Die Wemag ist Verteilnetzbetreiber in Mecklenburg und Teilen Brandenburgs, ihre Vorstände sind Thomas Murche (l.) und Caspar Baumgart.

Die Wemag ist Verteilnetzbetreiber in Mecklenburg und Teilen Brandenburgs, ihre Vorstände sind Thomas Murche (l.) und Caspar Baumgart.

Bild: © Wemag/SKR Media

Der ostdeutsche Flächenversorger Wemag hat sich einen Darlehensvertrag mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 220 Millionen Euro gesichert. Die Mittel fließen in den Netzausbau in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Kredit wir über das Förderprogramm "InvestEU" vergeben, womit deutlich höhere Summen abrufbar werden als es Marktkonditionen erlauben würden. Was im vergangenen Jahr beschlossen wurde, soll diesen Donnerstag, 8. Januar, mit einer Vertragsunterzeichnung zelebriert werden.

EIB adressiert Marktversagen

Das Projekt sieht Investitionen in die Stromverteilungsnetze vor allem in ländlichen Gebieten im Westen Mecklenburg-Vorpommerns vor, in denen in den letzten Jahren nur unzureichend investiert wurde. Unter anderem geht es um die Integration erneuerbarer Energien.

Der Mangel an ausreichenden Finanzmitteln für die Energiewende in Deutschland sei ein Marktversagen, da die finanzielle Rendite die öffentlichen Güter wie Versorgungssicherheit und die Eindämmung des Klimawandels sowie externe Effekte wie die Reduzierung von Treibhausgasen und Luftverschmutzung nicht berücksichtigt, urteilt die EIB. Dieser Mangel an Finanzmitteln werde dadurch verschärft, dass die öffentlichen Versorgungsunternehmen über relativ geringe Eigenmittel verfügen und somit eingeschränkte Investitions- und Kreditaufnahmekapazitäten haben.

Attraktive Konditionen dank EU-Förderung

Der Invest-EU-Kredit böte für die Wemag mehrere wesentliche Vorteile, erklärt das Unternehmen. Dazu zähle vor allem das große Finanzierungsvolumen, die lange Laufzeit sowie insgesamt sehr günstige Konditionen, sowohl bei den Zinsen als auch bei der Bereitstellungsprovision. "In der Kombination ergibt sich für uns eine hohe Planungssicherheit über einen langen Zeitraum, was insbesondere für die Finanzierung umfangreicher Netzinvestitionen von zentraler Bedeutung ist", erklärt Wemag-Pressesprecherin Diana Kuhrau.

Das Zusätzlichkeitselement (engl.: "additionality") der EIB-Finanzierung im Rahmen des Förderprogramms "InvestEU" erlaube der Wemag, eine bis zu doppelt so hohe Summe an Kredit aufzunehmen, als die EIB auf eigenes Risiko bereitstellen könnte, erklärt auch die EIB auf ihrer Website. Die Fazilität hat eine Laufzeit von 20 Jahren, was länger als die durchschnittliche Laufzeit der Darlehen sei, die der Wemag auf dem Markt zur Verfügung stünden. Die Summe soll entsprechend dem Projektfortschritt in mehreren Tranchen bis zum Jahr 2029 abgerufen werden.

Kreditnehmer ist die Muttergesellschaft der Wemag-Gruppe, daher ist der Kredit strukturell gegenüber anderen Darlehen der operativen Gesellschaften der Wemag-Gruppe nachrangig (strukturell nachrangiges Darlehen).

Förderkredit hat höheren Aufwand

Ein so attraktiver Förderkredit kommt allerdings auch mit Pflichten: "Der Aufwand ist deutlich komplexer und insgesamt höher als bei klassischen KfW-Darlehen oder Finanzierungen über Hausbanken", erklärt Kuhrau. Im Rahmen des Invest-EU-Programms sei ein umfassender Projektrahmen aufgesetzt worden, in dem die Netzinvestitionen der kommenden Jahre gebündelt wurden.

Diese Investitionen seien detailliert nach ESG-Kriterien geprüft und deutlich technischer analysiert worden als bei anderen Darlehensgebern, so Kuhrau. Die Wemag habe diesen gesamten Prozess ohne externe Beratung durchgeführt. Von der ersten Ansprache bis zum Abschluss des Kreditvertrags habe dies insgesamt rund ein Jahr in Anspruch genommen.

Einen EIB-Kredit für den Netzausbau haben bisher unter anderem die Hamburger Energienetze, Stromnetz Berlin und N-ergie erhalten. Auch die Stadtwerke Karlsruhe bekamen einen Kredit für ihr Energiegeschäft, der allerdings auch das Wärmenetz betrifft.

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