Christoph Nath ist Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach.

Christoph Nath ist Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach.

Bild: © Stadtwerke Bad Kreuznach

Der Stadtrat in der Kurstadt Bad Kreuznach hat im letzten Sommer ein integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet. Die Wärmequellen im Zielbild 2040 sollen Wärmepumpen, Biomasse, Solarthermie und Nahwärme sein. Doch was wird aus der Gasnetzinfrastruktur und wie groß ist hier aktuell die Visibilität, um langfristig tragfähige Entscheidungen zu treffen? Christoph Nath, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach, steht hierzu Rede und Antwort und sagt, wo er sich noch mehr Klarheit im Detail wünscht.

Zweiter Teil einer kleinen ZfK-Serie zur Gasnetz-Transformation

Das Interview bildet den Auftakt einer kleinen Serie mit Einschätzungen von Stadtwerkeverantwortlichen zum Thema Transformation der Gasnetzinfrastruktur. Im ersten Teil sprach Gabriele Eggers, Kaufmännische Geschäftsführerin bei Gasnetz Hamburg, unter anderem über die Themen Stilllegung und Rückbau und forderte mehr Anreize für eine Dekarbonisierung der Gasnetze. Das komplette Interview finden Sie hier.

Herr Nath, reicht der aktuelle Regulierungsrahmen aus, damit die Stadtwerkebranche ihr bereits investiertes Geld in die Gasnetzinfrastruktur bis 2045 wieder zurückverdienen kann?
Christoph Nath: So isoliert mögen wir die Frage nach den notwendigen Änderungen im Regulierungsrahmen gar nicht betrachten. Es braucht vielmehr eine zukunftsgerichtete Transformationsregulierung. Neben der natürlich erforderlichen Refinanzierung bereits getätigter Investitionen geht es dabei vor allem um die Ermöglichung der Transformation der Gasnetze hin zu dekarbonisierten Molekülen unter Vermeidung volkswirtschaftlich unnötiger Kosten bei sozialverträglicher und fairer Verteilung der Netzkosten sowohl hinsichtlich der Kundengruppen als auch im zeitlichen Kontext.

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit Sie langfristig tragfähige Entscheidungen rund um die weitere Zukunft Ihrer Gasnetze treffen können?
Wir wünschen uns, dass die regionalen Unterschiede anerkannt und nicht durch eine zentrale Forderung wie „all-electric“ maßgeschneiderte Lösungen vor Ort gefährdet werden. Insgesamt wünschen wir uns eine zurückhaltendere Kommunikation mit Blick auf vermeintlich „richtige“ und „falsche“ Technologien.

Die dadurch entstehende Verunsicherung insbesondere unter kommunalpolitischen Entscheidungsträgern kann durch bessere Gesetze und Regulierung kaum ausgeglichen werden. Dort sind erste Schritte in die richtige Richtung respektive mit den KANU-Festlegungen der BNetzA getan. Weitere Anpassungen sind insbesondere bei den Ausbau-, Anschluss- und Versorgungspflichten sowie beim Umgang mit Gaskonzessionen notwendig.

"Wenn der dringend benötigte Rahmen für Investitionsentscheidungen kurzfristig nicht zu erwarten ist, sollten zumindestens die zu erreichenden Ziele definiert werden."

Bis wann brauchen Sie hier Klarheit? Aktuell sieht es ja so aus alle die bestehende Bundesregierung dieses Thema in der aktuellen Legislaturperiode nicht mehr anpacken.
So lange nicht klar ist, wo die Reise hingeht, können Stadtwerke auch keine Investitionsentscheidungen treffen, die auf Jahrzehnte binden. Den zunehmende Fachkräftemangel und Fragen der Finanzierung machen alle künftigen Aufgaben der Gasnetzbetreiber mit Sicherheit nicht leichter. Dazu kommt der Handlungsdruck der automatisch bei auslaufenden Konzessionen entsteht. Je schneller also klare politische Antworten, ein optimierter gesetzlicher Rahmen und die notwendige Transformationsregulierung vorliegen, desto besser ist es für uns als Gasnetzbetreiber.

Wenn der dringend benötigte Rahmen für Investitionsentscheidungen kurzfristig nicht zu erwarten ist, sollten zumindest die zu erreichenden Ziele definiert werden. Die Energieversorger der jeweiligen Region werden eigenständig den für ihr Versorgungsgebiet effizientesten Weg zur Erreichung dieser Ziele finden. Vorschnelle Mittelkürzungen und das Erzeugen von Unsicherheit sind bei einer so großen Aufgabe nicht hilfreich.

Wie gehen Sie generell mit dem Thema Gasnetztransformation um? Gibt es bereits eine Strategie oder erste operative Maßnahmen/Entscheidungen?
Der Stadtrat in Bad Kreuznach hat im letzten Sommer ein integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet. Die Wärmequellen im Zielbild 2040 sollen Wärmepumpen, Biomasse, Solarthermie und Nahwärme sein. Es gilt dabei jetzt zu prüfen und zu entscheiden, mit welchen konkreten Maßnahmen wir diesen politischen Willen konstruktiv begleiten können. Im Augenblick machen wir uns fit für diese Transformation.

"Eine vorläufige Entscheidung für eine strombasierte Wärmeversorgung führt häufig zu einem notwendigen massiven Ausbau der Stromnetze."

Inwiefern nimmt der Druck beim Thema Gasnetztransformation jetzt durch die Kommunale Wärmeplanung zu?
Die kommunale Wärmeplanung ist zuallererst die Chance, alle lokalen und regionalen Spezifika einzubringen und zu berücksichtigen: Gibt es Biogasanlagen? Läuft eine Wasserstoffleitung vorbei? Plane ich einen Elektrolyseur? Je nachdem, wie es vor Ort aussieht, kann es durchaus vernünftig sein, Teile des Erdgasnetzes auch künftig zu nutzen, indem man es beispielsweise für Wasserstoff ertüchtigt.

Es geht nicht darum, ob Gas oder Strom zur Wärmeerzeugung eingesetzt wird, sondern um die Frage, welche lokalen Gegebenheiten genutzt werden können und sollen, um eine wirtschaftlich effiziente und für die jeweilige Region passende Lösung zu finden, um das Ziel der CO2-Freiheit zu erreichen. Beispielsweise führt eine vorläufige Entscheidung für eine strombasierte Wärmeversorgung häufig zu einem notwendigen massiven Ausbau der Stromnetze, insbesondere in städtischen Gebieten.

Hier kann die Weiternutzung der Gasversorgungsnetze mit klimaneutralen Gasen zu einem deutlich wirtschaftlicheren Weg zur Klimaneutralität in Städten und Gemeinden führen. Angesichts des generell sehr hohen Finanzierungsbedarfs der Wärmewende muss das Ziel der Klimaneutralität mit volkswirtschaftlich effizienten Lösungen realitätsnah erreicht werden.

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Um die Zukunft und Transformation der Gasnetze und die notwendigen Rahmenbedingungen hierfür, aber auch um eine Amortisation der Kosten der Bestandsanlagen bis 2045 zu erreichen, geht es in der aktuellen Ausgabe der ZfK, die am heutigen Montag (5. August) erschienen ist. Zum Abo geht es hier.

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