Die Naturstromzentrale in Düssedorf

Die Naturstromzentrale in Düssedorf

Bild: © Naturstrom AG

Der bundesweite Strom- und Gasvertrieb Econsum GmbH aus dem oberbayerischen Waldkraiburg stellt zum 30. April seinen Geschäftsbetrieb ein. Er verkauft seinen Kundenstamm an die Change Energy GmbH, eine Tochter der Naturstrom AG. Dies erzählte am Donnerstag der Gründer und Alleingeschäftsführer der Econsum, Michael Schuller, auf ZfK-Anfrage nach einem entsprechenden Hinweis auf der Unternehmens-Website. Neue Kunden würden nicht mehr akquiriert. Naturstrom bestätigte den ZfK-Bericht, möchte sich aber mit weiteren Details zurückhalten.

Damit setzt sich die Einkaufstour von Naturstrom mit 24.000 neuen privaten und gewerblichen Strom- und Gaskunden mit Standardlastprofilen fort. Zuletzt hatte das Ökoenergieunternehmen Anfang des Jahres das Portfolio der Energiegenossenschaft Eveen (hier auch Angaben zu früheren Aufkäufen) aus der Insolvenzmasse aufgekauft.

Gut 120 freiberufliche Energiemakler

Econsums Firmengeschichte verlief anders als die der Eveen eG: 2010 gründete Schuller sie als Ein-Euro-AG in Waldkraiburg, nachdem die von ihm eigentlich angestrebte Energiegenossenschaft mangels Genossen nicht zustandegekommen war, und firmierte sie später in eine GmbH um. Zuvor war der Informatikkaufmann als Selbstständiger in IT-Projekten der bayerischen Justiz tätig gewesen.

Der Anspruch von Econsum waren niedrige Preise für Graustrom und herkömmliches Erdgas, eine gut Kundenerreichbarkeit und ein hohes Verbraucherschutzniveau. Vor Neukundenboni warnt die Website regelrecht; eine ZfK-Stichprobe auf Verivox fand Econsum nicht. Die Vertriebskanäle waren stattdessen die eigene Website sowie heute gut 120 Makler von Lieferverträgen mehrerer Unternehmen. Die aufnehmende Naturstrom-Tochter bekommt Neukunden, von denen 92 Prozent mit Econsum zufrieden waren. Sie übernimmt sie zu den Konditionen des Altlieferanten, außer, dass sie nun Grünenergie liefert, so Schuller.

Ein Stadtwerk als Abwicklungsdienstleister

Wie erfolgreich Econsum letztlich war, ist nicht bekannt: Der letzte veröffentlichte Jahresabschluss ist der von 2017. Ihm zufolge war die GmbH nach einem Bilanzverlust mit gut 50.000 Euro bilanziell überschuldet. 2016 schrieb sie dagegen 200.000 Euro Bilanzgewinn. Jedenfalls rieten die Ärzte dem 60-jährigen Michael Schuller im Spätjahr 2018 nach einem gesundheitlichen Schicksalsschlag – erzählt er –, aufzuhören und in Reha zu gehen. Die berufliche Zukunft des Unternehmers und die seiner acht Mitarbeiter sei weitgehend unklar. Eine Beschäftigte habe bereits eine neue Stelle. Entlassungen habe er nicht ausgesprochen.

Energiewirtschaftlicher Abwicklungsdienstleister im Hintergrund waren die Stadtwerke Schwäbisch Hall, so Schuller weiter. Econsum nutzte auch deren Software Sherpa X. (geo)

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