Blick auf das Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München in Unterföhring.

Blick auf das Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München in Unterföhring.

Bild: © SWM

Jetzt ist es amtlich: Der Kohleblock des Münchner Heizkraftwerks Nord wird bis mindestens Ende 2024 als systemrelevant eingestuft. Dies teilen die Stadtwerke München (SWM) als Kraftwerksbetreiber in einer Pressemitteilung mit. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hatte diese Einstufung beantragt, die Ausweisung wurde am vergangenen Montag (28. Oktober) von der Bundesnetzagentur (BNetzA) genehmigt. "Die Anlage werde zur Behebung von Netzengpässen durch strombedingte Redispatch-Einsätze benötigt", heißt es in der Begründung der BNetzA. Ohne die Verfügbarkeit des Kraftwerksblocks könne die Systemsicherheit nicht im erforderlichen Maße gewährleistet werden.

Gutachten: Deckungslücke bei Fernwärmeversorgung

"Wir haben mit der Entscheidung der BNetzA gerechnet und in der Debatte um den Bürgerentscheid bereits von Beginn an darauf hingewiesen, dass es sich bei Block 2 um eine systemrelevante Anlage handelt", erklärt Helge-Uve Braun, Technischer Geschäftsführer der SWM. Das vom Stadtrat in Auftrag gegebene Gutachten des TÜV Süd, das seit Mitte Oktober vorliege, habe bestätigt, dass der Block 2 aus zwei Gründen nicht abgeschaltet werden könne: "Zum einen wegen der jetzt bestätigten stromseitigen Systemrelevanz, zum anderen wegen der Deckungslücke in der Fernwärmeversorgung."

TÜV: Reduzierter Weiterbetrieb bis 2028

Das Gutachten des TÜV Süd empfiehlt einen Weiterbetrieb des Kohleblocks im reduzierten Betrieb bis 2028. Das Konzept sieht eine Auslastung des Kraftwerksblocks von 60 Prozent in der Heizperiode vor. In den Sommermonaten stünde die Anlage zwölf Monate still, in den Übergangsmonaten soll die Auslastung auf rund 24 Prozent reduziert werden. Mit dieser Fahrweise könnten laut TÜV Süd 14,5 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden, gleichzeitig führt dies zu Mindereinnahmen bei den SWM in Höhe von 343 Mio. Euro.

Stadtrat entscheidet im November

In einem Bürgerentscheid Ende 2017 hatte sich die Mehrheit der Wähler für eine Stilllegung der Anlage bis Ende 2022 ausgesprochen. Der Vorschlag, die Anlage im reduzierten Betrieb weiterzufahren, ist der Versuch angesichts der aktuellen Sachlage, dem Bürgerwillen dennoch bestmöglich Rechnung zu tragen. Initiatoren des Bürgerentscheids ziehen die Aussagen des TÜV-Gutachtens zum Teil in Zweifel, im Laufe des November wird eine Entscheidung des Stadtrats in Sachen HKW Nord 2 erwartet. (hoe)

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