2024 wieder dem langfristigen Trend folgte. Im Strombereich lag der Anteil der verkauften Menge in der Grundversorgung nur noch bei rund 22 Prozent (Vorjahr: 25), im Gasbereich bei nur rund 16 Prozent (Vorjahr: 19).

2024 wechselten laut Bericht rund 7,1 Millionen Stromkundinnen und -kunden ihren Anbieter – ein Plus von 18 Prozent und ein neues Allzeithoch. Die Wechselquote lag bei rund 14 Prozent, zusätzlich nahmen über 3,3 Millionen Kundinnen und Kunden Vertragsanpassungen beim bisherigen Lieferanten vor. Auch im Gasmarkt erreichten die Wechsel mit rund 2,3 Millionen Haushalten einen Rekordwert (Vorjahr 1,8 Millionen). Die Wechselquote betrug etwa 17 Prozent; rund 1,2 Millionen Gaskundinnen und -kunden passten ihre Verträge selbständig an.

Preislich zeigte sich im Frühjahr 2025 eine gewisse Entspannung. Haushaltskundinnen und -kunden zahlten für Strom durchschnittlich 40,1 ct/kWh und damit etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr und für Gas 12,13 ct/kWh (rund drei Prozent weniger). Auch die Preise für Industrie- und Gewerbekunden sanken. So betrug der Strompreis rund sechs Prozent weniger als der durchschnittliche Vertragspreis des Vorjahres, und im Gasbereich setzte sich der Preisrückgang in der Tendenz ebenfalls weiter fort.

Die Preisrückgänge seien vor allem auf deutlich niedrigere Großhandelspreise und eine hohe Marktliquidität zurückzuführen. Die teils sehr hohen Preisspitzen während sogenannter Dunkelflauten wurden von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt untersucht. Hinweise auf missbräuchliches Verhalten ergaben sich laut den Behörden nicht.

Wandel in der Stromerzeugung

Neben der Marktentwicklung zeigt der Bericht auch den tiefgreifenden Wandel in der Stromerzeugung, der zunehmend von erneuerbaren Energien geprägt ist. "Die Energiewende zeigt klare Fortschritte. Im Jahr 2024 stammten bereits 54 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen – eine enorme Steigerung gegenüber 2005", so Müller.

Seit 2005 hat sich der Energiemix deutlich von fossilen und nuklearen hin zu erneuerbaren Quellen verschoben. 2024 ging die Stromproduktion aus Braunkohle um neun Prozent und die aus Steinkohle um 30 Prozent zurück – bedingt durch Kraftwerksstillegungen, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und niedrige Gasgroßhandelspreise. Deutlich zugenommen hat die Stromerzeugung aus Solarenergie (+18,6 Prozent), Wasserkraft (+13,3 Prozent) und Offshore‑Wind (+9,4 Prozent), während On-shore‑Wind infolge eines windärmeren Herbstes 2024 um 3,3 Prozent zurückging.

Müller: Aktueller Kohleausstiegspfad stützt Marktmacht der großen Erzeuger

Bei der konventionellen Stromerzeugung haben die fünf größten Unternehmen einen gemeinsamen Anteil von rund 55 Prozent. RWE bleibt Marktführer. "An diesen Anteilswerten ist jedoch der marktmachtsteigernde Effekt von Kraftwerksstilllegungen nicht ablesbar. Die deutliche Verringerung der marktlich einsetzbaren konventionellen Kapazitäten – vor allem durch die Rückkehr zum ursprünglichen Kohleausstiegspfad – hat die Marktmacht insbesondere der größten Erzeuger spürbar erhöht", erklärt Andreas Mundt. "Bei insgesamt knapperen Kapazitäten werden die verbleibenden Anlagen häufiger unverzichtbar für die Deckung der Nachfrage."

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